100 Tage Kyoto

By | May 13, 2014

Der obligatorische Rückblick:

Hallöchen :)

Vom 3. Februar bis zum 12. Mai war Kyoto mein Zuhause und jenem Zeitraum widme ich diesen Eintrag, so wie ihr es schon von Gifu und Nagoya gewohnt seid ;-) Wir wollen ja keine selbst aufgestellten Traditionen ignorieren!

Zu allererst ist es wahnsinnig, wie schnell diese eigentlich lange Zeit vorüber gegangen ist. Also mir kommt es zumindest so vor, als ob meine ersten Erkundungen rund um den Hauptbahnhof erst letzte Woche waren…Die aktuellen Temperaturen passen dazu nicht ganz, aber egal :P Kyoto an sich hat mir total gefallen: Freundliche Menschen, riesige Fülle an Sehenswürdigkeiten, groß, aber immer noch überschaubar, einfaches Verkehrsnetz und noch mehr. Wer nach Kyoto kommt, will Tempel sehen – einen Geschmack vom alten Japan bekommen – und genau deswegen war ich so lange in dieser Stadt. Richtiges Großstadtfeeling hat man höchstens in der Einkaufsstraße, was das Ganze trotz 1,4 Millionen Einwohnern nicht danach aussehen lässt. Das Erlebnis Kyoto lässt sich kaum in Worte fassen; jeden Tag einen Ort entdecken, der schöner als die anderen davor ist…Wenn jemand mal in Kyoto sein sollte, sollte man sich unbedingt Zeit nehmen. Innerhalb von 3 Tagen von Tempel zu Tempel zu hechten reicht nicht aus, um die wahre Schönheit dieser Stadt zu erkennen.

kyoto_love

Dann meine Unterkunft: ein Guest House am Stadtrand. Das Zimmer war mehr als in Ordnung, die Vermieterin hat sich immer Mühe gegeben und die weite Entfernung zum Rest von Kyoto war im Angesicht der niedrigen Miete zu verkraften. Außerdem gab es ja alles in der näheren Umgebung: 2 Bahnlinien, U-Bahn, Supermärkte, Restaurants…Da sah es “damals” in Gifu definitiv düsterer aus :P Der stetige Strom von anderen Gästen mündete oft in sehr interessanten Gesprächen und manchmal in gemeinsamen Ausflügen. Doch ich war längst nicht mit jedem in Kontakt; oft bekam ich gar nicht mit, wer gerade alles im Haus wohnt, weil viele nur seehr kurz blieben. Wäre bestimmt schön gewesen, wenn wenigstens ein, zwei Leute länger geblieben wären. So hätte man sich noch besser kennen lernen können und alles…Darauf habe ich ganz sicher keinen Einfluss, aber ich kam mir des Öfteren ein wenig zurückgelassen vor :unsure: Alle kommen und gehen, doch ich bleibe.

Bis zum Sprachkurs und die Vorbereitungen darauf im April hatte ich einen mittelgroßen Hänger: Ich war faul :-( Jeden Tag viel zu lange geschlafen, manchmal gar nichts wirklich gemacht…Hier wäre eigentlich geplant gewesen, sich nach einem simplen Job umzusehen. Diese Idee hatte ich dann aber irgendwie verworfen und so gammelte ich an die zwei Monate vor mich hin. Klar war ich öfters unterwegs, aber halt nicht oft genug. Auf jeden Fall erfolgte die Rettung aus dieser Phase per Sprachkurs, der ein dementsprechendes Loch in meinen Finanzreserven hinterließ. Doch bereuen tue ich am Ende nichts! Mit dem gewonnen Vertrauen in meine Japanischkenntnisse traue ich mich jetzt eher auf Jobsuche. Das dürfte in Tokyo sicherlich kein Zuckerschlecken werden, doch probieren kann man es oder? ;-)

Zu guter Letzt eine weitere Erfahrung, von der ihr hier zum ersten Mal hören werdet: kurz vor meinem Auszug bekam ich die ehrenvolle Aufgabe, teilweise das Guest House zu leiten. Was?! Der Tobi managt ein Haus mit bis zu 12 Ausländern? Oh ja! Also mehr als Putzen und Einchecken der Gäste musste ich nicht übernehmen; die Reservierungen hatte weiterhin die eigentliche Vermieterin gepflegt. Diese war nämlich für 8 Tage auf einer Fortbildung in Tokyo und wer bietet sich eher als Hilfe an, als jemand, der das Haus schon kennt und auch ganz gut Englisch sprechen kann? Eine Freundin von ihr half allerdings auch aus – ganz alleine war ich nicht. Es war mal etwas völlig Anderes, sehr Interessantes, aber manchmal Anstregendes…Ich erinnere mich nur zu gerne an das eine Ehepaar, das erst um 1:30 Uhr morgens eintraf :patrick: Natürlich gab es auch eine finanzielle Entschädigung dafür. Besonders extrovertiert bin ich nicht, aber das hatte schon was…Braucht man zwar ein größeres Haus für, Papierkram wird es sicherlich auch geben und dann sollte man sich um Gäste bemühen…Vielleicht gegen Ende meiner Karriere als was-weiß-ich-was? :P

Alles in allem hatte ich eine wunderbare Zeit. Kyoto ist fast wie ein zweites Zuhause geworden, auch wenn es etwas sehr weit von meinem Heim in Deutschland entfernt ist. Die Stadt im Herbst zu sehen, dazu das berühmteste Fest Japans, noch mehr Berge besteigen, mal die Künste einer Geisha zu Gesicht bekommen…Langweilig wird es auch nach meinen 100 Tagen dort auf keinen Fall! Und ich habe mir selbst sowieso versprochen, wieder ein bisschen Zeit in Kyoto zu verbringen. Nicht mehr bis zu meinem Abflug, aber danach ;-) Es wird nicht mein einziger Japanaufenthalt gewesen sein, so viel steht fest!!

Vielen Dank fürs Lesen meiner Einträge. Ab jetzt könnt ihr euch auf meine Eindrücke aus Hiroshima sowie Tokyo freuen! Klingt gut oder? Aber gebt zu, dass ihr Kyoto mindestens so schön wie ich gefunden habt!

Grüße vom anderen Ende der Welt
Tobii~

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