Sonne, Rehe und ein Buddha

By | March 17, 2014

Ein Tag in Nara:

Und da melde ich mich schon wieder :bye:

Im heutigen Eintrag berichte ich euch von meinem Ausflug nach Nara, welches Anfang des 8. Jahrhunderts die erste, permanente Hauptstadt Japans war. Dementsprechend geschichtsträchtig sind einige Teile der Stadt! Ganz nebenbei stehen sowohl das größte als auch das älteste Holzgebäude der Welt in genau dieser Stadt. Seid ihr bereit? Hoffentlich :P

Nara lässt sich per Bahn – womit auch sonst? – von Kyoto oder von Osaka aus in weit unter einer Stunde erreichen. In der Regel reicht ein Tag aus, um zumindest die Hauptattraktion zu sehen. Es gibt aber auch eine andere für Touristen interessante Ecke, die sich leider in der komplett anderen Richtung befindet. Zusammen mit meinem indonesischen Mitbewohner Nick ging es dann um 10 Uhr los in Richtung Bahnhof. Das Wetter war dabei einfach herrlich: Fast gar keine Wolken am blauen Himmel und natürlich viel Sonne. Richtig warm war es jedoch noch nicht. Das Krasse war, dass es am Vortag noch sehr viel geschneit hatte…Jedenfalls schlägt eine einfache Fahrt mit etwa 4€ zu Buche, was für die zurückgelegte Strecke ziemlich billig ist. Auf der Fahrt kommt man dann an recht ländlichen Regionen vorbei, wo man sogar schon hier und da Kirschblüten sah! Wie es dieses Land immer noch schafft, mich mit seiner Schönheit zu überraschen…Nach gefühlten 40 Minuten waren wir dann auch schon in Nara. Tja, so schnell geht das :)

Der Hauptbahnhof ist von der Größe her mit dem von Gifu zu vergleichen, wobei es nicht besonders viele Läden gibt. Es ist dort eben alles auf die Touristen zugeschnitten, nehme ich an. Unser Ziel war dann Nara Koen, also Nara Park. Für einen “Park” ist das Gelände jedoch ziemlich groß und enthält sozusagen auch viele Sehenswürdigkeiten. Wie dem auch sei: Man muss einfach nur Richtung Osten gehen; sobald man die Einkaufsstraße verlässt und das erste Grün erreicht, ist man offensichtlich da. Überall in Nara stehen dabei große Karten, sodass man sich gar nicht verlaufen kann. Kommen wir also zum aufregenden Teil: Den Tempeln.

Kofukuji

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Am westlichen Rand des Parks gelegen wartet Kofukuji mit seiner Pagode auf, welche übrigens nur um einige Meter von der des To-Ji Tempels in Kyoto überragt wird. Mit anderen Worten ist sie die zweit höchste ganz Japans! Der Komplex ist jedoch nur noch ein Schatten seiner Selbst, denn von ehemals 150 Gebäuden haben im Prinzip nur ein Dutzend die Zeiten überstanden. Aktuell wird die “Goldene Halle” originalgetreu rekonstruiert, was allerdings noch bis mindestens 2018 andauern soll.

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Direkt vor der Pagode stießen wir dann auf die ersten Rehe. Was, wie? Rehe? Der gesamte Park von Nara wird von ca. 1200 Rehen bevölkert, die alles andere als menschenscheu sind. An jeder Ecke kann der Tourist dementsprechend eine Art Keks erstehen, mit denen man die Rehe dann füttern kann. Sobald man die Kekse zückt, kommt gleich eine ganze Bande an, die etwas abhaben möchte. Die Rehe sind definitiv eine Hauptattraktion Nara, weil diese den Park wirklich einzigartig machen: Täglich tausende Touristen, die wegen den Tempeln kommen, und mitten in der Menschenmenge Rehe, die sicherlich fast so oft wie die historischen Gebäude fotografiert werden :wow: Wo gibt es das sonst auf der Welt? Natürlich können sie mal etwas wilder werden; so wird man auf Schildern vor Kicken und Tritten gewarnt :horror: Wir haben allerdings nicht ein einziges Reh einen Menschen angreifen sehen.

Kasuga Taisha

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Als Nächstes trugen uns unsere Füße zum Nara National Museum vorbei und zum Kasuga Taisha Schrein, der zurecht ein UNESCO Weltkulturerbe ist. Nick und ich waren ehrlich gesagt etwas von den vielen ausgeschilderten Zielen überfordert, weswegen wir mehr oder weniger zufällig die Gegend erkundeten. Der Weg zum Schrein führt durch einen kleinen Wald und ist außerdem von hunderten Laternen gesäumt, die ganz gut Moos angesetzt haben. So entsteht eine ziemlich urige Atmosphäre :) Die Laternen kann man übrigens mit den Torii des Fushimi Inari Schreins vergleichen, weil diese ebenfalls von Personen gespendet wurden. Ganz so zahlreich wie die Tore sind die Steinlaternen allerdings nicht. Der Schrein selbst ist sicherlich ganz nett, aber richtig beeindruckend würde ich Kasuga Taisha jetzt nicht nennen. Es sind eben die Laternen und wohl auch die Geschichte (im 8. Jahrhundert gegründet; der Schrein wurde übrigens über fast 1000 Jahre lang alle 20 Jahre neu errichtet), die diese Stätte zum Weltkulturerbe machen.

Todaiji

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Dann folgte auch schon der Tempel, für den vermutlich die meisten nach Nara kommen: Todai-Ji mit seinem riesigen Buddha. Für 3,60€ kann man hier einen Blick hineinwerfen, was wir selbstverständlich auch getan haben. Da der Tempel sowieso von einer Mauer umringt ist, kann man von Außen gar kein schönes Foto schießen. Die Halle, die die 15m hohe Bronzestatue umschließt, ist dabei das größte Holzgebäude der Welt. Das Witzige ist, dass die originale Halle sogar noch ein Drittel größer war und angeblich von zwei jeweils 100m hohen Pagoden umgeben war. Auch hier war ein Feuer genug, um alles zu zerstören :cry: Die Halle ist natürlich immer noch riesig; gerade die Stützpfeiler sind beeindruckend. Der Buddha hat mich zugegebenermaßen nicht so ganz in seinen Bann gezogen. Vermutlich zerstört so eine gigantische Halle das Erlebnis, welches ich in Gifu hatte. Man weiß eben schon vorher, dass da etwas Großes drinnen sein muss. Außerdem fehlt der goldene Überzug. Jaja…Gold wirkt protzig, aber so empfinde ich das :P Am Ende kann man hier nur eine kurze Runde durch die Halle machen; mehr gibt es im Prinzip nicht zu sehen. Zu Todai-Ji gehört allerdings noch mehr: das Nandaimon Tor mit seinen beiden Holzfiguren, ein Museum und weiter nördlich die Nigatsudo Halle. Letztere hatten Nick und ich zuerst aufgesucht ;-) Die Halle kann man ein wenig mit Kiyomizudera in Kyoto vergleichen, weil sie ebenfalls eine – etwas kleinere – Terrasse hat, von der man vorzüglich auf Nara herab blicken kann.

Naramachi

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Zum Schluss suchten wir einen altertümlichen Stadtteil auf, der auf den Namen Naramachi hört. Vorher gab es jedoch in der örtlichen, überdachten Einkaufsstraße – in Japan “Arcade”, was meiner Meinung nach eine Spielhalle ist – noch etwas zum Mittag :good: Von den versprochenen traditionellen Wohnhäusern hatten wir uns aber ein wenig mehr erhofft…Gar kein Vergleich zu dem, was man in Kyoto finden kann. Nichtsdestotrotz finde ich es zumindest gar nicht übel, einfach mal durch ganz normale Wohnviertel zu schlendern und das alltägliche Japan zu sehen. Denn auch das ist Japan – es besteht nicht nur aus Tempeln, Schreinen, Gärten oder Einkaufsstraßen. Von dort aus ging es dann zum Bahnhof zurück.

Das war also Nara, die erste Hauptstadt Japans. Ich habe den Tag als sehr schön empfunden und bin mir sicher, dass ich noch ein weiteres Mal diese Stadt aufsuchen werde. Vor allem die Rehe werden mir im Gedächtnis bleiben :kawaii:

Danke fürs Lesen! War mal wieder etwas mehr, ich weiß…

Gez.
Tobii~

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