Daigo-Ji

By | February 14, 2014

Paradies am Berghang:

Moin :good:

Heute möchte ich euch von meinen beiden Besuchen des Daigo-Ji Tempelkomplexes berichten. Warum ich gleich zwei mal dort war? Ihr werdet es erfahren ;-)

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Nur eine U-Bahn-Station weiter nach Norden (?) entfernt liegt dieses UNESCO-Weltkulturerbe, welches aber völlig zu unrecht im Vergleich zum beispielsweise Fushimi Inari Schrein kaum besucht wird. Die ganze Anlage besteht aus insgesamt vier Teilen, die leider alle kostenpflichtig sind. Alles an einem Tag zu sehen, dürfte aufgrund einer ganz bestimmten Begebenheit vermutlich sogar unmöglich sein, aber fangen wir “unten” an: Sobald man das erste, kleine Eingangstor durchschritten hat, wird man von einem mit Kirschbäumen gesäumten Weg begrüßt, für den ich auf jeden Fall im Frühling dorthin zurückkehren werde. Am Ende dieses Weges kann man dann schon das große Tor bewundern, welches den eigentlichen Eingang markiert. Auf der Rechten befindet sich ein zumindest von Außen recht groß wirkendes Museum, in dem man die Schätze des Tempels bewundern kann. Ich war noch nicht drinnen, aber das wäre mal etwas für einen Schlechtwettertag. Zur Linken findet man den/ das Sanboin, die ehemalige Residenz des Hohepriesters. Ohne Schuhe und im Kombi-Ticket für zwei Attraktionen nur für 3,60€ darf man also diese uralten, mit Tatami ausgelegten Räume betreten, die teilweise handgemalte Wandverzierungen aufweisen. Zwischen den Gebäuden erspickt man dann kleinere Gärten, die schon sehr sehr schön anzusehen sind. Doch der richtige Garten verschlägt einem die Sprache…Wie in einem Zen-Garten fein säuberlich gehakte Kiesbetten, viel Moos, akribisch platzierte Steine, ein kleiner Teich mit Brücken…Diese Schönheit vermag vermutlich niemand richtig in Worte fassen zu können; ich versuche es erst gar nicht wirklich. Diesen Garten betrachtet man übrigens nur von einer Art Veranda aus, man läuft nicht durch ihn hindurch, wie es in dem von mir bereits besuchten Shosei-en der Fall war. Letzterer ist außerdem gar kein Vergleich mit dem Garten des Sanboin. Offensichtlich war das Fotografieren dort nicht gestattet, ansonsten wäre es euch wohl aufgefallen. An alle, die irgendwann einmal die Chance haben, diesen Garten zu sehen: Macht es!

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Die Pagode…

 

...und die Bentendo Halle

…und die Bentendo Halle

Als nächstes folgte ein Spaziergang durch das untere Daigo-Ji, welches das älteste Gebäude Kyotos beherbergt: Eine Pagode aus dem Jahre 951! Im Grunde ist es ein echtes Wunder, dass gerade ein Holzturm mehrere Feuer und ganz bestimmt auch Erdbeben überlebt hat, meint ihr nicht auch? Vor 1063 Jahren anno 951 n. Chr. herrschte Otto der Große über Deutschland und auch der Leuchtturm von Alexandria stand noch!! Und all diese Jahr über stand da in Kyoto diese Pagode. Das ist natürlich normal für ein hohes Alter, aber irgendwie muss man das doch mal würdigen und nicht einfach ignorieren. Ansonsten befinden sich mehrere größere Gebäude auf dem Gelände, die man auch teilweise betreten kann. Wirklich interessant wird es aber erst wieder am oberen Ende, wenn man auf die Bentendo Halle trifft: Ein kleines, rotes Gebäude umgeben von Wasser und Bäumen. Sie ist vor allem im Herbst beliebt, weil die Farbe der Blätter genau der der Halle entspricht. Anschließend kann man noch einen kleinen Garten durchstreifen, der vor allem auf Moos setzt.

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Mehr hatte ich bei meinem ersten Besuch nicht geschafft, weil es neben dem unteren Daigo-Ji eben noch das obere Daigo-Ji gibt! Dieses befindet sich – wie der Name schon verlauten lässt – oben in den Bergen. Zusammen mit meiner deutschen Mitbewohnerin Insa ging es dann daran, diesen Berg zu erklimmen =) Ich kann euch leider nicht sagen, wie hoch er ist, aber der Pfad ist etwas über 2km lang und man benötigt etwa eine Stunde für den Aufstieg. Auch ein Eintrittsgeld von 600 Yen muss entledigt werden. Außerdem muss man unbedingt vor 17 Uhr wieder unten sein, ansonsten möchte ich nicht wissen, was passiert…Der Pfad beginnt recht angenehm, wird dann allerdings zu einer mehr oder weniger endlos vorkommenden Treppe. Dazu ist man die ganze Zeit in einem sehr ruhigen Wald unterwegs, was für mich eine willkommene Abwechslung war. Außer uns waren an diesem Tag kaum andere “Bergsteiger” unterwegs, was die Ruhe noch mehr intensivierte. Eine Japanerin warnte uns dann vor Schnee, was ich zuerst seltsam fand…Es hatte zwar einige Tage zuvor geschneit, aber es lag keine einzige Flocke mehr auf dem Boden; alles geschmolzen :cry: Ein wenig weiter oben entdeckten wir dann die ersten weißen Flecken in der Landschaft und staunten schon nicht schlecht. Aber desto höher wir kamen, umso mehr Schnee lag noch auf dem Boden :horror: Das hätte vermutlich niemand von uns für möglich gehalten; ich zumindest nicht B-) Irgendwann erreichten wir den Gipfel, nach dem es aber wieder ein ganzes Stück runter geht. Erst dann hat man das obere Daigo-Ji gefunden. Größtenteils von Schnee zugedeckt, sah die Anlage sehr märchenhaft aus; dazu der Bambus, die Ruhe…Eine besondere Aussicht sollte man jedoch nicht erwarten. Dank Winter konnte man Kyoto durch die Äste ganz gut erahnen, aber mehr ist nicht drinnen. Mein persönliches Highlight war die zugefrorene Quelle, an der man sich eigentlich die Hände wäscht. Der nicht so einfache Aufstieg hatte sich aber auch im Ganzen mehr als gelohnt! Dazu fällt mir ein Werbespruch aus der U-Bahn ein: “Kyoto liegt in Japan. Wie schön.” So oder so ähnlich müsste die Übersetzung lauten.

Danke fürs Durchhalten, wenn ihr es bis hier geschafft habt. Ein extra-langer Eintrag für einen außergewöhnlichen Ort abseits des Trubels der Großstadt und auch ohne Massen an Touristen. Daigo-Ji, ich werde wiederkommen!

Gez.
Tobii~

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