Ein Turm, ein Garten und vieele Torii

By | February 11, 2014

Langer Tag mit gutem Wetter:

Willkommen zurück!

Begeben wir uns heute u.a. an einen der berühmtesten Orte Kyotos: Der Fushimi Inari Schrein mit seinen Tausenden von Torii. Das hatte ich mir zumindest vorgenommen…

Blick Richtung Süden: Im Vordergrund der Hauptbahnhof und am Horizont Osaka

Blick Richtung Süden: Im Vordergrund der Hauptbahnhof und am Horizont Osaka

Ich hatte nämlich einen Express und keinen Local Train nach Kyoto genommen und dieser hält eben nicht am Fushimi Inari Schrein. Also was tun? Einfach wieder zurückfahren? Nööö :P Ein Blick gen Himmel reichte aus, um mich auf den Kyoto Tower zu schicken; zum ersten Mal war es fast ganz klar und wann lohnt es sich denn sonst bitteschön? Für 5€ ist der Preis etwas höher als in Nagoya, aber wir sind ja auch in der Touristenhochburg Kyoto und nicht mehr in einer Industriestadt. Oben angekommen war ich nicht ganz so angetan wie vom Anblick Nagoyas, aber trotzdem sollte wenigstens ein Besuch zu einem Aufenthalt in Kyoto gehören. Was sieht man denn alles? Nicht so viele hohe Gebäude, aber dafür sind die wunderschönen, grünen Berge Japans ganz nah. Hier und da lassen sich auch Tempelgebäude und andere Sehenswürdigkeiten erkennen, was für die Orientierung nie schlecht sein kann. Das wirkliche Highlight ist aber Osaka. Ihr habt richtig gelesen, doch wie kann das sein? Kyoto und Osaka (die drittgrößte Stadt Japans; im Prinzip ein noch größeres Nagoya) liegen beide auf der selben Ebene, wobei ersteres im Norden und letzteres im Süden zu finden ist. Bei guter Sicht kann man dementsprechend die ca. 50km entfernten Wolkenkratzer deutlich am Horizont erkennen! Ich schätze, dass ich selbst auch mal einen Abstecher nach Osaka mache. Und wenn ich dabei nur das Schloss besichtige, wäre ich damit auch zufrieden.

Der Teich von Shosei-en mit der Holzbrücke

Der Teich von Shosei-en mit der Holzbrücke

Als Nächstes folgte ein Abstecher in den schon vorher genannten Garten östlich vom Higashi-Honganji Tempel: Der Shosei-en. Ich hatte zwar einen etwas längeren Umweg gemacht, aber am Ende habe ich ihn dann doch gefunden. Für 500 Yen kann man diesen Garten bewundern. Dazu erhält man übrigens ein sehr hochwertiges Heft mit Informationen und Fotografien ;-) Besonders groß ist der Garten nicht, aber wer – wie ich – japanische Gärten liebt, wird dennoch voll auf seine Kosten kommen. Vor allem die Brücken und der große Teich sehen wirklich wunderschön aus. Trotz “Winter” gab es einiges an Grün zu sehen, wobei man vielen Pflanzen selbstverständlich immer noch die Jahreszeit ansieht. Viel war da nicht los…Mal sehen, wie voll das dann zur Kirschblüte wird! Shosei-en steht schon jetzt auf meiner Kirschblütenliste :yahoo:

Kurz vor Sonnenuntergang kann man Glück so ein Foto schießen

Kurz vor Sonnenuntergang kann man Glück so ein Foto schießen

Nachdem diese beiden Sehenswürdigkeiten mehr oder weniger spontan besucht worden waren, folgte dann der Ort, für den ich eigentlich losgezogen bin. Schon beim Aussteigen aus dem Zug merkt man, dass man einen der Hotspots für Touristen besuchen möchte: Der Großteil steigt nämlich genau an dieser Station aus. Zum Vorteil für jeden Besucher befindet sich der Eingang zum Schrein wirklich direkt am Bahnhof; man muss lediglich eine Straße überqueren, bevor man schon das erste Torii durchschreitet! Der Hauptschrein ist sicherlich schön anzusehen, aber kann einfach nicht mit der wirklichen Attraktion mithalten…Am Rande des Schreines stehen übrigens ziemlich viele Souvenir-Läden, was die ganze Stätte etwas entweiht. Zur weiteren Entweihung tragen dann noch die vielen Touristen bei, wobei ich ja auch einer bin xD So halb zumindest: Ist man nach 4 Monaten in Japan immer noch ein Tourist? Ich lebe hier in Kyoto! Drei Monate lang! Es ist mein aktuelles Zuhause, wenn man denn so will…Auf jeden Fall befindet sich das, wofür alle zu diesem Schrein kommen, etwas weiter oben in Richtung Berghang. Zwei Reihen Torii, die so dicht aneinander stehen, dass sie fast schon einen Gang bilden. Hier findet man dann auch die meisten Menschen; an diesem Tag viele Chinesen, die ihre Neujahrsferien in Japan verbracht haben. Definitiv beeindruckend, aber für meinen Geschmack eben etwas voll. Ich bin schon jetzt gespannt, wie das zur Kirschblüte werden muss…In vielen Touristenführern wird man geradezu davor gewarnt, manche Sehenswürdigkeiten nicht kurz vor Schließung oder kurz nach Öffnung aufzusuchen. Die Reihe aus den kleinsten Torii ist gar nicht so lang, aber anschließend folgt im Prinzip ein Pfad ganz bis zur Bergspitze, der mehr oder weniger durchgehend von größeren Torii überdacht ist. Dort bin ich dann auch noch ein ganzes Stück hinaufgestiegen =) Da man fast nur Treppen steigt, geht das Ganze ein wenig auf die Oberschenkel und in seiner Winterjacke wird einem außerdem schnell warm. Zwischendurch gibt es kleinere Nebenschreine und auch Restaurants, wobei dort keine Menschenseele ein Mahl genoss. Umso höher man steigt, desto ruhiger wird es. Oberhalb des ersten Aussichtspunktes war ich dann oft ganz alleine auf diesem Pfad, was ein total tolles Erlebnis war.

Eine von vielen religösen Stätten auf dem Pfad nach oben

Eine von vielen religösen Stätten auf dem Pfad nach oben

Warum eigentlich die ganzen Torii? Auf der Rückseite jedes Torii findet man eingeritzte Namen von Privatpersonen oder Firmen. Hier und da steht auch ein Preisschild am Wegesrand…Mit anderen Worten ist jedes Tor gespendet worden! JEDES EINZELNE WURDE VON JEMANDEM BEZAHLT! Diese Tatsache hat mich echt umgehauen. Es gibt einfach so dermaßen viele Torii am Fushimi Inari Schrein, dass ich mir die Summe, die dabei zusammengekommen ist, gar nicht vorstellen möchte. Anders als die goldenen Schätze des Vatikans oder etwas Ähnliches, finde ich eine riesige Anzahl an Torii irgendwie viel beeindruckender. Gold wirkt dagegen so protzig :sweat: Für ein ganz großes Torii muss man dann an die 10.000€ und für die kleinste Version fast 1000€ zahlen. Interessant, dass man in Japan freiwillig so viel Geld für eine Gottheit ausgibt. Diese Gottheit ist übrigens der Reisgott; vielleicht hängt es damit zusammen?

Mal wieder ein längerer Eintrag, aber so ist das eben :P Viel Spaß beim Lesen und ich freue mich schon darauf, euch von meinen nächsten Unternehmungen zu berichten!

Grüße aus Kyoto
Tobias

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