さようなら Gifu

By | January 26, 2014

Ein Rückblick auf die erste vier Monate:

Tschüss Gifu!

Mit diesem Eintrag werde ich ein wenig meine Zeit in Gifu reflektieren, um dann quasi diese Episode abgeschlossen zu haben. Zumindest für mich wird das Schreiben ein wenig emotional werden :scratch:

Als ich im Oktober meine ersten Schritte auf japanischem Boden ging, traute ich mich nicht ein Wort Japanisch zu sagen und wusste auch sonst überhaupt noch nichts darüber, was mich erwarten würde. Ich war ein 19 Jahre alter, verrückter Typ aus Deutschland, der sich aufgrund seiner Liebe zu diesem weit entfernten Land dazu entschlossen hatte, ein Jahr zwischen Schule und Universität genau dort zu verbringen. An die allerersten Tage hier werde ich mich vermutlich noch sehr lange erinnern, weil ich da wirklich noch im “Tobias im Wunderland” war: Jahre lang hatte ich davon geträumt, hierher zu kommen und jetzt WAR ICH DA! Der erste Blick aus dem Flugzeug auf japanische Berge, ein Schrein direkt neben den Bahngleisen, eine Schule, die genauso wie im Anime aussah…All solche Anblicke hatten mich fast zu Tränen gerührt, einfach so sehr freute ich mich darüber. Außerdem die aus deutscher Sicht sommerlichen Temperaturen :wow:

So fing dann bald der Sprachkurs an, welcher mir unglaublich viel Spaß bereitete. Japanisch lerne ich wirklich total gerne, wenn es auch alleine nie wirklich klappt…Leider fand ich nicht wirklich Anschluss an andere Mitschüler, aber trotzdem war der letzte Schultag echt schwer für mich. Als ich dann in meinem Zimmer saß, vor mir das Zeugnis und das Abschiedsgeschenk, und dazu das Wissen, dass der Kurs für mich vorbei war.. Wie gerne hätte ich einfach doch weitergemacht! Von Tag zu Tag wurde es (zum Glück?) besser, und so geht es Morgen schon weiter nach Nagoya…

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Ohne zu lügen konnte ich weder eine Waschmaschine bedienen noch hatte ich jemals in meinem Leben etwas mehr oder weniger Richtiges gekocht. Natürlich gab es schriftliche Hilfestellung von meiner Mutter, aber es war dann alles anders hier: Gas- statt Elektroherd und die Waschmaschine ist von der Bedienung her komplett verschieden und natürlich auf Japanisch. Zögerlich nur, ganz vorsichtig und sachte, tastete ich mich langsam an all das heran: die verschiedenen Waschprogramme wurden erst ausprobiert, als es mit der Wäsche knapp wurde. Zu essen gab es in den ersten Tagen nur Fertiggerichte aus der Mikrowelle, aber spätestens als mein Körper das nicht mehr ganz so vertrug, wurden Spaghetti mit Tomatensoße gemacht. Jetzt weiß ich zumindest bei meiner Waschmaschine, wie ich was waschen muss. Und mittlerweile schaffe ich es immerhin, eine Art Reispfanne mit TK-Gemüse und Fleisch aus der Mikrowelle auf den Teller zu bekommen. Hauptsache es ist essbar und füllt den Magen :patrick: Dazu so alltägliche Dinge wie Geldholen, Einkaufen oder Putzen…Mal sehen, wie es wird, wenn ich dann irgendwann wieder ins Hotel Mama einziehe.

Und zuletzt mein Job: Nur Möhrenschälen, aber immerhin kaum Japanischkenntnisse notwendig und dafür recht gut bezahlt, wie ich finde. Es war auf jeden Fall eine gute Idee gewesen, erst einen Monat lang nur zu lernen und erst dann mit der Arbeit anzufangen. Ansonsten wäre das Ganze etwas sehr…ungewohnt gewesen. Dann der Plan, auch noch nach Kursende zu arbeiten: Am Ende muss ich doch zugeben, dass es die richtige Entscheidung war. Aber irgendwie bin ich mit der Entscheidung, nur um die stressigen Neujahrsferien zu überspringen, noch einen ganzen Monat in Gifu geblieben zu sein nicht ganz zufrieden. Einerseits mehr Geld in der Tasche und etwas wärmere Temperaturen in den nächsten Zielorten. Andererseits war es eine Durststrecke, die mich überhaupt nicht glücklich gemacht hat. Ich weiß nicht, wie weit ich noch davon weg war, einfach zurück nach Deutschland zu gehen…Das klingt dumm und ist es auch. Ich hätte vermutlich einfach den Job geschmissen, wenn es gar nicht mehr gegangen wäre. Wobei ich dann über längere Zeit einfach gar nichts zu tun gehabt hätte…Jetzt habe ich es ja alles hinter mir; sehe wieder mit leuchtenden Augen auf die nächsten Monate!

Was da alles kommt: Nagoya mit seinem Schloss und seinen Museen. Danach eines DER Highlights meines ganzen Japanaufenthaltes: Kyoto. Von den Bombern im 2. WK verschont und Standort von über ein Dutzend UNESCO-Weltkulturerben. Meine Kamera wird viel zu tun haben :yahoo:

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Insgesamt hat mir meine Zeit in Gifu eine vor allem praktische Seite vom Leben in Japan gezeigt: Viel lernen und gleichzeitig viel arbeiten. Dafür gab es eben leider nur wenige Sehenswürdigkeiten in näherer Umgebung. Ob ich mir so eine Ackerei für ein ganzes Jahr vorstellen könnte? Nicht, ohne mal Gifu zu entfliehen und während der Schulferien die Touristenzentren unsicher zu machen. Falls man allerdings schon die berühmtesten Orte abgehakt hat, ist es vielleicht schon eher etwas. Da das für mich bekannt nicht gilt, seht ihr ja, was ich machen werde :bye:

Wie man sieht, ist es nicht immer einfach, aber so weit sie auch weg sind, hat mir meine Familie sehr geholfen. Danke! Ich bin in den vier Monaten ein ganzes Stück gegangen und es geht noch sehr viel weiter. Ihr könnt euch auf verdammt viele tolle Einträge freuen und ich freue mich so oder so darüber, jetzt hier sein zu können.

Euer
Tobii~

 

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