Überwinterung in Japan

By | January 25, 2014

Ein eiskaltes Thema:

Moin, moin!

Heute möchte ich mich ein wenig über die japanischen Häuser auslassen und was einen so erwartet, wenn man während der kalten Jahreszeit hier ist. Ihr merkt es vermutlich: schon die Einführung klingt total fröhlich :unsure: Auf gehts!

Während im Sommer 2013 mit über 40°C in Zentraljapan ein neuer Hitzerekord aufgestellt wurde, gehen die Temperaturen im Winter dennoch auf den Nullpunkt zu. Allgemein fällt der Winter in Japan sehr unterschiedlich aus: Auf der nördlichen Insel Hokkaido gibt es Dank der Nähe zu Russland und vor allem Sibirien so viel Schnee, wie man es bei uns ansonsten nur in höheren Lagen kennt. Im Kontrast dazu gilt es auf den doch sehr weit entfernten Okinawa-Inseln schon als Winter, wenn es in den Januarnächten knapp unter 15°C wird. Ich befinde mich ja mehr oder weniger im Herzen der Hauptinsel Honshu, sodass es hier auch noch kalt wird. Zwar ist es tagsüber mit nur selten unter 10°C sehr erträglich, aber nachts erreicht man dann doch den Gefrierpunkt. Das ist natürlich immer noch ein Witz von Winter, wenn man das mit dem vergleicht, was wir in den letzten Jahren in Schleswig-Holstein so hatten; aber das nur am Rande :) Es ist also gar nicht so kalt, nicht wahr? Wo liegt dann mein Problem?

Die japanischen Häuser hier auf Honshu sind allesamt Sommerhäuser: Kaum isoliert, keine Zentralheizung und jedes Fenster ist ein Schiebefenster, damit man die Hitze im Sommer etwas lindern kann. Die Fenster sind übrigens auch nur einfach verglast! Um trotzdem ein wenig die Wärme im Haus zu behalten, gibt es massive Fensterläden, die dann geschlossen werden. Eine Klimaanlage inklusive Heizfunktion gehört immerhin zur Standardausstattung, aber die zieht Strom ohne Ende. Das hält hier trotzdem einige Nachbarn nicht auf, das Teil rund um die Uhr am Laufen zu haben…Ich gehöre nicht dazu =) Alternativen zur Klimaanlage gibt es genügend: Von einer Kerosinheizung, in der dann wirklich direkt im Zimmer Kerosin verbrannt wird, über kleinere Heizstrahler bis hin zu elektrischen Heizdecken gibt es eine unglaubliche Fülle von Produkten, die einen im Winter warmhalten können, und deren Aufzählung den Rahmen eines ganzen Eintrages sprengen würde :patrick: Ich erwähne mal noch den berühmten Kotatsu, ein Tisch, unter dem ein Heizstrahler angebracht ist, und über dem dann eine Decke liegt. Im Winter steckt man dann einfach seine Beine drunter und schon wird es warm. Dort versammelt sich dann quasi zwangsläufig die ganze Familie, was ich an sich für eine echt gute Lösung halte. Es wird dabei auch als normal angesehen, im Winter mit Jacke im Haus rumzulaufen. Dafür gilt es aus japanischer Sicht angeblich als Skandal, wenn man auch nachts die Klimaanlage am Laufen hat.

Es gibt übrigens auch viele Theorien dazu, warum die japanischen Häuser so schlecht isoliert sind. Das ist zwar auch etwas am Thema vorbei, aber wenn wir es schon einmal erwähnt haben: Zum Beispiel wird – vor allem von Ausländern – vermutet, dass man die Häuser so einfach baut, damit man sie nach einem Erdbeben schnell wieder aufbauen kann. Eine andere Theorie ist die, dass man so der Natur sehr viel näher ist. Das Thema “japanisches Wohnen” wäre vermutlich sogar für eine Bachelorarbeit geeignet. Vielleicht gibt es dazu an anderer Stelle mehr ;-) In Kyoto stehen ja (noch) sehr viele traditionelle japanische Häuser, aber ich schweife so dermaßen ab xD

Nur zwei Stufen und dazu ein echter Staubfänger, aber erfüllt(e) seinen Zweck

Nur zwei Stufen und dazu ein echter Staubfänger, aber erfüllt(e) seinen Zweck

Wie sieht also meine Strategie für den Winter aus? Zwei Pullover und zwei Paar Socken gehören zur Standardausrüstung! Dazu habe ich mir einen kleinen, preiswerten Heizstrahler gekauft, der mir vor allem die Beine wärmt. Er schafft es aber auch, die Zimmertemperatur auf so 12°C bis 13°C zu halten, was dann mehr oder weniger erträglich ist. Dazu habe ich eine extra Decke, die mir sowohl am Schreibtisch als auch im Bett zusätzliche Wärme spendet. Manch einer scheint Probleme zu haben, bei niedrigen Temperaturen nicht mehr schlafen zu können, aber damit habe ich noch keine Probleme gehabt. Einfach den Kopf mit unter die Decke und schon gehts :good: Mein Negativrekord sind übrigens unter 8°C Zimmertemperatur, was das morgendliche Verlassen des ach so schön warmen Bettes erschwert. Ich dusche dann erst einmal schön heiß. Als Japaner gehört außerdem ein tägliches Bad dazu! Jetzt komme ich schon wieder auf ein Thema, welches unglaublich komplex ist…

Mit 10,5°C war es da gar nicht so kalt, aber es wird als Beweisfoto ausreichen!

Mit 10,5°C war es da gar nicht so kalt, aber es wird als Beweisfoto ausreichen!

Ich hoffe, dass dieser Einblick interessant war, auch wenn ich manch andere Themen zwangsweise angeschnitten habe :cry: Danke fürs Lesen und ihr könnt euch denken, wie sehr ich mich jetzt auf den Frühling freue!!

Liebe Grüße,
Euer Tobii~

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *