Weihnachten in Japan

By | December 16, 2013

Das Fest der Liebe?

Schon mal frohe Weihnachten an alle Leser!

Ich weiß, ich weiß…Es dauert noch ein paar Tage, aber nach meinem kleinen Adventskalender sind es gar nicht mehr so viele :P Bevor ich also erst nach dem Fest einen Eintrag über das japanische Weihnachten verfasse, mache ich das lieber schon jetzt. Feiert man in Japan überhaupt? Wenn ja, wie? Geschenke, Weihnachtsbaum, Beleuchtung…? Das werde ich alles versuchen zu beantworten.

Gibt es in Japan überhaupt ein Weihnachtsfest? Ja, gibt es. Schon bei meinem Besuch im Nagashima Spaland am am 9. November war der ganze Park auf Weihnachten getrimmt: geschmückte Bäume, Weihnachtslieder aus den Lautsprechern und die Parkangestellten hatten passende Mützen auf. Nicht allzu lange Zeit später fing die weihnachtliche Beschallung auch in Konbini und Supermarkt an. Bei Plant 6 und auch im 100-Yen-Laden gibt es auf einmal weihnachtliche Dinge im Eingangsbereich zu kaufen. Einige Läden sind sogar richtig geschmückt, wobei man in den Einkaufszentren große Weihnachtsbäume findet. In der Lobby der Sprachschule stehen übrigens auch zwei Exemplare aus Plastik! Die Wohnhäuser sind zumindest von Außen kaum saisonal angepasst, während bei uns Lichterkette und was weiß ich nicht alles die dunkle Jahreszeit etwas gemütlicher machen soll. Und wie man es fast nicht anders erwartet hat, sind am Wochenende vor allem die Kinderabteilungen voller Menschen. Das Ganze klingt doch schon ganz gut oder? Abwarten…

Der Weihnachtsbaum von "Colorful Town" mit blauer LED-Beleuchtung, die meine Kamera nicht so gut festhalten konnte; deswegen der SW-Filter!

Der Weihnachtsbaum von “Colorful Town” mit blauer LED-Beleuchtung, die meine Kamera nicht so gut festhalten konnte; deswegen der SW-Filter!

Wie feiert man denn? Ganz genau kann ich das nicht sagen, weil man sich darüber schlecht mit Japanern unterhalten kann. Zumindest wäre mein Japanisch nicht ausreichend, um alles zu verstehen. Am 23.12. ist ein offizieller Feiertag – der Geburtstag des Kaisers. Aber trotz Feiertag heißt das noch lange nicht, dass man auch frei hat. Viele Angestellte müssen also auch am 23. und erst Recht am 24. ihrer Tätigkeit nachgehen. Ob die Schulen schon geschlossen sind, kann ich später nachreichen, weil ich an den Tagen vermutlich auch arbeiten werde :unsure: Auf meinem Weg zur Arbeit werde ich dann ja sehen, wie viele Schüler unterwegs sind.

Gibt es besondere Traditionen? Auch die gibt es, auch wenn sie uns eher seltsam erscheinen mögen. Genauso wie in Deutschland bekommen die Kinder Geschenke; die dürften meiner Einschätzung nach nicht besonders groß ausfallen, weil in Japan das Neujahrsfest einen sehr viel größeren Stellenwert als bei uns hat. Dort erhalten die Kinder eine stattliche Menge Geld, wie uns der eine Lehrer bei Gelegenheit erzählt hatte. Das Festmahl fällt dagegen komplett anders aus: In unseren Breiten kommen Fondue, Ente, Truthahn, Gans oder ähnlich stattliche Gerichte auf den Tisch. In Japan bestellt man sehr gerne bei der für ihr Hähnchen berühmten Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken (KFC) ein Weihnachtsmenü. Das mit dem Bestellen muss man wirklich machen! Ansonsten wird es mit einem Sitzplatz ziemlich schwer, so groß ist der Andrang. Warum KFC? Das dürfte wohl auf eine sehr geniale Werbekampagne zurückgehen. Inwiefern andere Ketten ähnliche Menüs anbieten, kann ich leider nicht sagen. Auf jeden Fall gibt es neben Fastfood auch eine süße Leckerei zu Weihnachten: Weihnachtstorten! Diese Kalorienbomben sind in der Regel mit Erdbeeren verziert und sind daher auch für die Augen ein Leckerbissen  :kawaii:  Um die Torten rankt sich übrigens auch ein Sprichwort: Frauen, die bis zum 25. Lebensjahr noch nicht verheiratet sind, wurden als Weihnachtstorten bezeichnet. Letztere will nach dem 25. Dezember nämlich noch kaum jemand haben :cry: Wie fies! Mittlerweile heiraten aber dermaßen viele Frauen erst nach dem 25. Lebensjahr, dass das Sprichwort aus der Mode gekommen ist.

Nach dem ersten Absatz dachte bestimmt jeder, wie schön Weihnachten in Japan doch ist. Aber es fehlt das Wichtigste: Das Verständnis von Weihnachten. Man kauft Geschenke, ist von den Liedern umgeben und man hat einen Weihnachtsbaum im Zimmer stehen. Doch wo ist der religiöse Hintergrund? In einem Land, in dem nur 1% der Bevölkerung christlich sind, ist er quasi nicht vorhanden. Geht es nicht darum, den Leuten, denen es schlechter als einem geht, etwas Gutes zu tun? Wo ist die Liebe? Zugegebenermaßen wird Weihnachten von jungen Erwachsenen als eine Art Valentinstag angesehen, aber für mich ist Weihnachten ein Familienfest. Jeder ist zu Hause, man isst zusammen, man packt zusammen die Geschenke aus…Das ist schlichtweg unmöglich, wenn die Eltern arbeiten müssen und die Kinder kein schulfrei haben. Japanisches Weihnachten ist für mich ein Fest des Konsumes und kein Fest der Liebe. Mag sein, dass “etwas” Weihnachten besser als gar kein Weihnachten ist, aber wirkliche Freude kommt so nicht auf. Am meisten freue ich mich momentan auf das Weihnachtspaket aus der Heimat :wow:

Danke fürs Lesen und manch einer wird erkannt haben: Der Tobi, der hat keine rosa Brille auf! Der kann das Land seiner Träume kritisieren!

Bis demnächst,
euer Tobii~

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