Tschüss Freizeit!

By | November 24, 2013

Jetzt wird Geld gescheffelt:

Hallo ihr da draußen im Internet!

Wie manch einer vielleicht schon vermutet hat, finde ich kaum noch Zeit um neue Einträge zu schreiben. Warum? Seit letztem Montag (der 18.11.) arbeite ich in einem kleinen Betrieb, der Gemüse verarbeitet – sprich schält und schneidet. So muss ich von Montag bis Samstag um 6 Uhr aufstehen, weshalb abends lieber Zeit zum Entspannen genommen wird als für das Schreiben neuer Einträge! Sorry! In der Woche arbeite ich natürlich nur bis 12 Uhr; um 13:30 beginnt ja schon der Unterricht. Samstags wird dafür bis 16 geackert.

Wie habe ich diese Stelle bekommen? Ich habe einfach vor dem Lehrpersonal den Wunsch geäußert, dass ich arbeiten möchte. Man hat mir zwei Jobs zur Auswahl gegeben und sowieso alles für mich erledigt: Den Weg gezeigt, das Gespräch mit dem Chef geführt und danach noch mit Hilfe einer Schwedin als Übersetzerin die Arbeitszeiten und so erklärt. Ein wirklich einzigartiger Vorgang, den es an kaum einer anderen Schule geben dürfte. Einfach weil Gifu Gifu ist, schätze ich; 400.000 Einwohner, nicht besonders viele junge Einwohner, aber eine große Fülle an kleinen und mittleren Betrieben. Da ist dann auch etwas für Leute dabei, die kaum bis gar kein Japanisch sprechen! Versuch mal in Tokyo (ich mag die englische Schreibweise, weil sie der japanischen näher kommt :P ) so einen Beruf zu finden…Der ist innerhalb eines Tages weg.

Der Betrieb namens Green Package ist mit dem Fahrrad etwa 17 Minuten entfernt, was jeden Tag eine gute Portion Bewegung bedeutet xD Dafür sieht man jeden Morgen die japanischen Schulkinder mit ihren gelben oder weißen Helmen die Lernanstalten aufsuchen! Auf dem Weg geht es u.a. über einen Fluss, deren Hochwasserschutzwall von herbstlich roten und gelben Kirschbäumen gesäumt ist – wunderschön anzusehen! Daneben verläuft die Straße kurzzeitig nur durch große Reisfelder, was mindestens genauso cool ist. Samstag war sogar so klarer Himmel, dass man einen Schnee bedeckten Gipfel der japanischen Alpen (die heißen wirklich so) gesehen hat!! In keinem anderen Moment habe ich mich so sehr darüber geärgert, keine Kamera dabei gehabt zu haben :negative: In einer derart schönen Umgebung zu arbeiten macht das Ganze ein wenig einfacher.

Gearbeitet wird in Schürze, Haarnetz, Kopf- und Halsbedeckung (so eine Art Haube eben), zwei Paar Handschuhe, Gummistiefeln und Mundschutz. Letztere sind vorhanden, weil zumindest in dem einen der beiden Arbeitsräume Wasser steht; so bleiben die heruntergefallenen Stücke nicht am Boden kleben? Meine höchst anspruchsvolle Tätigkeit involviert das Vorbereiten der Karotten für den Schneidevorgang. Mit einem extra für diesen Zweck entworfenen Spezialwerkzeug muss ich zusammen mit manchmal bis zu drei anderen Angestellten dafür sorgen, dass die mit Verunreinigungen gespeckte Epidermis des orangefarbenen Gemüses beseitigt wird. Oder einfach: Ich schäle Möhren =) Das geht vor allem auf den Nacken, aber dafür weniger als erwartet auf die Hände; ich bin total anfällig für Blasen an den Fingern…Die Bezahlung ist definitiv in Ordnung :P

Symbolbild - Quelle newdystock

Symbolbild – Quelle newdystock

Wie fühlt es sich an, zum ersten Mal so “richtig” zu arbeiten? Ganz gut, ehrlich gesagt ;-) Aus viel zu viel Freizeit ist jetzt eventuell zu wenig Freizeit geworden, weil ich für meine Verhältnisse total früh ins Bett gehe. Ich will nämlich noch genug Energie für den Unterricht haben! Ist bei dem langsamen Lehrer stellenweise nicht ganz einfach :good: Man will eben immer das, was man gerade nicht hat…Besonders viele Kommunikationsprobleme gab es bisher nicht; Zeichensprache oder zur Not eine mexikanische Mitschülerin, die ebenfalls dort arbeitet und dabei sehr viel besser Japanisch spricht als ich (aber eben auch Englisch), halfen bisher alles Wichtige zu verstehen. Aufgrund meiner fehlenden Arbeitserfahrung *hust hust* kann ich nur schildern, wie das Arbeitsklima in einer japanischen Firma ist: Total höflich, aber gleichzeitig sehr ehrgeizig. Die meisten Wörter, die man da hört, sind wirklich “Entschuldigung” und “Danke”. Dafür lassen sich die japanischen Angestellten rein gar nichts anmerken und arbeiten einfach mit Höchsttempo weiter – Respekt an die älteren Damen, die die kiloschweren Kisten herumtragen! Im Grunde also wirklich so, wie man sich die Arbeitswelt in Japan vorstellt. Dabei reden wir nur von Gemüseschälen, Gemüseschneiden, Gemüsewiegen und Gemüseabpacken und nicht der obersten Büroetage von Mitsubishi.

Noch muss ich bzw. mein Nacken sehen, ob diese Arbeit etwas für mich ist. Nachdem ich die erste Woche inklusive der 7 Stunden (1 Stunde Mittagspause) Hardcoreschicht vom Samstag überlebt habe, bin ich allerdings zuversichtlich. Wie ihr ja wisst, wird es Ende Januar zuerst nach Nagoya und dann weiter nach Kyoto gehen. Dementsprechend werde ich vielleicht schon Ende Dezember wieder aufhören zu arbeiten. Ich soll dem Betrieb noch genug Zeit lassen, mir meinen Lohn auszuzahlen. Es wartet dann sowieso eine Suche nach Hotels bzw. einem schönen Guesthouse auf mich…Nichtsdestotrotz habe ich noch viele Themen zum Schreiben, es wird nur ersteinmal nicht mehr so häufig etwas Neues zu lesen geben.

MFG
Tobii~

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *