Nagashima Spaland

By | November 16, 2013

Die längste Stahlachterbahn der Welt!

Und der längste Eintrag dieses Blogs!

Na ihr =)

Ein paar Achterbahnfans unter euch? Ich bin auf jeden Fall einer und dementsprechend war es meine Pflicht, den nächstgelenden Freizeitpark in Nagoya zu besuchen! Anfangs war mir gar nicht bewusst, dass im Nagashima Spaland die längste Stahlachterbahn der Welt steht. Daneben ist der Steel Dragon 2000 – so der Name der Achterbahn – immer noch eine der schnellsten und höhsten Achterbahnen weltweit. Spätestens als ich noch das milde Wetter in Betracht zog, war dieser Ausflug schon entschieden. Zum Klima folgt aber noch ein eigener Eintrag ;-) Achtung: Langer Eintrag voraus! Nicht für kurze Pausen geeignet! :P

Inhalt:

Hinfahrt

Am Samstag den 9. November 2013 ging es zum 6 Uhr morgens aus dem Bett, damit ich möglichst viel Zeit im Park verbringen konnte. Dieser öffnet um 9:30 Uhr und so macht es wohl Sinn, um diese Zeit herum anzukommen. Ich nahm dann den Bus um 7:30 Uhr zum Bahnhof, wo ich zum ersten Mal alleine Zug gefahren bin. Solange man nicht Shinkansen (der japanische ICE) fährt, erhält man die Tickets an einem Automaten. Einige sowohl große als auch entfernte Städte (Kyoto, Osaka…) sind dort namentlich erwähnt, aber ansonsten findet man nur den direkten Fahrpreis zum Auswählen. In Deutschland muss man mühsam z.B. Hamburg HBF eingeben, in Japan wählt man einfach den Preis bis zu seinem Ziel. Dafür gibt es über den Automaten an der Wand eine Übersicht des Streckennetzes, wobei auch da nur größere Städte wie Nagoya oder Gifu in westlicher Schrift geschrieben sind. Für andere Ziele ist man wohl auf freundliche Japaner angewiesen xD Zur Not kauft man das billigste Ticket und nimmt dann am Zielbahnhof einen Automaten zum “Tarifausgleich” in Anspruch. Dort kann man völlig legal nachzahlen, falls man ein Ticket zu niedrigen Preises gekauft hat. Von Gifu nach Nagoya kostet eine Zugfahrt 450 Yen, was mit 3,30€ in Ordnung geht, finde ich. Außerdem gibt es unterschiedliche Züge: Express, Schnellzug und Regionalbahn. Von Ersterem zu Letzterem hält der Zug an immer mehr Bahnhöfen, bis die Regionalbahn an allen hält. Ich hatte das Glück einen Express zu erwischen und dementsprechend war schon der 2. Halt Nagoya!

In Nagoya angekommen staunt man nicht schlecht, wie groß schon eine Stadt mit zwei Millionen Einwohner ist. Der Bahnhof hat mehr als 10 Gleise, um ihn herum stehen gleich ganze vier Wolkenkratzer und sehr viel mehr Menschen waren unterwegs. Zwischen 400.000 und 2.000.000 Einwohnern muss einfach ein Unterschied sein :good: Nach meinen Informationen fuhr ein Bus vom “Meitetsu Bus Center” direkt zum Spaland. Meitetsu ist ein privater Verkehrsbetrieb, der neben einem Bus- auch ein Schienennetz betreibt. In etwa vergleichbar mit den kleinen privaten Bahngesellschaften überall in Deutschland, nur das Meitetsu um einiges größer ist. Kurioserweise gibt es dadurch in Gifu und in Nagoya jeweils zwei Bahnhöfe…Einmal der der staatlichen JR (Japan Railways) und der von Meitetsu. Das besagte Bus Center soll sich direkt am Bahnhof befinden, aber am Ende musste ich doch einige Minuten lang suchen. Es war wohl ein Fehler, den Hauptausgang zu nehmen; hätte ich den Südausgang genommen, wäre das Bus Center wirklich gleich am Bahnhof gewesen. Und zusätzlich ich habe eher etwas wie in Kiel oder Hamburg erwartet: Ein Center, dass nicht wirklich direkt am Bahnhof liegt, sondern ein Stück davon entfernt. Aber denkste! Es ist im 3. und 4. Stock des Meitetsu Bahnhofs…Darauf soll man ersteinmal kommen! Also Bustickets am Schalter geholt – der Angestellte sprach sogar Englisch – und ein wenig gewartet. Der Bus fährt zumindest zwischen 9 und 10 Uhr alle 20 Minuten. Hin- und Rückfahrt zusammen kosten übrigens 1800 Yen (ca. 14€), für die man allerdings 45 Minuten Fahrzeit u.a. über die Autobahn erzählt.

Autobahn auf Japanisch gefällig? In den Städten verläuft sie erhöht auf Betonpfeilern und man muss wie in so manch anderen europäischen Ländern auch üblich eine Mautgebühr zahlen. In beide Richtungen zwei Spuren empfinde ich aber nicht als sonderlich groß; da gab es in der Stadt schon Hauptstraßen, die drei Spuren hatte. Das Gute an einer erhöhten Stadtautobahn ist der Ausblick! Überall herum Häuser, hier und da Wolkenkratzer und ich habe sogar ein echt großes Torii (ein Tempeltor) gesehen. So war es fast kein Wunder, als man bereits aus großer Entfernung den Steel Dragon 200 erblicken konnte. Auf Nagashima – einer langen Insel (Nagashima heißt sogar “lange Insel”) im Kiso Fluss, welcher im Pazifik mündet – gibt es nämlich vor allem Einfamilienhäuser, sodass eine fast 100m hohe Achterbahn definitiv heraussticht.

Ankunft und mehr

Der Westeingang - natürlich inklusive Weihnachtsbaum!

Der Westeingang – natürlich inklusive Weihnachtsbaum!

Nach 45 Minuten ist man dann endlich da und wird von einem netten Herren begrüßt, der einem die Richtung ins Shoppingcenter und die zum Spaland zeigt. Mein Ziel war klar! Der Kauf einer Eintrittskarte funktionierte dann sogar per Kreditkarte, was immer gut zu wissen ist =) Schon bei der Wahl des Tickets fallen einem Unterschiede zu unseren Vergnügungsparks auf: Es gibt viele Verschiedene! Man kann zwischen “Nur Eintritt”, “Eintritt und jeweils eine Fahrt”, “Eintritt und unbegrenzte Fahrten” und “Eintritt und unbegrenzte Fahrten sowohl für den normalen Park als auch für den Wasserpark” wählen. Ein derartiges System ist sicherlich nicht schlecht, wenn z.B. mal die ganze Familie inklusive Oma und Opa einen Ausflug macht, werden Letztere wohl kaum mit den Achterbahnen fahren. So kann man in vielen Fällen Geld sparen. Für etwas mehr als 30€ gab es für mich das Ticket mit unbegrenzten Fahrten. Falls man ein Ticket mit nur jeweils einer Fahrt oder sogar keiner Fahrt gekauft hat, muss man sich im Park an Automaten behelfen; direkt an den Attraktionen wird nicht bezahlt! Eine Runde auf einer der beiden großen Achterbahnen schlägt dann schon mit 7€ zu Buche, sodass ich in so gut wie jedem Fall das Ticket mit unbegrenzten Fahrten empfehlen würde. Am Eingang erhielt ich dann ein pinkes Armband aus Papier, was ich an jedem Fahrgeschäft nur noch vorzeigen musste. So einfach geht das!

Der Bereich des Aquaparks

Der Bereich des Aquaparks

Direkt am Eingangsbereich befindet sich der Wasserpark, der im November natürlich schon geschlossen war. Im heißen japanischen Sommer wäre da sicherlich die Hölle los gewesen! Es gibt vor allem Rutschen und nicht sonderlich viele Schwimmbecken; man wird sich dort vermutlich vor allem abkühlen wollen, schätze ich ;-) Die Grünanlagen sind selbstverständlich gepflegt, wobei mir vor allem die Palmen im Gedächtnis geblieben sind. Selbst im Gardaland in Norditalien gibt es nicht so viele Palmen wie hier! Neben den Hauptattraktionen – namentlich die Holzachterbahn White Cyclone und der Steel Dragon 2000 – gibt es noch eine Hand voll kleine Achterbahnen. Ansonsten dürfen natürlich die Standardattraktionen wie Riesenrad, Schiffsschaukel, Überkopfschiffsschaukel, Freefall-Turm etc. Besonders ist vielleicht ein sehr großer Bereich für kleine Kinder, der auch einen riesigen überdachten Spielplatz beherbergt. In den Teichen leben übrigens Kois (!), die man mit Futter aus einem Automaten füttern kann.

Vor der ersten Achterbahnfahrt

Kommen wir nun zum spannendsten Teil: Wie fahren sich die Achterbahnen? Gehen wir hierbei in der Reihenfolge vor, in der ich mit ihnen gefahren bin. Davor noch ein paar Besonderheiten Japans und/ oder des Nagashima Spalands. Bisher war ich ja nur in dem einem Park. In jeder noch so pupsigen Achterbahn wird man gebeten, bitte Brille, Kopfbedeckung und sowieso alle Dinge aus den Taschen zu entfernen…Das Ganze kommt dann in einen Spint, dessen Schlüssel man am Handgelenk trägt. So dauert der Umsteigevorgang relativ lange, was anhand des sowieso ziemlich leeren Parkes kein Problem war. Zu Stoßzeiten würde ich mich zumindest ärgern. Die Brille kann man als Ausländer zumindest auch aufbehalten, wobei man dann zuerst angesprochen aber dann doch ignoriert wird. Das Personal geht vermutlich davon aus, dass man sie nicht versteht. Ich habe es nur in zwei wirklich kleinen Achterbahnen gewagt. So eine fast schon übertriebene Vorsichtsmaßnahme ist in Japan vielleicht zu erwarten gewesen, dennoch war es ungewohnt für mich, wenn man in bisher jeder gefahrenen Achterbahn in Deutschland und Italien eine Brille auf der Nase hatte. Dementsprechend war nicht so viel von der Aussicht zu genießen xD Das Personal agiert natürlich auch anders: Beim Losfahren gibt es ein “Willkommen” oder so ähnlich auf den Weg, was man vermutlich mit “viel Spaß” übersetzen sollte. Nach der Fahrt hört man des Öfteren ein “Ich bitte um Entschuldigung”, wofür auch immer…Man fährt doch freiwillig mit und MÖCHTE durchgeschüttelt, auf 150km/h beschleunigt oder sonstwas werden. Nun ja, so ist das wohl einfach in Japan. Zum Abschied winkte das Personal oft mit Handpuppen, was es in der Form ebenfalls nicht bei uns zu finden gibt.

White Cyclone

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Zuerst zog mich der White Cyclone in seinen Bann: Eine Holzachterbahn von zweien, die in Japan noch fahren, und dabei eines der größeren Modelle außerhalb der USA, der Heimat der besten Holzachterbahnen. 1994 gebaut und sogar mit original amerikanischen Zügen ausgestattet wartet eine sehr wackelige Fahrt auf einen; dagegen ist Colossus im Heide-Park ein Transrapid! Es war meine erste Fahrt auf einer solch abenteuerlichen Achterbahn, aber es fühlt sich super an. Insgesamt ist der White Cyclone vor allem aus Kurven aufgebaut, sodass man nur selten “Schmetterlinge im Bauch” hat; dafür wird man sehr stark durchgeschüttelt, weshalb man als Fahrgast schon ein wenig Respekt vor der ganzen Angelegenheit hat. Zum Abschied hatte ich sogar die Chance, in der ersten Reihe zu fahren, was auf jeder Achterbahn ein gänzlich anderes Erlebnis ist, als wenn man hinten im Zug sitzt. Die Strecke direkt vor einem :heart: …Es gibt nichts Besseres!!

Steel Dragon 2000

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Danach ging es schon zum Steel Dragon 2000, der weltweit längsten Stahlachterbahn. Über 2 Kilometer lang, 150km/h schnell und 90m hoch. Erst dieses Jahr wurden neue Züge beschafft, die quasi ganz offen sind; nichts mit Banden an den Seiten oder so…Nur Luft xD Dazu gibt es zwei Kettenlifte, weil einer zu schwer gewesen wäre! Wie krass ist das denn?! Die Fahrt selbst ist dementsprechend berauschend: Zwei große Gefälle und anschließend mit mehr als 100km/h in Schieflage durch Kurven rauschen. Das letzte Stück ist eine Art Buckelpiste, welche aus mehreren kleinen Gefällen hintereinander besteht und richtig Spaß macht. Dort warten auch zwei Tunnel, in denen es im Herbst wärmer war als Draußen…Ein ein wenig komisches Gefühl meiner Meinung nach. Vor allem nach den beiden großen Drops, wenn man gerade unten ist, wirken ziemlich große Kräfte auf den Körper, weil man nach einem Sturz aus 90m in die Sitze gepresst wird und vermutlich ein Vielfaches der Erdanziehungskraft erlebt. Für mich war das nicht ganz angenehm, aber dennoch ein einprägsames Erlebnis.

Ultra Twister

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Gleich in der Nähe findet man den Ultra Twister: Es geht im 90°-Winkel nach oben, wo man dann eine Rolle um die eigene Achse macht! Danach folgen zwei weitere Rollen RÜCKWÄRTS! Ein seltenes Erlebnis, was zwar interessant ist, aber es fehlt ein wenig der Kick.

Shuttle Loop

Der Looping mit dem Steel Dragon im Hintergrund

Der Looping mit dem Steel Dragon im Hintergrund

Zuletzt stelle ich den Shuttle Loop vor: Ein Streckenverlauf, den ich so nur – genauso wie den Ultra Twister – aus Computerspielen kannte. Man wird sofort am Start kurz beschleunigt (Desert Race ist da besser) und erlebt dann einen Looping. Dann steigt die Schiene so weit an, dass man anhält und zurückrollt! So geht es ein weiteres Mal durch den Looping. Auch nicht sonderlich aufregend meiner Empfindung nach, aber von diesem Achterbahntyp soll es weltweit nur noch drei Stück oder so geben!

Outlet-Center

Südeingang mit Rutsche und Steel Dragon

Südeingang mit Rutsche und Steel Dragon

Insgesamt war ich etwa 5 Stunden im Park, in denen ich kaum warten musste und jeweils zwei mal mit White Cyclone und dem Steel Dragon gefahren bin. Kurz etwas gegessen habe ich natürlich auch :yahoo: Groß ist der Park nun einmal nicht, aber trotzdem sehe ich den Preis von 30€ als gerechtfertigt an, weil man die längste, eine der höhsten und schnellsten Stahlachterbahnen überhaupt geboten bekommt. Nur wusste ich eben nach 5 Stunden nicht mehr, was ich noch tun sollte. So habe ich mir noch das Maskottchen des Parks in Form eines kleinen Plüschhasen gekauft und bin anschließend in eines von Japans größten Outlet-Centern gegangen. Dieses befindet sich gleich neben dem Park, weshalb das sprichwörtlich nahe liegend war. Im Center waren gefühlt mehr Menschen als im Park, aber Japan gilt all gemeinhin als eine der größten Konsumgesellschaften. Für Unterhaltung sorgte auf einer kleinen Bühne ein Straßenkünstler, der unterem mit Fackeln hantierte. Außerdem hat man einen super Blick auf den Steel Dragon, der quasi direkt am Outlet-Center vorbeifährt. An Läden findet sich dort alles was Rang und Namen hat: Nike, Adidas, Levis…Da ich aber kein Modemensch bin, gab es dementsprechend auch nichts zu kaufen!

Rückfahrt

Ein Blumenfeld auf dem Weg zum Park

Ein Blumenfeld auf dem Weg zum Park

Per Bus ging es dann wieder zurück nach Nagoya, wobei die Fahrt doppelt so lange gedauert hat, wie es normalerweise der Fall wäre. Das lag daran, dass etwas zentraler auf Nagashima ein großer Park (der zum Spazierengehen mit Bäumen und Blumen :bye: ) gelegen ist. Während der Herbst- und Winterzeit wird dieser von bestimmt einigen Millionen LEDs beleuchtet, weshalb es vermutlich keine Verwunderung war, dass ein extrem großer Andrang von Autos und sogar ganzen Bussen (!) bestand. Ich wollte da jetzt nicht auch noch hin und werde das aber auf jeden Fall nachholen! Auf der Fahrt gab es dann die Leuchtreklame zu bestaunen =)  In Nagoya habe ich dann nichts mehr gemacht und bin schnurstracks zum Zug gegangen. Das Finden vom Gleis war wirklich kinderleicht! In Gifu hatte ich einen kurzen Stop in einem Animeladen eingelegt, um zwei Zeitschriften zu kaufen. Es ging mit dabei nicht um die Texte (kann sie ja eh nicht lesen :-( ), sondern um die beiliegenden Poster! Weiße Wände ade, hallo Animeschönheiten! Aber dann war es wirklich genug und ich war einfach nur froh, als ich wieder zu Hause war.

Das war also mein Tag im Nagashima Spaland, den ich nicht so leicht vergessen werde. Dieser Eintrag ist der gefahrenen Achterbahn entsprechend über 2000 Wörter lang geworden, weshalb es ausnahmsweise ein Inhaltsverzeichnis gibt ;-) Ein normaler Eintrag hat so 500 Wörter *hust hust*

Danke fürs Lesen und bis zum nächsten Eintrag!

Euer
Tobii~

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