Der Alltag hat mich

By | November 14, 2013

Das Resumé der ersten ganzen Schulwoche:

Hallo ihr!

お元気ですか 「ogenki desu ka」。 Alles klar bei euch? Hier bei mir in Japan schon, wenn man die gefallenen Temperaturen außer Acht lässt. Dazu an anderer Stelle mehr ;-) Denn heute geht es endlich wieder mal um das Schulleben! Mittlerweile ist schon ein Monat (!) Unterricht rum und was könnte es Besseres geben, als ein kleines Resumé dieser 4 Wochen? Eigentlich war das schon nach ersten Woche geplant, aber pst…Auf gehts! Vier W-Fragen möchte ich dazu im Folgenden beantworten:

Wie muss man sich den Unterricht vorstellen? Ich versuche mal einen typischen Tag zu beschreiben. Angefangen wird mit dem Aufrufen aller Schülernamen, um die Anwesenheit zu überprüfen. Geantwortet wird einfach mit “Ja” und das wars. Anschließend gibt es häufig die Hausaufgaben oder einen Test zurück; nur manchmal sind diese vom letzten Tag. Es dauert in der Regel länger, bis man die korrigierte Fassung wieder in seinen Händen hält. Alles ist gut, solange man Kreise sieht! Am Besten gleich einen riesigen Kringel in der Mitte. まる 「maru」 – also Kreis – wird in Japan anstatt eines Hakens wie bei uns verwendet. Auf jeden Fall gibt es dann Tage, an denen neue Grammatik erklärt wird. Die Lehrkraft fängt dann mit einem einfachen Satz an und führt dann Fragen, Regeln, Verneinungen und so weiter ein. Das Ganze wird dann im zweiten Schritt in kleinen Dialogen zu zweit oder dritt geübt. Zuletzt gibt es schriftliche Aufgaben, die natürlich zusammen verglichen werden. Wird eine neue Lektion angefangen, kommen als Erstes verständlicherweise die neuen Vokabeln ran. Eine CD oder auch mal die Lehrkraft fungiert als Vorsager und man sagt dann eben das Wort nach. Dann folgt ein Durchgang mit bildlichen Darstellungen der Vokabeln, der anfangs von allen zusammen und danach pro Person beantwortet wird. Auf ein Bild eines Zuges folgt das japanische Wort für Zug und so weiter. Allgemein wiederholt man fast immer das, was die Lehrkraft sagt. So übt man in ungeahntem Maße die Aussprache! Am Ende einer Lektion kommen meistens viele schriftliche Aufgaben, die man aber auch noch zusammen erledigen darf. Bisher gab es nicht viel Stillarbeit. Größere “Ereignisse”, wie z.B. das gegenseitige Befragen nach Läden einer örtlichen Shoppingmall anhand des Grundrisses inklusive das Umstellen aller Tische, stellen eine Seltenheit dar. Tests finden in der Regel erst ganz am Ende eines Schultages statt, was zumindest an meinem deutschen Gymnasium anders gehandelt wurde. Der kleine Schriftzeichentest, wo nur jeweils die Lesung von 6 Kanji abgefragt wird, findet dafür direkt am Anfang statt. Insgesamt hört sich das alles wohl nicht ganz so spannend an, aber ich finde den Unterricht so zu 99% in Japanisch (selten findet mal ein englisches Wort den Weg ins Klassenzimmer) fast besser als wenn noch Erklärungen in Deutsch dabei wären. Auf diese Weise ist er sehr viel mehr intuitiver, was einen ganz anders fordert.

Das Titelblatt von "Minna No Nihongo"

Das Titelblatt von “Minna No Nihongo”

Wonach wird gelernt? Nach einem Buch – halt – nach DEM Buch wird gelernt. Minna No Nihongo ist das Standardwerk seit vielen Jahren und wir auch in der Japanologie an deutschen Unis eingesetzt. Pro Kapitel gibt es neue Vokabeln und eine neues grammatische Konstruktion kommt zu. Meiner Meinung nach ist das Buch etwas veraltet…Kassetten- und Rekorder gehören im Jahre 2013 der Vergangenheit an, aber gut. Vielleicht ist es in Japan unüblich, eine neue Auflage zu erstellen. Oder es interessiert einfach keinen :patrick: Mag auch sein…Optional gibt es übrigens noch ein Begleitbuch in fast jeder Landessprache, auf das ich aber verzichtet habe. Ich möchte mich ganz auf die japanische Ausgabe verlassen! Der Preis ist mit 15€ aber ok. Da habe ich bzw. meine Eltern schon teurere Bücher für die Schule kaufen müssen.

Wie schlagen sich die Lehrer? Wir werden von einer Lehrerin und einem Lehrer unterrichtet. Erstere ist auch unsere Klassenlehrerin und Letzterer kommt nur zwei mal die Woche zum Zuge. Ich könnte jetzt schreiben, dass es der Lehrer zu langsam angeht oder auch dass er sich gelegentlich vertut. Aber meinem Eindruck nach ist dieser Lehrer noch kein vollständiger Lehrer; des Öfteren beobachten andere Lehrer seinen Unterricht, was bei unserer Klassenlehrerin noch nie vorgekommen ist. Aber er hat irgendwann einmal vor langer Zeit Deutsch gelernt; von Zeit zu Zeit überrascht er mit einem Satz wie “Warum sind Sie nach Japan gekommen?” oder “Es tut mir leid” xD Ich möchte also zumindest sagen, dass es genauso wie in der entfernten Heimat verschieden gute Lehrer gibt.

Eine beliebte Art der Wiederholung: Umkreise das Richtige <img src='http://blog.tzf-clan.de/smileys//happy.gif' alt='=)' width='19' height='19' class='wpml_ico' />

Eine beliebte Art der Wiederholung: Umkreise das Richtige =)

Wie hoch ist das Tempo/ der Schwierigkeitsgrad? Das Tempo ist ganz gut. Pro Woche schafft man bestimmt eineinhalb Lektionen. Zum Vergleich: Während meiner zwei Semester an der VHS Kiel sind wir ungefähr bis Kapitel 9 gekommen. Jetzt (am 13. November), ziemlich genau nach 4 Wochen Schule, haben wir das 8. Kapitel angefangen. Das war aber auch zu erwarten, weil zwischen 2 Stunden und 15 Stunden pro Woche ein kleiner Unterschied ist. Bis jetzt hatte ich keine großen Schwierigkeiten, da es eben vor allem (nötige) Wiederholung war. Mal sehen, was noch so auf mich zukommt. U.a. die Schriftzeichen – die Kanji – von denen 2000 Stück im “täglichen” Gebrauch sind. Ich kann vielleicht zwei Dutzend lesen, aber beim Schreiben hört es bei mir echt auf…Es besteht nämlich für jedes Zeichen eine ganz bestimmte Abfolge der zu setzenden Striche. Einige Elemente wiederholen sich zwar, aber das schmälert das Ganze nur ein wenig.

So. Wieder ein Eintrag fertig für euch :good: Ich hoffe, es war auch dieses Mal interessant. Bis demnächst!

Tobii~

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *