Zurück ins Land der aufgehenden Sonne

By | September 12, 2015

Auslandsstudium in Japan:

Ein herzliches Hallo an euch alle!

Wie ich in meinem Rückblick auf das Sommersemester 2015 schon anklingen lasse habe und wie es sowieso in der Überschrift geschrieben steht, so möchte ich heute über mein geplantes Auslandsstudium in Japan schreiben. Nach meinen 9 Monaten Work & Travel wäre das mein zweiter, längerer Aufenthalt im Land der aufgehenden Sonne und mit sicherlich nicht der letzte. Meine Chancen stehen dabei gar nicht so schlecht, von Oktober 2016 bis August 2017 in Japan zu sein :yahoo: Ich werde euch selbstverständlich auf dem Laufenden halten! Falls es wirklich klappt, werde ich hier wieder von allem berichten und es wäre endlich wieder mehr auf meinem Blog los :P Bis dahin kommt allerdings noch so Einiges auf mich zu :sweat: Es folgt so eine Art Leitfaden, in dem ich die nötigen Schritte zu erklären versuche:

1.) Wer kann sich überhaupt bewerben?

Im Prinzip kann sich jeder bewerben, der wenigstens japanische Grundkenntnisse besitzt. Es müsste dann eben ein Gutachten ausgestellt werden, um diese Kenntnisse zu bestätigen. Und keine Angst: Wir reden zwar von einem Studium an einer japanischen Universität, jedoch kann dieses auch so aussehen, dass man neben einem intensiven Sprachkurs kaum richtig “studiert”, also an normalen Vorlesung o.Ä. teilnimmt. Dafür muss man schon eher Japanisch sprechen können…Den einzigen Hacken für Nicht-Japanologen/innen stellt wohl die Platzarmut dar: Von den demnächst 17 Partneruniversitäten in Japan und Europa, sind nur 6 – vielleicht auch nur drei, ich bin mir nicht sicher – auch für Studenten anderer Fächer offen, wobei diese nichtmal exklusiv sind und man trotzdem die Konkurrenz der Haupt- und Nebenfach Japanologen/innen hat. Mit anderen Worten ist es doch eher schwer, sich als Nicht-Japanolge/in für einen Platz an einer der Partneruniversitäten Triers zu bewerben. Für unmöglich halte ich es aber nicht, sofern man ein wenig mehr Japanisch sprechen kann und die Notwendigkeit eines solchen Aufenthalts gegeben ist. Allgemein findet die Bewerbung im Hauptfach nach erfolgreichem Abschluss des zweiten Sprachkurses statt; als Nebenfächler/in ist man an der Universität Trier insofern benachteiligt, dass die meisten Austauschprogramme den Hauptfächlern/innen vorbehalten sind.

2.) Welche Partneruniversitäten stehen zur Auswahl?

Die Universität Trier hat äußerst viele Partnerschaften mit Universitäten im Raum Tokyo, zwei in Osaka und des Weiteren eine gute Auswahl an eher ländlicheren Universitäten, die sich von ganz im Norden der Hauptinsel Honshûs mit Metern von Schnee im Winter bis hin zur zu Korea und China gewandten Küste auf der Rückseite der Hauptinsel verteilen. Das akademische Auslandsamt betreut eine Uni in Osaka, an der man sogar Homestay machen kann,  und zwei in Tokyo, welche dann für alle zur Verfügung stehen. Des Weiteren gibt es Plätze an drei europäischen Universitäten, die über bekannte japanologische Fakultäten verfügen. Dazu gehören u.a. Venedig und Budapest, für die man aber auch die jeweilige Landessprache zu einem bestimmten Grad beherrschen muss. Ich weiß jetzt allerdings nicht, ob diese Plätze von der Allgemeinheit wahrgenommen werden können oder nur von Haupt- bzw. Nebenfächlern.

3.) Wie läuft der Bewerbungsprozess ab?

Der ganze Zirkus beginnt am Ende des zweiten Semesters mit Informationsveranstaltungen von der Fachschaft und vom DAAD (deutsches akademisches Auslandsamt), in denen zumindest die meisten Universitäten vorgestellt und einem grundlegende Tipps mitgegeben werden. Auf der Internetseite der Universität Trier sind natürlich auch alle Partnerunis aufgelistet und die höheren Semester kann man genauso ausquetschen xD Hat man sich entschieden, muss man die Sprechstunde des Dozenten aufsuchen, der die jeweilige Universität betreut. Hier gibt es noch mehr Informationen und letzte Fragen können direkt geklärt werden. Der nächste Schritt ist dann der wichtigste: das Forschungsvorhaben. Zur Bewerbung gehören nämlich neben Formalitäten wie Passfoto, Immatrikulationsbescheid und einem Prüfungsnachweis auch ein jeweils einseitiges Anschreiben sowie ein Forschungsvorhaben. Hier muss man begründen, warum man nach Japan sollte, wieso es gerade die ausgewählte Universität sein muss und so weiter und so fort. Diese zwei Seiten entscheiden im Prinzip über alles, weswegen man sich viel Mühe geben sollte. Vor allem das Forschungsvorhaben erfordert einen nicht zu vernachlässigenden Aufwand, da man damit bestenfalls das Thema seiner Bachelorarbeit festlegt. Dementsprechend muss die dazugehörige Literatur gelesen und auch in den Text eingebunden werden. Forschungsthema heißt übrigens, dass man dazu in Japan Material sammelt :good: Falls man in die angestrebte Richtung nicht findig werden sollte, lässt sich das Thema selbstverständlich in Absprache mit dem vorher in einer Sprechstunde eingebundenen “Mentor” ändern. Hat man alles zusammen, werden die kompletten Unterlagen an den Betreuer der angestrebten Universität geschickt. Natürlich muss man hier eine Frist einhalten und nein, nicht komplette Bewerbungen werden gar nicht erst beachtet. Abschließend wird man zu einem persönlichen Interview eingeladen, bei dem man dem gesamten Japanologie-Kader Fragen beantworten muss – sogar teilweise auf Japanisch. Erst wenn man auch hier glänzen konnte, besteht die Möglichkeit, an einer Partneruniversität zu studieren.

4.) Wie lässt sich das Ganze finanzieren?

Durchschnittliche Studenten/innen haben vor allem von einem zu wenig: Geld. Japan – gerade Tokyo – ist dazu eine sehr teures Land…Woher also das Geld nehmen? Man kann sich für viele Stipendien bewerben, die von den unterschiedlichsten Institutionen vergeben werden, wobei die Vergütung von ein paar hundert Euro für wenige Monate zu einem Vollstipendium inklusive Übernahme der Reisekosten sehr stark schwanken kann. Man erhält übrigens schon automatisch ein Stipendium, wenn man einen Platz an einer japanischen Universität erhält, weil einem die üblicherweise anfallenden Studiengebühren erlassen werden. Dies ist schon eine nicht gerade kleine Entlastung. Mit Stipendien werde ich mich erst beschäftigen, wenn ich meinen Platz in sicheren Händen habe, weswegen ich darüber aktuell nicht wirklich sagen kann :sad: Ich weiß bisher nur so viel, dass man sich einfach bewerben und aufs Beste hoffen soll, gerade wenn man meint, dass man Stipendium XYZ sowieso nicht erhalten wird.

5.) Was man noch beachten sollte

Man sollte sich vorher im Klaren sein,dass man für 9 bis 10 Monate im Ausland sein wird, also weg von Freunden und Familie. Ich kenne das ja schon, aber wenn man z.B. ein sehr altes Haustier hat oder wenn man nicht ohne Freund/ Freundin oder auch die Familie kann, würde ich mir vorher sehr gut überlegen, ob ich mich überhaupt bewerben sollte. Man kann als Alternative schließlich auch ein Praktikum mit Bezug zu Japan absolvieren, wie auch immer da die Chancen stehen, etwas zu finden. Des Weiteren gibt es quasi kein Zurück mehr, sobald man den Platz angenommen hat.

6.) Wofür ich mich entschieden habe

Ich werde mich um einen Platz an der Shimane Universität in Matsue bewerben, die etwa 200km nördlich von Hiroshima an der Rückseite der Insel Honshûs gelegen ist. Da ich Tokyo schon kennen gelernt habe und mir es dort nicht besonders gefallen hat, wollte dort eben nicht hin. Um Osaka herrscht immer eine rege Konkurrenz, weil man die einmalige Chance hat, als Stipendium bei einer japanischen Familie zu leben. Irgendwie hab ich dann Gefallen an Shimane gefunden, welches so schön am Meer liegt und eine überschaubare Größe hat. Außerdem ist man dort als angehender DAF-Lehrer perfekt aufgehoben, weil man bezahlt Deutsch unterrichten kann. Auf der Suche nach einem Forschungsthema bin ich auf den griechisch-irischen Autor Lafcadio Hearn gestoßen, der für kurze Zeit in Matsue lebte und über das Japan des ausgehenden 19. Jahrhunderts geschrieben hat. Ihm wurde in Matsue sogar ein Museum gewidmet! Zu Hearn gibt es ausgesprochen viel, sodass ich aktuell noch auf der Suche nach einer konkreten Fragestellung bin. Vielleicht sollte ich mich mal etwas beeilen xD Meine zweite Wahl stellt Hirosaki ganz im Norden Honshûs dar, wofür ich mir einen der bekanntesten Autoren Japans ausgesucht habe. Auch hier fehlt noch die Konkretisierung, wobei ich doch sehr hoffe, dass es Shimane wird.

Einen Platz an einer japanischen Universität muss man sich also regelrecht erkämpfen. Zum Glück kann die Universität Trier praktisch für jeden Studenten einen Platz anbieten, sodass theoretisch jeder die Chance hat, nach Japan zu gehen. Die Bewerbung ist halt entscheidend…Dementsprechend ernst sollte man das Ganze angehen, wobei ich jetzt natürlich nur von der Universität Trier sprechen kann. Ich schätze aber, dass es an den anderen Unis mit japanologischen Fakultäten ähnlich ablaufen wird. Danke fürs Lesen! Ich hoffe doch sehr, dass der etwas tiefere Einblick interessant war.

Euer
Tobii~


-das Thumbnail stammt von Flickr und wurde im Rahmen der CreativeCommons-Lizenz benutzt-

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