Willkommen im Stress

By | August 31, 2015

Das 2. Semester!

Hallo ihr!

Wie angedroht folgt heute ein Blick zurück auf mein zweites Semester als Student der Japanologie, welches nicht etwa schon vor mehr als einem Monat zu Ende ging. Lasst mich also getreu dem Motto “Besser spät als nie” ein wenig über das plaudern, was einen so im Sommersemester erwartet :P

Zuallererst ist das Sommersemester eines: LANG! Im Wintersemester hat man ja die zwei Wochen Weihnachtspause, die einem eine sehr angenehme Pause bieten. Diese Auszeit fällt im Sommersemester leider weg, wobei man stattdessen einzelne Feiertage und auch eine Woche rund um Pfingsten erhält. Ich war dann natürlich so genial, diese eigentlich wichtige Freizeit als solche nicht wahrzunehmen…So ab Juni geht es dann nämlich schon auf die Klausuren zu, ohne einen einzigen freien Tag bis zum Ende des Semesters zu haben. Das wurde noch durch einen anderen Umstand erschwert, auf den ich später zu sprechen kommen. Jedenfalls kam mir das Sommersemester um Einiges zäher vor als das vorherige Wintersemester, was definitiv nicht an den Inhalten lag.

Im Sprachkurs wurde der Fokus theoretisch auf die “gesprochene Sprache” gelegt, wobei man praktisch davon eher wenig mitbekommen hat. Es wurden vor allem simple Satzkonstruktionen behandelt, die man im Grunde nur auswendig lernen muss. Dazu wie gehabt unglaublich viele Kanji. Die Vorlesung zur “Kulturgeschichte Japans” unterschied sich im klassischen Teil kaum von der Vorlesung zur japanischen Geschichte. Immerhin war der moderne Teil dagegen erfrischender, weil dann auch populärkulturelle Inhalte wie Fernsehdramen, Manga oder auch Anime zumindest angesprochen worden. Auf diesen Gebieten glänzten die Dozentinnen aber nicht unbedingt xD Ihr Fachgebiet stellt die Literatur dar, was in Dutzenden Zusammenfassungen von berühmten Werken japanischer Autoren und – ganz wichtig – Autorinnen mündete. Das Ganze fand vor dem Hintergrund statt, dass man ab nächstem Semester sich sowieso in einer eigenen Veranstaltung mit japanischer Literatur beschäftigen wird. Und sowieso wurde die “Pflichtliteratur” in Form eines einzigen Buches in keiner Weise in der Klausur abgefragt. Die einzig wirklich wichtige Veranstaltung hörte auf den kryptischen Titel “Japanologische Grundlagen”, in der vermittelt wurde, wie man u.a. Wörterbücher benutzt, Informationen in der Bibliothek nachschlägt, ein Referat hält oder auch eine Hausarbeit schreibt. Gerade die ganzen Formalitäten rund um die schriftlichen Arbeiten sind einfach unabdingbar. Dass die Dozentin uns auch Yoga-Übungen zur Reduzierung von Angespanntheit vor einem Vortrag oder Atemübungen gezeigt hat, steht auf einem anderen Blatt Papier…In meinem Nebenfach Deutsch als Fremdsprache waren die Inhalte an sich interessant, doch irgendwie auch wieder nicht: Die Seminare “Interkulturelle Kommunikation” und “Sprachtendenzen” handelten vom Umgang mit Angehörigen anderer Kulturkreise sowie von Eigenheiten der deutschen Sprache, wie z.B. Dialekte, Anglizismen oder auch Jugendsprache. In beiden Fällen bekam man quasi durchgehend Referate vorgesetzt, was nicht ganz so toll war. Die Vorlesung, die man außerdem besuchen hätte müssen, behandelte die “Deutsche Geschichte” und war die schlechteste Vorlesung, die ich mir hätte vorstellen können: Ein ergrauter Historiker spricht wie ein Wasserfall unglaublich detailliert jeden noch so kleinen Vorfall an, von denen ich am Gymnasium nicht das Geringste gehört habe. Dazu eine dermaßen zugeschissene Powerpoint-Präsentation, dass man am Ende einfach rein gar nichts behalten kann. Wofür muss man als angehender Lehrer der deutschen Sprache wissen, was ein Sachse namens Widukind im 8. Jahrhundert getan hat?! Der Gipfel war die Tatsache, dass sich zwei meiner Kommilitonen nicht zur Vorlesung angemeldet hatten, weswegen sie ihre Modulabschlussprüfung theoretisch nicht hätten ablegen dürfen. Da die Vorlesung sowieso niemand besuchen würde, hat man hier ein Auge zugedrückt. Es wurde also offiziell die Daseinsberechtigung der Vorlesung dementiert. Das Ganze ist in meinen Augen einfach nur behindert, aber das ist – wie alles in meinem Blog – nur meine persönliche Meinung. Sowieso kommen einem die Studieninhalte erst rückblickend so einfach vor; solange man noch im Semester ist, kann man das, was man lernen soll, gar nicht richtig reflektieren. Deswegen klingt das Ganze vielleicht etwas sehr banal, aber ein Studium ist und bleibt eine ernste Angelegenheit, für die man sich sehr anstrengen muss.

Die Prüfungen musste ich mit einer Ausnahme alle direkt hintereinander ablegen; also jeweils Montag, Dienstag und Mittwoch eine. Ich habs irgendwie geschafft und bin gut durchgekommen, was die Hauptsache ist. Das, womit ich mir persönlich den meisten Stress gemacht habe, war aber etwas ganz Anderes: Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, wird einem als Japanologie-Student dringend empfohlen, einen Auslandsaufenthalt im Land der aufgehenden Sonne zu absolvieren. Die Vorbereitungen hierfür fangen nämlich schon im zweiten Semester an, was wirklich früh ist. Wenn man dann auch noch Tobias heißt und die gesamte vorlesungsfreie Zeit in seiner Heimat verbringt, muss man also neben dem normalen Pensum inklusive dem Lernen für Klausuren bis zum Ende des Semesters sehr viele Entscheidungen treffen. Ansonsten hätte man die zwei Monate Semesterferien sehr gut dafür nutzen können, wobei die Professoren auch nur bis etwa Mitte August für Sprechstunden zu haben waren…Es geht dabei eigentlich nur um folgende Fragen: Welche Universität? Was für ein Forschungsthema? Welcher Dozent oder welche Dozentin kann das Thema begleiten? Klingt an sich machbar, aber vor allem das Thema ist eine extrem wichtige Angelegenheit, weil dieses idealerweise das Thema der Bachelorarbeit wird. Wenn man in Japan auf ein anderes, interessantes Thema stößt und/ oder wenig bis gar nichts zu dem abgemachten Forschungsthema findet, stellt ein Wechsel zum Glück kein Problem dar. Nichtsdestotrotz wird man schon für die Bewerbung eine DIN-A4 Seite darüber schreiben müssen, in der man auch Zitate oder Querverweise zu Literatur machen muss. Heißt also: Lesen! Und das macht am meisten Spaß, wenn man für etwas Interesse hat. Jedenfalls musste ich mich durch einige Bücher wälzen, bevor ich ein für mich spannendes Thema gefunden hatte. Über den Bewerbungsprozess und meine bisherigen Entscheidungen schreibe ich noch einen eigenen Eintrag, weshalb ich an dieser Stelle noch sehr viel ausgelassen habe.

Danke fürs Lesen, wenn ihr es bis hier geschafft haben solltet! Endlich mal wieder etwas mehr für euch. Wenn die Buchstaben erstmal aus den Fingern fließen, dann gleich als Sturmflut xD

Tobii~

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