Das erste Semester ist geschafft!

By | March 5, 2015

Kanji, Kanji und noch mehr Kanji:

Ohisashiburi!

Oder einfach “lange nicht gesehen”, wie es im Deutschen heißen würde. Eine wirkliche Erklärung habe ich nicht, warum ich erst jetzt dazu komme, mal wieder einen Eintrag zu verfassen…Weihnachtspause, Klausurvorbereitungen und so weiter und so fort. Zumindest mein Wintersemester ist faktisch am 19. Februar zu Ende gegangen, sodass es mir schon ein wenig peinlich ist, nicht einmal etwas zum Jahreswechsel geschrieben zu haben. Aber es ist, wie es ist und noch können wir nicht in der Zeit zurückreisen :P Wie im letzten Eintrag versprochen, berichte ich heute vor allem vom Sprachkurs und ganz allgemein, wie für mich das erste Semester als Student der Japanologie war. Auf auf!

Der Sprachkurs ist in zwei ungefähr gleich große Gruppen unterteilt – eine vormittags und eine nachmittags. Ich gehörte Letzterer an, die erfahrungsgemäß immer etwas kleiner ausfällt. Das hat aber den Vorteil, dass man mehr schafft ;-) Vier Tage die Woche trifft man sich also jeweils 90 Minuten, um Grammatik, Schriftzeichen und Vokabeln zu lernen. Inhaltlich werden einem im ersten Semester natürlich nur das Grundlegende vermittelt: Satzstellung, die beiden Silbenschriften, Vergangenheitsform, Imperativ, Umgangs- und Standardsprache, Zahlwörter, Adjektive und die sogenannten Postpositionen. Im Zeitraum von Ende Oktober bis Mitte Januar arbeitet man so das von unserer Dozentin erstellte Lehrwerk “Grundstudium Japanisch 1” zur Hälfte durch. Klingt doch nach einem guten Pensum, oder etwa nicht? Im Vergleich zu meinen Sprachkursen in Japan hatte ich in einem sehr viel kürzeren Zeitraum so ziemlich die gesamte Grammatik der ersten beiden Semester an der Universität gelernt. Dazu findet der Unterricht direktiv statt (es werden einem also alle Regeln in deutscher Sprache erklärt) und nicht wie in Japan – gezwungenermaßen – induktiv (die Lerner müssen sich die Regeln selbst formulieren). Außerdem wird neue Grammatik faktisch nur an zwei Tagen pro Woche eingeführt, da an den beiden anderen ein Hilfsdozent übernimmt, der zwar auch aus Japan stammt, aber Psychologe und kein Linguist ist. Mit diesem wird dann der neue Stoff geübt. Ganz allgemein wird sehr viel weniger Zeit für Übungen aufgewandt, was ich sehr schade finde. Das klingt jetzt natürlich sehr negativ, doch so schlimm empfinde ich es nicht: Wiederholung des bereits Bekannten ist immer gut und die Grammatik mit deutschen Begriffen zu lernen, eröffnet auch irgendwie einen anderen Blickwinkel auf das Ganze.

Eine Lektion aus Grundstudium Japanisch

Eine Lektion aus Grundstudium Japanisch

Das Lehrwerk an sich geht entsprechend unserer Dozentin eher den linguistischen Weg, was Vor- aber auch Nachteile hat: Grammatische Konstruktionen hat man super drauf, aber vom “alltäglichen” Japanisch lernt man nicht allzu viel. Im Nebenfach und sogar im Kurs des anderen Dozenten, der sich mit meiner jedes Jahr abwechselt, wird das Minna No Nihongo benutzt, also das Lehrwerk, mit dem ich auch in Japan gearbeitet habe. Im Gegensatz zu diesem, wird in “Grundstudium Japanisch” ab einer bestimmten Lektion auf die Umschrift der Schriftzeichen in Silbenschrift verzichtet, sodass man entweder selbst diese ergänzt oder mal eben vierzig bis fünfzig Kanji im Voraus lernt…Letzteres ist selbstverständlich utopisch, weshalb mir der Sinn dieser Entscheidung nicht einleuchtet. Obwohl ich diese Kritik verlauten lasse, denke ich dennoch, dass mir dieser Sprachkurs am Ende einen Vorteil geben wird. Vor allem in Hinblick auf die offiziellen japanisch Tests, in denen zum Teil sehr exotische Grammatik abgefragt werden wird. Denn am Ende ist gesprochenes Japanisch um ein Vielfaches leichter zu lernen als geschriebenes; wenn es also wieder nach Japan gehen wird, sollte ich schnell mein Defizit ausbessern können.

Ein anderes Thema sind die Schriftzeichen, von denen wir alleine im ersten Semester an die 350 Stück verinnerlichen mussten. Dabei wird aber nicht verlangt, z.B. in der Klausur am Ende des Semesters alle schreiben zu können, sondern nur ein kleiner, vorher genau festgelegter Teil. Durch die wöchentlichen Kanji-Tests wird am Ende trotzdem jedes einzelne Schriftzeichen abgefragt. Ob man wirklich am Ende des Studiums jedes der 2000 Kanjis, die für den “täglichen Gebrauch” benötigt werden, geschrieben haben muss, ist sicherlich fraglich. Es gibt ja nicht umsonst digitale Wörterbücher, wo man sehr einfach Schriftzeichen nachschlagen kann. Aus meiner Sicht wäre eine Halbierung des Pensums wünschenswert, aber dann schreibt man eben weiterhin gute fünf Stunden pro Woche nur Kanji, um sie irgendwie zu behalten. Ich habs mir ja selbst ausgesucht und so xD Nur bei meiner Dozentin lernt man übrigens “alle” Kanji; bei ihrem Kollegen und im Nebenfach wird nur ein Bruchteil davon eingeführt. Sowieso darf man anzweifeln, inwieweit einem die Schriftzeichen für “subpolare Klimazone” oder ähnliche Fachwörter im späteren Leben weiterhelfen.

Meine Karteikarten für die Kanji

Meine Karteikarten für die Kanji

Am Ende war für mich das erste Semester also fast nur von Schriftzeichen geprägt, da die Grammatik zu quasi 100% Wiederholung war. Vokabeln lernt man indirekt durch die Schriftzeichen und sowieso gab es nicht einen einzigen reinen Vokabeltest. Wirklich neu für mich ist das Übersetzen vom Deutschen ins Japanische und umgekehrt, wobei man da auch nur mal den Dreh raushaben muss, um diese zuerst komplex wirkende Qualifikation zu meistern. Des Weiteren wird einem im ersten Semester nahezu alles vorgegeben: Welche Kanji abgefragt werden, welche Grammatik man für die Klausur beherrschen muss…Dementsprechend fühlte es sich nicht wie ein Studium an, sondern eher wie Schule. Zum Glück dürfte es im kommenden Semester interessanter werden; ich hoffe zumindest, dass einem endlich mehr Freiheiten gegeben werden.

Neben dem Sprachkurs galt es noch die gesamte Geschichte Japans durchzunehmen und etwas über die Kultur zu erfahren. Nur Ersteres wurde direkt per Klausur abgefragt, sodass ich inklusive meines Nebenfaches nur drei Klausuren zu schreiben hatte, was sehr wenig ist. Als Randnotiz unter vorgehaltener Hand fallen die sogenannten Klausuren eher wie Tests aus: Die “Geschichtsklausur” konnte man in vielleicht 20 Minuten mit 1,0 bestehen. Auch die Japanischklausur fiel nicht unglaublich schwer aus, obwohl es immerhin mehr zu tun gab. Für mein Nebenfach hätte ich besser lernen sollen, aber es sollte noch ausreichen. Alles unter einer 4 bedeutet nämlich “nicht bestanden” und man muss diese Klausur dann wiederholen. Auf jeden Fall kommen einem die ersten Klausuren etwas seltsam vor, wenn man sich auf sein Abitur zurückbesinnt…

So sah also mein erstes Semester aus. Ob es letztendlich wirklich “geschafft” ist, wird das Ergebnis der Deutschklausur zeigen, aber ich bin optimistisch :yahoo: Mitte April geht es dann wieder los, aber vorher kommen hoffentlich noch einige Einträge zu verschiedenen Themen. Seit gespannt :bye:

Euer
Tobii~

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *