Über Japanologie

By | December 5, 2014

Was es ist und was es nicht ist:

Schon mal einen frohen Nikolaus euch allen!

Heute melde ich mich wieder, um etwas genauer auf Japanologie allgemein einzugehen, weil sicherlich kaum jemand sagen kann, was man da so lernt und am Ende damit anfangen soll. Auch über mein Nebenfach werde ich ein paar Worte verlieren. Gespannt? Hoffe ich doch :bye:

Japanologie gibt es in Deutschland erst seit 1914 an deutschen Universitäten und ist allgemein ein eher kleines Fach. Im Wintersemester 2014/ 2015 sind wir etwas über 40 Erstsemester (Erstis), die sich auf zwei Sprachkurs in Klassengröße aufteilen. Für die Vorlesungen sind zumindest gut 100 Studenten angemeldet, auch wenn nur selten so viele da sind. Dagegen weiß ich von Vorlesungen, die im überfüllten Audimax stattfinden und dann noch in weitere Hörsäle per Video übertragen werden…Im Vergleich dazu ist Japanologie einfach klein. Deswegen auch findet man das Fach nur an bestimmten Unis, die zudem einen eigenen Schwerpunkt haben: Wirtschaft, Sprache, Kultur, Theater…So gilt es sich schon beim Bewerben zu entscheiden, in welche Richtung man denn gehen möchte. Da ich von Mathematik einen großen Bogen machen wollte, fiel alles im Wirtschaft schon mal raus :P Nimmt man meinen durchschnittlichen Abiturschnitt hinzu, wurde die Auswahl weiter eingeschränkt, sodass es für mich am Ende Trier wurde. Ich muss allerdings sagen, dass ich gut 20 Tage vor Semesterbeginn selbst für Hamburg eine Zusage erhalten habe, wo eigentlich ein Schnitt im Einserbereich Pflicht ist. Aber das nur am Rande…Die Trierer Japanologie hat ihren Fokus auf Literatur (der japanischen Klassik) und Theaterwissenschaft. Es ist sogar nicht unüblich, seine Bachelorarbeit über zeitgenössische Populärkultur wie Manga oder Anime zu schreiben, wenn man denn will :yahoo: Übrigens kann man Japanologie nur als Zwei-Fach-Bachelor studieren, entweder als Haupt- oder Nebenfach. In beiden Fällen hat man viel zu tun, wobei der Sprachkurs im Nebenfach um Einiges langsamer voran schreitet. Ich studiere es natürlich im Hauptfach und bin daher ein richtiger Japo (wie sich die Japanologie-Studenten nennen). Nebenfach-Japos werden von den Hauptfächlern etwas belächelt…Wie das eben so ist xD Um mal reale Zahlen zu nennen: Pro Woche verbringe ich nur 16 “Schul-“stunden á 45 Minuten in der Universität, wobei dazu eben Vor- bzw. Nachbereitung kommen, für die ich pro Tag weitere 1-2 Stunden aufwenden muss. Und das, obwohl ich die behandelte Grammatik zu etwa 95% kenne und fast ausschließlich Schriftzeichen lerne. Mein Nebenfach ist jedoch eines der weniger aufwändigen Sorte…Schließlich hängt es am Ende auch sehr vom Dozenten ab, was man wie lernt: Der Sprachkurs wird hier in Trier abwechselnd von zwei Proffesoren geleitet. Während sich der eine sehr auf die gesprochende Sprache konzentriert, geht es bei seiner Kollegin vor allem um die geschriebene Sprache. Ich bin bei Letzterer gelandet, weshalb ich in den folgenden Jahren sehr gut mit Schriftzeichen umgehen sollte.

japo_trier

In Trier sieht der ideale Studienverlaufsplan für Hauptfächler wie mich folgendermaßen aus: Für die ersten vier Semester jeweils einen Sprachkurs und daneben werden Module wie Japanologische Grundlagen, Literatur, Landeskunde, Geschichte, Medien und Gesellschaft besucht. Fünftes und sechstes Semester sind Auslandssemester, die an einer japanischen Universität absolviert werden können. Es gibt allerdings auch zwei oder drei “geheime” innereuropäische Adressen, die durch besonders bekannte japanologische Fakultäten auffallen (u.a. Venedig). Man kann sich theoretisch ebenso mit einem Praktikum in beispielsweise Düsseldorf mit der größten japanischen Gemeinde Deutschlands begnügen, doch welcher Japan-Fan würde das freiwillig tun? %( Nach dem Japanaufenthalt geht es an die Bachelorarbeit, mit deren Fertigstellung man dann am Ende sein Studium abschließt. Ein Master-Abschluss ist nicht zwingend erforderlich, um eine Arbeitsstelle zu finden, wie es in manch anderem Fach durchaus der Fall ist. Wer es noch genauer haben will, kann hier durch das Modulhandbuch stöbern.

Damit kommen wir vermutlich zur wichtigsten Frage: Als was arbeitet ein Japanologe nach dem Studium? Während es bei Fächern wie Maschinenbau, Jura oder Informatik relativ klare Vorstellungen gibt, sieht das unter den Japos ganz anders aus. Man kann selbst eine Professur anstreben, Übersetzer bei deutschen Verlagen werden, selbstständig eine Geschäftsidee verwirklichen, in die Tourismusbrange gehen, nach Japan auswandern und dort sein Glück versuchen…Bei der Jobsuche ist auf jeden Fall Eigeninitiative gefragt, denn es gibt kaum jemanden, der direkt nach einem Japanologen suchen wird. Ich selbst weiß noch nicht so genau, für welche Richtung ich mich entscheiden werde :scratch: Vermutlich wird es mit meinem Nebenfach DaF aka “Deutsch als Fremdsprache” zu tun haben, das sich damit beschäftigt, Ausländern und Immigranten die deutsche Sprache als Fremd- oder eben Zweitsprache zu vermitteln. Zumindest das erste Semester ist seehr theoretisch, was naturgemäß eher trocken von der Hand geht. Erst später male ich es mir ziemlich interessant aus, wenn es wirklich darum geht, andere Menschen konkret zu unterrichten. Auch für DaF steht ein Praktikum auf dem Plan, welches fast überall auf der Welt absolviert werden kann. Ob ich dann zwei Fliegen mit einer Klappe während meiner Auslandssemster in Japan schlagen möchte, muss ich noch für mich entscheiden. Für zwei Monate in ein anderes, fremdes Land zu gehen, klingt nämlich nach einer größeren Chance, die ich nicht unbedingt in meinem geliebten Japan vergeben möchte. Dort werde ich noch genug Zeit verbringen, hoffe ich doch mal :P Da erweitere ich lieber meinen Horizont, indem ich genau nicht nach Japan gehe. Mal sehen…

Ansonsten wird einem in Trier auch abseits ein breites Sprektum an Japanischem geboten: Restaurants, Sushi, gelegentlich japanische Filme im Kino, durch den Fachschaftsrat veransteltete Aktivitäten und Feste, der Kontakt mit den Japanern und Japanerinnen an der Uni selbst, Manga-Club, Anime-Club…Sowieso ist jeder Japo in irgendeinerweise ein Nerd, egal ob Videospiele, Anime, Manga, Musik, Cosplay, man findet sich unter gleichgesinnten wieder :kawaii: Dementsprechend gut verstehen sich alle :)

Danke fürs Lesen dieses endlich mal wieder längeren Eintrags. War ich euch irgendwie auch schuldig, nachdem mein Blog wegen technischen Probleme so lange nicht erreichbar war…Für mich ging die Zeit ja weiter, selbst wenn nichts Neues von mir kam. Bis zum nächsten Mal, wo ich über den gelernten Stoff schreiben möchte bzw. wie der Sprachkurs allgemein aussieht. Freut euch drauf!

Euer
Tobii~

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