Das Ende einer Reise

By | July 18, 2014

Abschied:

Tschüssi!

Das ist zumindest das, was hier Morgen angesagt ist: Es geht nach mehr als 9 Monaten in Japan wieder nach Hause in den Norden Deutschlands. Freunde & Familie freuen sich schon gleichermaßen und ich mich natürlich auch irgendwo. Leicht wird mir der Abschied nicht fallen…Heute möchte ich zumindest ein wenig über die vergangene Zeit schwärmen :heart:

Nur wie fange ich an? Vermutlich am Anfang? Erstes Mal Japan und dann gleich 4 Monate im beschaulichen Gifu, wo ich den Alltag eines hart arbeitenden Schülers gelebt habe. Schulgebäude sowie Dormitory waren nicht im besten Zustand…Dazu das eher schnöde Gifu, das trotz 400.000 Einwohner eher das Flair einer Kleinstadt versprüht. Viel Freizeit hatte ich erst gar nicht, weshalb diese 4 Monate des ersten Verständnisses, was es heißt, in Japan zu leben, für immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben werden. Ohne auch nur irgendeine bekanntere Sehenswürdigkeit gesehen zu haben, vergingen diese Monate sehr schnell. Im Nachhinein bereue ich die Entscheidung für das “Nest” namens Gifu überhaupt nicht: Man kann sich komplett auf Schule und Arbeit konzentrieren, anstatt wie beispielsweise in Kyoto die ganzen Tempel abzuklappern oder in Tokio viele Nächte in Diskotheken zu verbringen. Sowieso leben in Gifu kaum Ausländer, was einen in der Schule richtig zusammen schweißt. Wirklich gute Freunde habe ich nicht gefunden, aber dennoch waren meine Mitschüler sehr freundlich und der internationale Mix sorgte für fortwährende Unterhaltung.

Dann eine Woche Nagoya, vor dessen Abreise ich in meiner leeren Wohnung vor Freude getanzt hatte. Zum ersten Mal für so lange Zeit direkt im Herzen einer Millionenstadt: Leuchtreklame, Menschenmengen rund um die Bahnhöfe & viel zu sehen. Nagoya ist zwar nicht extremst bekannt unter Touristen, aber diese 7 Tage markierten eben den Start einer anderen Ära, in der es statt Schulbankdrücken Sightseeing hieß. Dazu wurde ich mit so viel Sonne verwöhnt, dass mir Nagoya am Ende sehr gefallen hat.

In der Woche meines 20. Geburtstages ging es nach Kyoto, das mich völlig in seinen Bann riss: Atmosphäre im Guest House, die unglaubliche Fülle an historischen Tempeln bzw. Schreinen, die Kirschblüte, der Sprachkurs, das Essen, die Leute…Diese 100 Tage waren die besten, die ich während meiner gesamten 9 Monate erleben würde.

Anschließend ganz weit in den Westen nach Hiroshima, welches mich mit seiner grausamen Vergangenheit noch immer tief berührt. Dazu Miyajima, das ich gleich zwei mal aufgesucht habe. Und den ersten richtigen Sonnenbrand nicht vergessen!

Die erste und einzige Fahrt mit dem Shinkansen quer über die Hauptinsel Honshu nach Tokio, das mir leider nicht zugesagt hat. Doch möchte ich auch nicht auf diese eher negativen Erfahrungen verzichten, weil man immer aus seinen Fehlern lernt. Und schließlich noch drei Nächte in Nagoya, die mich u.a. ein letztes Mal nach Gifu geführt haben, wobei ich nicht tanzte, sondern Taschentücher brauchte.

Damit wären wir schon beim nächsten Thema: Japan habe ich recht gründlich kennen gelernt, doch was nehme ich darüber hinaus mit? Ich habe gelernt, alleine in einem völlig fremden Land zurecht zu kommen. Ich habe gelernt, in Städten mit bis zu 8 Millionen Einwohnern den richtigen Weg zu finden. Ich habe auch gelernt, selbstständig Mahlzeiten zu kochen, Wäsche zu waschen, sich um Bürokratie zu kümmern. Ich habe auch gelernt, wie ich selbst als Person mit fremden Menschen umgehe, die ich womöglich nur wenige Tage sehe. Außerdem finde ich, dass die Fotos, die ich meiner Kamera entlocken konnte, über die Zeit verbessert haben. Work & Travel zeigt einem nicht nur das Land von all seinen Facetten, sondern wird man selbst in gewisser Hinsicht reifer. Anfang Oktober 2013 als Muttersöhnchen in den Flieger gestiegen und Mitte Juli 2014 als selbstständiger, junger Mann voller Tatendrang zurückgekehrt.

Des Weiteren war ich so lange in Japan, um für mich zu klären, ob ich mich mit diesem Land für den Rest meines Lebens beschäftigen möchte. Die Antwort lautet definitiv “Ja” und dementsprechend geht es im Oktober an die Universität, um Japanologie zu studieren. Was ich damit am Ende anfange, muss ich noch herausfinden, jedoch werde ich alles in meiner Macht stehende tun, um irgendwann in mein Paradies zurückzukehren. Mir ist übrigens erst in der letzten Nacht in Tokio klar geworden, wie gut ich nach Japan passe: Ruhig, in der Regel recht höflich und beim Aufbauen von Beziehungen zu anderen Menschen ziemlich langsam. Dazu die Sprache, die Natur…Es gibt nur sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehr wenig, was ich an Japan nicht mag.

In Zahlen ausgedrückt würde meine Zeit in Japan übrigens dermaßen klingen: 288 Tage Aufenthalt, knappe 4 Monate Gifu, 10 Tage Nagoya, 100 Tage Kyoto, 1 Woche Hiroshima, 2 Monate Tokio. 16 Wochen Sprachkurs, 2 Monate Arbeit. Ca. 82 Stunden skypen mit Familie oder Freunden, einschließlich dieses Eintrages 82.358 Wörter für den Blog geschrieben, 2121 Fotos im Fotostream, ungefähr das fünffache habe ich mit meiner Kamera geschossen. Mehr als 20 mal im Curryhaus gegessen, unendlich viele Melonpans vertilgt, nur eine Flasche Captain Morgan sowie ein paar Bier vernichtet. Insgesamt viele viele viele Kilometer gelaufen, mehrere tausend Höhenmeter überwunden, Tage in (U-) Bahn und Bus verbracht…

Gibt es trotzdem etwas, das ich anders gemacht hätte? Ja, leider schon. Ich hätte nämlich ruhig etwas mehr arbeiten können…Irgendwie hatte ich ohne Vermittler nie genug Vertrauen in meine Japanischkenntnisse, als dass ich irgendwo angefragt hätte. Von den Finanzen her hat es Dank einer zusätzlichen Spende gereicht, doch ergab sich so zu viel Freizeit, die mir nicht immer gut bekam…Dass ich schlecht im schließen von Freundschaften bin, ist nichts Neues, doch zumindest ein wenig mehr hätte ich ruhig mit den vielen Menschen sprechen können, die ich auf meiner kleinen Odyssee getroffen habe.

Ansonsten habe ich nicht viel mehr zu sagen, außer dass ich so etwas unbeschreiblich Wunderbares vermutlich nie mehr so frei genießen kann. Als jemand, der quasi direkt nach dem Abitur Work & Travel gemacht hat, kann man schlecht sagen, dass man die Zeit seines Lebens hatte, weil man bis dato nur den Schulalltag kannte. Ich warte also auf später, was auch immer aus mir werden mag. Danke an alle, die meinen Wunsch wahr werden ließen, die mich in schwierigen Zeiten aufgemuntert haben, an die Lehrer/innen der Sprachschulen, an den Reiseveranstalter, an alle Leser und an meinen Teddy, der mich nach 20 Jahren immer noch überall hin begleitet.

Japan ist sicherlich nicht für jeden etwas, doch lade ich euch alle dazu ein, dieses kontrastreiche Land zu erkunden! Obwohl mein Aufenthalt im Land der aufgehenden Sonne nun vorüber ist, heißt das noch lange nicht, dass nichts mehr auf meinem Blog kommen wird. Ein wenig gibt es noch über Japan zu schreiben, doch möchte ich dann bei Zeiten über mein Studium berichten. Sowieso wird es irgendwann 100 prozentig wieder dorthin gehen, sodass ich dann gerne wieder meine Erlebnisse mit euch teilen werde. Ein wenig wird sich mein Blog sicherlich verändern, doch werden selbstverständlich keine Einträge verschwinden. Das, was ich hier so alles von mir gegeben habe, wird noch lange im Netz aufrufbar sein.

Das war es jetzt also erst einmal mit Japan, was? Bis zum nächsten Mal, du Paradies für diesen Tobi, der so viel über dich zu schreiben weiß!!

Gez.
Tobii~

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