Big City Life

By | July 17, 2014

Leben in Tokio:

Ein letztes Hallo aus Tokio!

Tja, so schnell sind zwei Monate um. Noch zwei Nächte im beschaulichen Nagoya und schon geht es in den Flieger zurück nach Deutschland. Dementsprechend folgt heute mein kleiner Rückblick auf die Zeit in Tokio. Das Prozedere kennt ihr ja bereits :P

Tokio empfand ich als sehr eigen, wenn ich so an die anderen Millionenstädte denke, die ich bisher besucht habe: Shinjukus Büro-Zombies, die allesamt in Hemd und Hose morgens, mittags und abends aus den Wolkenkratzern krochen. Harajukus modische Paradiesvögel. Touristenmassen in Asakusa…Irgendwie ist jeder in Tokio immer in Eile, sodass man einfach in der Menge untergehen kann und keiner schenkt einem größere Beachtung. Darunter leidet auch ein wenig die an den Tag gelegte Höflichkeit, denn besonders viele Verbeugungen sieht man an Zebrastreifen und Co. nicht…Natürlich sind alle immer noch total höflich, doch irgendwie geht man miteinander anders um. Außerdem leben in Tokio die meisten Ausländer auf einem Fleck, weshalb viel Englisch gesprochen wird (selbst in Taxis findet man kurze Sprachhilfen). Ich will nicht sagen, dass ich unbedingt der einzige Ausländer im Umkreis von 50km sein muss, der dann zu einer Art Attraktion wird (ein Chinese hatte so etwas für seine ländliche Heimat prophezeit). Aber man fühlt sich schon irgendwie besser, wenn man sein Japanisch benutzen darf und man hier und da mal angeguckt wird. Klingt komisch, ist aber so xD Auch in Geschäften und erst recht an Bahnhöfen heißt es einfach nur Massenabfertigung, die möglichst schnell gehen muss…Das hängt vermutlich mit der schieren Größe der Stadt sowie dem Status als Hauptstadt Japans zusammen. Zumindest die Größe selbst stellt nach Eingewöhnung kein Hindernis mehr dar. Sowieso kommt einem nach längerer Zeit in Tokio selbst eine eigentlich große Stadt wie Nagoya mit mehr als 2 Millionen Einwohnern ruhig vor :patrick: Von noch Kleineren will ich gar nicht erst anfangen…Um das Negative abzuschließen, findet ein Liebhaber des alten Japans in Tokio nicht mehr allzu viel aus dieser Rubrik: Stadtbrände, das Kanto-Erdbeben und zu guter Letzt die Bombenangriffe im 2. Weltkrieg haben Japans Hauptstadt innerhalb einem recht kurzen Zeitraum immer wieder zerstört. So sind fast alle größeren Tempel Nachkriegsbauten und auch sonst gibt es gar nicht soo viel zu sehen, dass man dort wirklich lange sein muss. Tokio ist eher ein Stadt, in der man lebt, und keine wie z.B. Kyoto, in der man nach mehr als drei Monaten noch nicht alles gesehen hat. Und mir fällt noch ein, dass diese Megastadt für ihre Größer sicherlich eine der saubersten ist, doch im Vergleich zu den anderen Großstädten ist es schon ein krasser Unterschied…Viele Obdachlose auf den Straßen, manchmal üble Gerüche…Hat mich regelrecht erschrocken, wie es in Tokio in der Hinsicht zugeht. Ich bin in der da aber vermutlich ein wenig verwöhnt. Trotzdem scheint Tokio unter Ausländern und Japanern gleichermaßen beliebt zu sein: Auf meiner favorisierten Webseite über Japan haben die meisten Tokio besucht (was auch mit den Flughäfen zu tun haben kann). Irgendwo bin ich sogar auf die Behauptung gestoßen, dass 90% aller Ausländer Japans in Tokio leben. Nach 2 Monaten in dieser Stadt würde ich dieses als glaubwürdig einstufen :horror: Vielleicht lag es auch an meiner Prägung durch mein kleines Heimatdorf in Deutschland oder durch vorheriges Aufsuchen anderer Großstädte Japans…Oder an der Regenzeit…Oder an dem schwierigen Austausch mit den Mitbewohnern im Share-House…Ende der Geschichte ist auf jeden Fall, dass mir Tokio am wenigsten gefallen hat.

U-Bahn Linien...

U-Bahn Linien…

Das mag alles recht kritisch klingen und ich meine es auch ernst damit, doch soll man nicht die guten Seiten vergessen: Mein Zimmer war sowohl von der Lage als auch von der Ausstattung her das Beste, das ich in Japan hatte. Dazu hatte ich die ersten richtigen Sommertage in Tokio. Ich möchte außerdem betonen, dass ich außerhalb Tokios einige der schönsten Tage überhaupt erleben durfte: Fuji Q Highland, Kamakura & Mitakesan. Diese Erlebnisse würde ich definitiv sehr vermissen. Dabei hatte Tokio selbst auch gar nicht so schlechte Attraktionen zu bieten: Skytree, Odaiba, Ghibli Museum und Co. waren echt cool. Leider gab es am Ende nicht ganz so viel zu sehen, dass es ein wenig schwer wurde, etwas Unbekanntes zu finden. Immerhin habe ich so einige der berühmtesten Orte Tokios gesehen, die nicht nur in Japan sondern auch in der westlichen Welt bekannt sein dürften.

...und Bahnnetz

…und Bahnnetz Tokios

Als Fazit will ich definitiv nicht sagen, dass die zwei Monate Tokio verschwendete Zeit waren und ich z.B. lieber in Kyoto hätte bleiben sollen. Wer kann von sich behaupten, in einer Stadt mit 32 Millionen Einwohnen zurecht gekommen zu sein? Wer kann von sich behaupten, 2 Monate in dieser Stadt gelebt zu haben? Nicht so viele, würde ich sagen. Des Weiteren weiß ich nun für mich, dass Tokio nicht mein Ding ist. Was auch immer die Zukunft bringen mag, diese Stadt werde ich also meiden. Und das ist definitiv etwas wert, meint ihr nicht auch? Außerdem fällt so der Abschied von Japan ein wenig leichter, weil man eben eine nicht ganz so schöne Zeit hat und dann ein bisschen eher wieder zurück nach Deutschland gehen möchte. Direkt nach dem Sprachkurs in Kyoto wäre es mir sehr viel schwerer gefallen, als es mir jetzt schon tut. Irgendwie hatte ich mir Tokio sowieso besser vorgestellt…Vielleicht hätte ein kleineres Share House geholfen? Oder nach dem 1. Monat recht spontan nach Hokkaido (Nordinsel Japans), obwohl meine Geldmittel schon über der Grenze waren? Es ist jetzt so gekommen, wie es eben ist. Euch da Draußen möchte ich Tokio keineswegs schlechtreden; fahrt hin und schaut es euch an, nur zu. Man kann wunderbare Dinge in dieser verrückten Stadt erleben, doch würde ich nicht dort leben wollen. Da bemitleide ich fast schon die ganzen Japaner; so ziemlich jeder Vierte ist in Tokio wohnhaft…

Danke fürs Lesen, auch wenn es ausnahmsweise ein negativer Eintrag war. Die nächsten weder wieder positiv – Versprochen!

Gez.
Tobii~

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