Japans altes Tor zur Welt

By | July 7, 2014

Yokohama:

Hallo ihr!

Mitten im Endspurt ging es an einem schönen Sonntag nach Yokohama, das für mich Japans altes Tor zur Welt ist. Aus dieser Zeit stammen nämlich die interessantesten Sehenswürdigkeiten B-) Man sollte aber nicht vergessen, dass wir von der mit 4 Millionen Einwohnern zweitgrößten Stadt Japans sprechen. Seid ihr bereit? Also los!

Yokohama liegt südlich von Tokio und lässt sich von allen großen Bahnhöfen per Bahn erreichen. Von Shinjuku dauert es immerhin 40 Minuten, wobei man dann auch umgerechnet 4€ für nur eine Fahrt hinblättern muss. War ein bisschen schwierig, immer den richtigen Bahnsteig zu finden, weil die Züge weiter als Yokohama bzw. Shinjuku fahren und deswegen steht auf den Anzeigetafeln nicht das Ziel dran, was man eigentlich erreichen will. Dafür hängen ja Tafeln aus, die einen aufklären. Zur Not wird einem auch jeder Japaner freundlich behilflich sein ;-) Vom Hauptbahnhof Yokohama ging es noch ein Stückchen weiter direkt zum ersten Ziel meines kleinen Ausflugs.

Yamate und Motomachi

Bluff No. 18

Bluff No. 18

Yokohama war damals einer der ersten Häfen, der während der Meiji Restauration geöffnet wurde. 1850 wird es trotzdem vergleichsweise groß gewesen sein und dementsprechend wurden viele Ausländer angezogen. Die westliche High Society inklusive Diplomaten und anderen Personen mit hohem Rang hatte ihre Anwesen im Stadtteil Yamate und genau dort ging es zuerst hin :wow: Ein gutes Dutzend dieser Villen kann heute noch besichtigt werden, wobei meines Wissens kein Gebäude das große Kanto Erdbeben von 1923 überstanden hat. Dafür haben sie den Krieg überstanden, was auch an ein Wunder grenzt. Vom Bahnhof aus kann man übrigens schon das eine Anwesen sehen, wenn man denn ein wenig nach oben guckt. Nach oben? Ja, ob ihr es glaubt oder nicht, die zwei Villen, die ich besucht habe, stehen auf einem Hügel! So muss man natürlich ein wenig bergauf gehen, was sich aber mehr als lohnt, denn der Eintritt ist umsonst :yahoo: Das erste Anwesen hört auf den schnöden Namen “Bluff No. 18” und wurde Mitte der 20er für einen katholischen Priester errichtet. Innen wird man dann leider feststellen, dass nur wenige Räume dem Originalzustand nachempfunden sind.

Diplomat's House

Diplomat’s House

Da sticht das sogenannte “Haus des Diplomaten” schon eher hervor: Amerikanische Architektur, großer Garten, fast alle Räume originalgetreu eingerichtet und dann der Blick runter auf die Stadt. So ließ es sich bestimmt wunderschön leben :kawaii: War auf jeden Fall einen Besuch wert, wobei die anderen Attraktionen Yokohamas von Yamate aus gar nicht so weit entfernt sind. Am Ende des Tages taten mir schon ein wenig die Beine weh, aber ich bin nur zwei Mal Bahn gefahren :P Anschließend ging es durch eine Einkaufsstraße namens Motomachi, die bis auf die Nähe zu einem Kanal nichts wirklich Spektakuläres bot. Ich fand es irgendwie schön, sich unter die den Sonntag genießenden Japaner zu mischen und nicht mehr ganz so viele Ausländer zu sehen.

Chinatown

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Gute 600m weiter beginnt dann der Bezirk, der damals vor allem von Chinesen bewohnt wurde. Wie ihr euch denken könnt, entstand ein(e?) Chinatown, das sogar das größte Japans ist. Heutzutage leben dort allerdings nicht mehr besonders viele Chinesen…An einem Sonntag waren jedenfalls ziemlich viele Leute unterwegs und so war es gerade in den engeren Gassen sehr voll. Yokohamas Chinatown bietet vor allem Eines: Essen. Egal ob kleiner Imbiss in die Hand bis hin zum mehrgängigen Menü zum entsprechenden Preis kann man sich hier so richtig den Bauch vollschlagen. Man findet auch Läden, die typisch chinesische Produkte anbieten. Ansonsten gibt es außer die Tore und einem buddhistischen Tempel nicht so viel zu sehen. Ist vermutlich ein guter Ort für ein Mittagessen, doch war mir nicht danach :P

Hikawa Maru im Yamashita Park

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Anschließend ging es Richtung Meer oder genauer gesagt zum Yamashita Park, der eben direkt am Wasser liegt. An dem Wochenende wurde unter dem Motto “Belgian Beer Weekend” eine sehr gut besuchte Veranstaltung ausgetragen, die ich vor allem wegen der vielen auf dem Boden sitzenden Leute unterhaltsam fand. Ein belgisches Bier habe ich mich natürlich nicht gegönnt xD Der Park selbst ist gar nicht so klein und verfügt über so ziemlich alles, was man halt in einem Park so findet: Springbrunnen, Blumen, Bäume und Wiesen. Am Ende des Parks lockte übrigens ein Zauberer in lila Anzug eine große Menge an. Das Beste am Park stellt jedoch etwas dar, was viele überraschen wird :horror: An einem Steg ist nämlich die Hikawa Maru festgemacht, ein Passagierschiff von 1930. Für 2€ kann man die alte Lady betreten, was ich nur jedem empfehlen kann.

Hikawa Maru - stilecht mit anderem Schiff und Möwe

Hikawa Maru – stilecht mit anderem Schiff und Möwe

Zumindest mich fesselte das Schiff irgendwie, sodass ich die Hikawa Maru als Highlight des Tages bezeichnen würde :heart: Direkt im Eingangsbereich kann man einen 27-minütigen Film über die Geschichte des Schiffes ansehen, der zum Glück auch englische Untertitel hat. Eine weibliche Stimme erzählt dort in Ich-Form, was eben den Eindruck erweckt, dass das Schiff selbst redet. Finde ich richtig gut gemacht :) Man erfährt dann u.a. über die prominenten Gäste, die Zeit als Lazarettschiff während dem 2. Weltkrieg und der nachfolgenden Renaissance, die mit dem Boom der Flugzeuge jedoch ein Ende nahm. Ganze 30 Jahre war die Hikawa Maru im Einsatz und hat in der Zeit fast 300 mal den Pazifik überquert. Im Inneren lassen sich dann u.a. Kabinen, der Maschinenraum mit den zwei Dieselmotoren aus Dänemark, die Brücke und den nicht ganz so großen Speisesaal der 1. Klasse besichtigen. Man denkt unweigerlich an die Titanic, wenn man durch den alten Rumpf zieht. Mich hat die Hikawa Maru wirklich beeindruckt und ich lege jedem Nahe, dieses Schiff zu besichtigen. Mit 163m Länge sowie 11.000 BRT ist sie von der Größe her nicht zu verachten, finde ich. Die gesamte Geschichte lässt sich übrigens hier (auf Englisch) nachlesen.

Minato Mirai 21

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Den Rest des Tages habe ich dem Anschauen von allen Dingen zwischen dem Yamashita Park und dem modernen Minato Mirai Komplex verbracht, dessen Skyline symbolisch für Yokohama steht. Zuerst ging es zum beeindruckenden Fähranleger, der neben einem guten Blick auf die Hikawa Maru und die Skyline einfach so schon cool aussieht. Moderne Architektur for the win! Zwei kleinere Kreuzer waren sogar gerade angelegt, von denen einer mir das erste Tuten seit 9 Monaten beschert hat :wow:

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Als nächstes durch einen weiteren kleinen Park zu zwei historischen Backstein Gebäuden, die ein ganz kleines Bisschen an die Hamburger Speicherstadt erinnern. Innen finden sich aber nur recht gewöhnliche Läden und Cafés. Dann an Instant-Nudelmuseum (das gibt es wirklich!) und kleinem Freizeitpark namens Cosmo World vorbei direkt zu Minato Mirai 21, wo das erst dieses Jahr entthronte höchste Gebäude Japans steht. Man findet auch ein ausgemustertes Segelschulschiff – die Nippon Maru, die von 1930 bis 1984 im Dienst war. Des Weiteren kann man nach Lust und Laune einkaufen, was wie immer nicht mein Fall ist. Von der Architektur her ist das eine Einkaufszentrum allerdings mal wieder richtig krass: Man kann dort bestimmt 20m bis unter die Erde gucken, wo man sogar die U-Bahn verkehren sieht. So etwas gibt es nicht alle Tage zu bestaunen!

Allerdings ging es auch mit eben dieser U-Bahn zurück zum Hauptbahnhof, von dem ich mich auf meinen Heimweg nach Shinjuku machte. War auf jeden Fall ein gut verbrachter Tag, der mich ein wenig in das goldene Zeitalter der Schifffahrt versetzt hat. Damit reden wir natürlich von der neueren Geschichte Japans und nicht von Samurai und Co., doch auch die ist manchmal ganz interessant. Danke fürs Lesen! Bis zum nächsten Eintrag ;-)

Euer
Tobii~

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