9 Monate mit Linux

By | July 6, 2014

Ein Selbsttest?

Herzlich willkommen zu einem etwas anderen Eintrag!

Heute steht statt Japan quasi mein technischer Begleiter im Mittelpunkt. Warum das? Weil ich darüber gerne ein paar (mehr) Worte loswerden möchte und ganz vielleicht finden noch andere dieses Thema interessant =)

Für mein Jahr in Japan nenne ich ein Modell einer heute fast ausgestorbenen Geräteklasse mein Eigen: Ein Netbook. Ich wollte beim Kauf Anfang 2013 eben etwas sehr Kompaktes, aber trotzdem nicht ganz Langsames. So bin ich auf eine neue Serie von ASUS gestoßen, die genau dieses bietet. Dazu war das Modell ohne Windows mit zu dem Preis unschlagbarer Hardware ausgestattet – namentlich eine 500GB Festplatte und 4GB RAM für 300€. Dazu sieht der Kleine von Außen ziemlich modern aus, wie ich finde. Die Leistung ist definitiv geringer, als ich sie von meinem Stand-PC gewohnt bin, aber immerhin werden selbst BluRay-Rips (*) in 1080p flüssig abgespielt, was definitiv eine Überraschung ist. Für normales Arbeiten, wie Textverarbeitung, ein wenig Bildbearbeitung und natürlich die Benutzung des Internets, reicht die gebotene Leistung völlig. Als leidenschaftlicher Spieler vermisst man im Bereich der 3D-Leistung so einiges, womit ich aber leben muss. Ganz ohne Spiele stehe ich nebenbei nicht da! Außerdem bin ich ja nicht nach Japan gekommen, um den ganzen Tag am Laptop zu sitzen. Für 300€ habe ich an sich wirklich viel erhalten. Eventuell wäre der Kauf eines zumindest 14 Zoll großen Gerätes besser gewesen…11,6 Zoll sind auf Dauer etwas klein, aber daran lässt sich jetzt nichts mehr ändern :patrick: Die Akkuleistung ist beim Arbeiten übrigens völlig in Ordnung. Wenn allerdings ein Video oder gar ein Spiel angeworfen wird, sollte in der Nähe eine Steckdose sein. Darunter leiden aber die meisten Notebooks ;-) Die Tastatur fällt natürlich kleiner aus und ist selbstverständlich eine Chiclet-Tastatur, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Mit genug Übung und fehlender Alternative lassen sich auch damit ohne Probleme Blog-Einträge von bis zu 2000 Wörtern schreiben. Beim Spielen wünscht man sich schon ein wenig mehr Platz zwischen den Tasten, was bei meinen größeren Händen nicht immer angenehm ist. Ansonsten kann ich über die Verarbeitung nicht klagen.

Tux - Das Maskottchen von Linux

Tux – Das Maskottchen von Linux

Dann also weiter zum Betriebssystem! Statt Windows läuft bei mir nämlich Linux :horror: Das dürfte für viele ein Buch mit sieben Siegeln sein, doch kann ich dieses überhaupt nicht nachvollziehen. Bis auf eine Ausnahme würde ich alle großen Distributionen (?) als “einsteigerfreundlich” bezeichnen. Im Internet lassen sich zu jedem Thema Anleitungen finden, man muss sich nur ein wenig mit der Materie auseinandersetzen und dann fühlt man sich sehr schnell sehr wohl. Heutzutage benutzen sowieso die meisten Menschen freie Programme, die es in fast allen Fällen eben auch für Linux gibt. Nur um ein paar zu nennen: Open bzw. Libre Office, Firefox, Chrome, GIMP (Bildbearbeitung), Pidgin (Chatprogramm) bis hin zu Skype. Wer ein Verfechter von Microsoft Office oder Adobe Photoshop ist, der sollte bei Windows oder Mac bleiben. Die freien Alternativen können viel, aber in manchen Disziplinen reichen sie kein bisschen an kostenpflichtige Programme heran. Da ich schon immer kostenlose Software genutzt habe, vermisse ich unter Linux nicht ein einziges Programm. Sowieso lässt sich Linux sehr viel stärker seinen Vorstellungen anpassen, als es mit Windows möglich ist. Gerade die Bedienung per Mausrad ist unter der von mir genutzten Desktopumgebung (?) LXDE einfach genial. Dank der sehr viel geringeren Verbreitung geht die Chance für einen Virenbefall quasi gegen Null. Ich könnte noch so viel mehr aufzählen, aber für mich ist Linux in fast allen Bereichen besser als Windows.

Das Einzige, was weiterhin ein Problem darstellt, ist das Spielen: Während unter Windows der Großteil der Computerspiele das Microsoft eigene DirectX nutzen, um 3D Inhalte darzustellen, wird unter Linux das offene OpenGL benutzt. Diese beiden Grafikschnittstellen sind sehr verschieden und eine Portierung ist nicht einfach mal eben so erledigt. Dazu lassen die geschlossenen Treiber der Grafikkartenhersteller unter Linux zu wünschen übrig…Trotzdem fand gerade in den letzten Jahren eine drastische Besserung auf diesem Gebiet statt, sodass manch einer Windows ganz den Rücken gekehrt hat. Bei mir wird das noch nicht der Fall sein, doch bin ich sehr froh zu sehen, dass mittlerweile auch richtig große Titel für Linux verfügbar sind. Es besteht zwar die Möglichkeit mit einem Nachbau der Windows API namens WINE Windows-Programme unter Linux zu benutzen, doch kann man sich denken, dass hier nicht immer alles so funktioniert, wie es eigentlich soll. So manches Spiel oder Programm verweigert mit WINE ganz den Dienst. Doch auch hier gibt es ein aktives Team, das für stetige Verbesserungen sorgt.

So schön kann ressourcenschonend sein

So schön kann ressourcenschonend sein

Zum Schluss möchte ich noch ein Vorteil gegenüber Linux aus der Welt schaffen: Es wird oft genug als optisch nicht besonders ansprechend betitelt, weswegen die Bedienung umständlich sei. Mumpitz! Aktuelle Desktopumgebungen bieten in der Hinsicht mehr Innovation als Windows und Mac zusammen. Man kann ein Dock benutzen, kleine Anwendungen auf dem Desktop befestigen und auch auf 3D Effekte muss nicht verzichtet werden. Dagegen kann es auch total minimalistisch und ressourcenschonend zugehen, sodass man auch auf einem schwachen Rechner ein ansprechendes Design vorfindet. In die Sparte gehört dann auch mein Netbook.

Insgesamt ist Linux auf diesem Gerät seit mehr als einem Jahr installiert und es gab nie größere Probleme. Das meiste war durch zu starkes Konfigurieren selbst verschuldet…Allerdings sind auch keine geschlossenen Treiber im Spiel. Gerade mit meinen AMD Grafikkarten zu Hause werde ich Linux nie wieder antasten…Trotz der Probleme hat man keinen einzigen Cent für ein Betriebssystem gezahlt, welches alles bietet, was der durchschnittliche Nutzer benötigt. In meinen 9 Monaten mit Linux habe ich nicht ein einziges Mal gewünscht, nicht doch Windows installiert zu haben. Gib Gates keine Chance! Freies OS für alle!

Danke fürs Lesen. Diese Gedanken wollte ich mal loswerden, weil ich Linux in den vergangenen 9 Monaten noch mehr zu schätzen gelernt habe. Es muss nicht immer Windows sein ;-)

Euer Linuxer
Tobi

* BluRay -Rip: Digitalisierte Version eines Filmes auf BluRay in dementsprechend hoher Qualität; 7-10 GB für 2h Länge sind normal

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