Grundkurs Japanisch

By | June 26, 2014

Nihongo no benkyou!

Minna-san, konnichiwa!

Hallo alle miteinander und willkommen zu einem kleinen Grundkurs Japanisch. Egal, ob ihr es wollt oder nicht, heute bringe ich euch der japanischen Sprache ein Stückchen näher. Wenn man sich an die Unterschiede gewöhnt hat, stellt sich diese allgemein als schwer zu erlernende Sprache als gar nicht mehr so schwierig heraus. Fleiß ist natürlich definitiv gefragt. Aber fangen wir ganz langsam an ;-)

Japanisch setzt sich im Prinzip aus zwei Alphabeten zusammen: die Kana und die Kanji. Während letztere chinesische Schriftzeichen sind, von denen man alleine 2000 Stück kennen muss, um eine Zeitung zu lesen, setzen sich die Kana aus zwei Silbenschriften zusammen, namentlich Hiragana sowie Katakana. Genau diese lernen japanische Kinder und auch Ausländer, die Unterricht in der japanischen Sprache nehmen, zuerst. Und so kümmern wir uns zuerst um die Kana; die Kanji lassen wir mal kurz auf sich warten.

Kana

Links Hiragana, rechts Katakana, Quelle

Links Hiragana, mittig Umschrift, rechts Katakana | Quelle

Irgendwann im Mittelalter entstanden, um Frauen die geschriebene Sprache zu vereinfachen, sind die Kana ein inzwischen nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Japanischen. Es handelt sich, wie bereits gesagt, um Silbenschriften. Heißt also, dass wir das lateinische Alphabet mit seinen einzelnen Buchstaben schon mal vergessen können. Im Japanischen gibt es nur zusammengesetzte Laute, die in der sogenannten Hepburn Umschrift größtenteils mit zwei bis drei lateinischen Buchstaben wiedergegeben werden. Beispiele sind あ für a, ゆ für yu oder きょ für kyo. Das waren jetzt nur Hiragana, die man für alle traditionellen japanischen Wörter verwendet. Die Katakana dagegen benutzt man nur für ausländische Wörter oder in dem Fall, dass man etwas Japanisches möglichst “cool” darstellen will. Genauso wie im Deutschen sind englische Wörter total beliebt, weswegen zumindest unter den jüngeren Semestern Begriffe wie chansu (chance), bāgen (bargain) oder kokku (cook) Benutzung finden. Auch ausländische Namen werden mit den Katakana geschrieben: So wird aus Tobias トビアス (tobiasu). Hiragana und Katakana geben dabei identische Laute wieder, sodass es von beiden jeweils 45 Stück gibt. Die Aussprache kann allerdings auch mit zusätzlichen Zeichen verändert werden: Mit zwei kleinen Strichen wird der Laut weicher (hartes ka wird zu weicherem ga) und mit einem Punkt wird er spitzer (hi wird zu pi). Zusammengesetzte Laute werden mit Hilfe einer tiefgestellten Silbe gebildet. Zur Aussprache selbst lässt sich recht viel sagen, doch das wichtigste ist das “U”, welches wie ein deutsches “Ü” ausgesprochen wird. Außerdem sind alle Laute mit “J” mit der englischen Aussprache in z.B. “Jeans” oder “Justin” vergleichbar. Das deutsche, weiche “Ju” findet sich im Japanischen in Form von “Ya, Yu, Yo” wieder. Man sollte auch erwähnen, dass es im Falle von doppelten Konsonanten zu einer kurzen Pause kommt, wie z.B. kekkon (けっこん, 結婚, Hochzeit), das dann in etwa kek-kon ausgesprochen wird. Vielleicht noch das “chi”, welches nach einem “tchi” klingt, und die Tatsache, dass alle Silben mit “S” scharf ausgesprochen werden. So wird Sushi eigentlich ganz anders ausgesprochen, als es in Deutschland getan wird :P Alles Weitere wird nahezu wie im Deutschen ausgesprochen, was die japanische Aussprache für uns sehr einfach macht. Es gibt noch Kleinigkeiten wie die Verlängerung eines Lautes mit einem angehängten “U” (manchmal auch “O”) oder die Tatsache, dass das “U” in vielen Wörtern stumm ist. Zu guter Letzt ist ein leerer Kreis das einzige Satzzeichen, der einfach Satzende bedeutet. Eine Frage wird der angehängten Silbe “-ka” ausgedrückt. Traditionell wird Japanisch übrigens von rechts nach links und von oben nach unten geschrieben. Deswegen sind auch alle Mangas, Bücher & Zeitschriften verkehrt herum; fangen also “hinten” an. Mehr muss man eigentlich nicht wissen, bin ich der Meinung. Kann sein, dass ich etwas vergessen habe, weil es für mich alltäglich ist, aber ich glaube nicht B-)

Kanji

勉強 - benkyou - Lehre, Studium

勉強 – benkyou – Lehre, Studium

Das, was Japanisch dann schwer macht, sind die chinesischen Schriftzeichen, die wirklich 1:1 übernommen wurden. Ich hatte schon mit mehreren Chinesen und Chinesinnen Kontakt und alle konnten die Bedeutungen der Zeichen richtig erkennen. Die Aussprache ist allerdings – zum Glück – anders und hundertmal einfacher als richtiges Chinesisch. Die Kanji müssen in mühevoller Eigenarbeit auswendig gelernt werden, an der man nicht vorbeikommt. Ich habe erst im April so wirklich mit dem Lernen der Schriftzeichen angefangen und kann sagen, dass zumindest das Schreiben an sich gar nicht so schwer ist. Man muss nämlich für jedes Zeichen eine ganz genaue Strichfolge einhalten…Mit einem nützlichen Computerprogramm bin ich mittlerweile bei über 100 Stück angekommen, wobei ich vor allem die Bedeutung lerne. Die Aussprache kann sich nämlich von Wort zu Wort unterscheiden, was das Ganze ohne dazugehöriger Vokabelliste quasi unmöglich macht. Als Beispiel fällt mir das Kanji für Berg (山) ein, welches “yama” oder “san” angesprochen werden kann. So findet sich im Fujisan genau dieses Kanji wieder ;-) Trotzdem kann ich sagen, dass ich an manchen Stellen weiß, was die Kanji bedeuten und das ist doch schon etwas wert. Und wer jetzt fragt, ob man überhaupt Kanji braucht, wenn selbst Japaner meinen, dass sie schwierig sind, dem sei Folgendes gesagt: Der Satz “Mutter rennt” wird im Japanischen zu “haha wa hashirimasu”. Nur in Hiragana ergibt sich “ははははしります”; ein Gewirr, das in schriftlicher Form nur wenige verstehen. Erst mit Kanji ergibt etwas Sinnvolles:”母は走ります”. Japanisch ist also auf die Symbiose aus Kanji und Kana angewiesen.

Grammatik

Kana und Kanji sind recht schnell begriffen und zumindest erstere auch gelernt. Die Grammatik fällt im Japanischen dagegen völlig anders aus. Ich werde an dieser Stelle nur mal ein paar Bereiche anschneiden, wie ihr euch denken könnt. Zuerst die Wortstellung im Satz, die bei uns ja Subjekt, Verb, Objekt ist. Im Japanischen sind Verb und Objekt vertauscht, sodass sich statt SVO SOV ergibt. Verben stehen allgemein immer am Ende! Nimmt man als Beispiel den Satz “Der Stift von mir liegt auf dem Tisch” wird daraus mit japanischer Wortstellung “Mein Stift auf dem Tisch liegt”. An diese Drehung muss man sich gewöhnen, geht aber schnell ins Langzeitgedächtnis über. Des Weiteren fallen die verschiedenen Zeiten wie Präteritum, Präsens und Futur gefühlt einfacher aus: Perfekt oder gar Plusquamperfekt gibt es schon mal nicht. Für Handlungen in der Zukunft verwendet man keine eigene Form, sondern Hilfskonstruktionen. Auch eine Beugung von Verben sucht man im Japanischen vergebens; männlich oder weiblich, Singular oder Plural, spielt alles keine Rolle. Dafür gibt es sehr viele andere Verbformen, die erst beherrscht werden wollen. Sowieso kann man fast sagen, dass zwischen der Umgangssprache und dem “Hochjapanisch” eine riesige Kluft herrscht. Der Satz “Wo gehst du hin?” würde höflich “doko e ikimasuka” lauten. Umgangssprachlich erhält man “doko iku no”. Gerade die fehlende Beugung der Verben macht den Job des Übersetzers schwer, weil man immer aus dem Kontext heraus erschließen muss, wer jetzt gemeint ist.

Vokabular

Zuletzt noch ein bisschen über den Wortschatz, der für den höchsten, offiziellen Test mal eben 10.000 Wörter aufweisen sollte. Manche Wörter muten lustig an, weil sie Wörter anderer Sprachen ähneln. Beispiele sind ushi für Kuh oder mushi für Mücke. Achtet auf die Aussprache! Ü statt U! Andere sind sich in der reinen Aussprache total ähnlich, weshalb man in Dialogen gut zuhören muss; die Kanji sind dagegen meistens total anders. Hierfür fallen mir uma, umi und ume ein, die Pferd, Meer und Pflaume bedeuten. So etwas haben wir im Deutschen überhaupt nicht. Ansonsten gibt es jetzt noch eine kleine Liste mit ein paar Wörtern bzw. Sätzen, die vielleicht nützlich sein können.

  • ohayou gozaimasu – Guten Morgen (letztes u stumm)
  • konnichiwa – Guten Tag
  • konbanwa – Guten Abend
  • arigatou gozaimasu – Vielen Dank
  • jya ne – Bis Dann (umgangsspr.)
  • douzo – Bitte sehr
  • ogenki desu ka – Wie geht es dir? (desu = sein, stummes U)
  • sayounara – Auf Wiedersehen
  • nihon ga suki desu – Ich mag Japan
  • abunai – Vorsicht!

Hoffentlich war das nicht zu kompliziert und wenigstens teilweise nachvollziehbar :yahoo: Ich hätte noch viel mehr schreiben können, aber ich denke, dass ich definitiv einen Einblick in die japanische Sprache geben konnte. Danke fürs Lesen!

Euer
Tobii~

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *