Vorurteil-Check Nr. 1

By | June 24, 2014

Ist Japan wirklich so teuer?

Moin, moin!

Jetzt kommt etwas, was seit bald 8 Monaten in meiner Schublade liegt und erst jetzt das Licht der Welt erblickt :horror: Schon Ende Oktober hatte ich die Idee für eine kleine Reihe über Vorurteile…Also frohlocket! Der Tag ist gekommen! Den Einstieg soll die Frage nach den Kosten sein, denn allgemein gilt Japan als eines der teuersten Länder. Tokio trägt mal eben den Titel der teuersten Stadt der Welt, Osaka ist ebenfalls ganz weit oben mit dabei und inwiefern ich das bestätigen kann, seht ihr in diesem Eintrag.

Lebenskosten

Zu den Lebenskosten zähle ich Miete, Rechnungen für Strom & Gas, Nahrungsmittel und eben alles, was man jeden Tag so braucht. Während die Preise für Dinge des täglichen Bedarfs von der Bezugsquelle abhängen (Supermarkt, Kaufhaus oder 100 Yen Shop), ist es mit der Miete etwas schwieriger. Zuerst geht es um die Lage: Wohnraum in Tokio und anderen Millionenstädten ist teurer als in kleineren Städten (wenig Platz <-> viel Platz). Dazu fallen Mieten für zentral gelegene Wohnungen höher aus als für die, die etwas weiter außerhalb liegen. Dieses gilt vermutlich überall auf der Welt, wobei ich mich damit in Deutschland noch nicht befassen musste. Außerdem bestehen mehrere Arten des Wohnens, wie ich sie auch schon alle in meinem Blog erwähnt habe: Apartment Wohnung, Share House, Guest House und Dormitory. Ein Bett eines Schlafsaals eines Dormitorys ist dann natürlich preiswerter als eine eigene Wohnung, klar. Aber je nach Stadt ist in der Regel genau eine Unterkunft die günstigste…Man darf auch nicht vergessen, dass alle Möglichkeiten bestimmte Vor- und Nachteile mit sich bringen, die ich an der Stelle nicht erneut erläutern werde. Hier in Tokio habe ich Apartment Wohnungen gesehen, die rein von der Miete her billiger waren. Doch hat man da keine Möblierung und sowieso ist der Vorgang mit einem japanischen Vermieter nicht ganz einfach.

Über meine bisherigen Unterkünfte kann ich folgendes sagen: Innerhalb der ersten drei Monate in Gifu betrug die monatliche Miete 460€. Alle weiteren Monate hätten nur noch 270€ gekostet. Strom und Gas wurden allerdings zusätzlich abgerechnet. Dafür gab es dann eben eine richtige Wohnung inklusive Bad, Küche und voller Ausstattung. Das Guest House in Kyoto war pro Monat nur ein paar Euro teurer, wobei es schon einen Rabatt gab, weil ich gleich drei Monate dort war. Wäre ich noch länger geblieben, wäre die Miete noch ein wenig billiger geworden. Hier waren dann auch Strom & Gas in der Miete enthalten. Die Lage war zwar weiter außerhalb und mir stand nur ein Zimmer für mich alleine zur Verfügung, doch der allgemeine Standard der Einrichtung war höher. Zuletzt Tokio, dessen Share House monatlich 50% teurer ist. Immerhin liegt es unglaublich günstig und mein Zimmer fällt echt riesig aus. Ich selbst kann diese Preise ganz schlecht mit der Wohnsituation in Deutschland vergleichen…Ihr werdet schon etwas mit diesen Zahlen anfangen können.

Dinge des täglichen Bedarfs schlagen bei einer normalen Ernährung ohne jeden Tag ins Restaurant zu gehen pro Monat mit minimal 200€ zu Buche. Wenn ich noch öfters in 100 Yen Shops einkaufen würde, ließen sich noch ein paar Euro sparen, doch irgendwie will man sich schon mal etwas gönnen und nicht nur den Minimalbedarf decken. Dank den eben angesprochenen Billigläden kann man für 20€ eine ganze Single-Küche mit Geschirr ausstatten, wobei alles nicht ewig halten wird. Ist bei kürzeren Aufenthalten aber überhaupt kein Drama. Wer mag, kann natürlich auch in überteuerten Kaufhäusern seine Wohnung einrichten. Ansonsten fallen mir nur Obst und Kosmetikartikel ein, die in Japan nicht wirklich erschwinglich sind. 480 ml normales Haarshampoo kosten gut und gerne 5€. Für manche Äpfel muss man mehrere Euro pro Stück auf den Tisch legen…Das Extremste sind (Honig-) Melonen, von denen in so manchem Kaufhaus Stückpreise von 60€ keine Seltenheit sind. Natürlich handelt es sich dann um keine normalen Melonen, aber selbst diese sind nirgends günstig zu haben.

Verkehrsmittel

Der durchschnittliche Japaner benutzt öffentliche Verkehrsmittel. Ist der Bahnhof oder die Bushaltestelle weiter weg, überbrückt man das Stück mit dem Fahrrad. Alles fährt pünktlich und so gibt es keinen Grund, es als Ausländers anders zu handhaben. Ein eigenes Auto macht vermutlich erst in wirklich ländlichen Gegenden Sinn. Im Allgemeinen sind Zug und Bus sehr viel günstiger als bei uns in Deutschland. Es kommt nur darauf an, möglichst zentral zu wohnen. Das war weder in Gifu noch in Kyoto der Fall und so relativierten sich die Kosten leider. Zumindest hier in Tokio kann ich gute 30 Minuten per (U-) Bahn zurücklegen, ohne über 1,40€ zahlen zu müssen. Per Bus ist es vermutlich teurer…Fernbusse sind dagegen spottbillig. Gerade ein Anbieter kommt mir da in den Sinn, dessen Tickets man online auch in Englisch erstehen kann. Die 350km von Tokio nach Nagoya kann man so für 14€ zurücklegen, wobei man gute 6 Stunden braucht. Diese Preise sind unter den Industriestaaten vermutlich nur schwer zu unterbieten. Taxis gelten zwar als teuer, doch ich fand meine bisherigen Fahrten nie viel teurer als in Deutschland. Kommt natürlich auf die Strecke an…Von einem Ende Tokios zum anderen wird man ein kleines Vermögen bezahlen müssen. Einfachste Fahrräder kriegt man für unter 70€, wobei man unbedingt darauf achten sollte, wo man dieses dann abstellen darf und wo nicht. Über Autos kann ich euch nicht wirklich viel sagen…Nur, dass man in Tokio zuerst einen Parkplatz braucht, bevor man überhaupt ein Auto besitzen kann. Das ist aber auf Tokio beschränkt; in anderen Millionenstädten Japans gibt es mehr Platz. Benzin scheint dafür billiger als bei uns zu sein.

Freizeit

Kino, Disco, Bars, Freizeitparks, Museen, etc. sind in der Regel mit den Preisen in Deutschland vergleichbar. Das macht es wohl kein preiswertes Vergnügen, doch kennt man das ja nicht anders. Nur der Museumsbesuch fällt in Japan um mindestens die Hälfte billiger aus. Außerdem muss man beachten, dass Freizeitpark, Museum und ähnliche Einrichtungen oftmals bereits um 17 Uhr ihre Türen schließen. Manche Discos oder Bars haben auch nur bis Mitternacht geöffnet, wobei es in der Nähe bestimmt mindestens ein Lokal gibt, dass länger offen hat oder gar um Mitternacht öffnet.

Shoppen

Die Preise für Bekleidung hängen auch in Japan vom Laden und von der Marke ab: Beim “japanischen H&M” namens Uniqlo kann man billiger einkaufen als im Kaufhaus oder beispielsweise bei Adidas. Im Durchschnitt dürften die Kosten nur etwas höher sein. Preisbewusste Menschen können ihre Kleidung sogar teilweise im 100 Yen Shop besorgen, wo man Sockenpaare für 70 Cent erstehen kann. Japaner achten sehr auf ihr Äußeres und so findet man größtenteils Markenware, die natürlich zu einem höheren Preis kommt. Elektronik lässt sich dafür sehr viel billiger erstehen, wenn man weiß, was man will. Vor allem Kameras und deren Zubehör kriegt man unglaublich günstig. Ich kann ja mal meine Gegenlichtblende einwerfen, die mich in Deutschland 45€ gekostet hätte. Habe sie hier in Japan für 21€ bekommen, obwohl wir vom selben Stück Plastik aus China reden. Einzig Medien wie CDs, DVDs oder BlueRays sind alles andere als erschwinglich.

Ist Japan also wirklich so teuer, wie alle immer sagen? Sofern man von Tokio redet, würde ich die Frage sofort bejahen. Andere Teile Japans sind gerade von den Mietkosten her günstiger. Alleine die 270€ in Gifu sprechen nicht wirklich für ein teures Land. Mir fehlt wie gesagt die Erfahrung, aber nur für ein (kleines) Zimmer 460€ im Monat zu bezahlen ist wohl auch für deutsche Verhältnisse teuer. Ansonsten halten sich die Kosten für Nahverkehr, Nahrungsmittel & Co. ziemlich in Grenzen. Und selbst mit einem simplen Job wie der des Möhrenschälers ließ sich bei zusätzlichen Stunden an Wochenende und Feiertagen ein Großteil der Kosten decken, sofern man nicht in Tokio wohnt. Um es also kurz zu fassen: Japan an sich fällt gar nicht so teuer aus; nur der Großraum Tokio wartet mit höheren Preisen auf.

Danke fürs Lesen! War bestimmt interessant für euch und ist gerade für diejenigen, die vielleicht auch mal länger in Japan sein wollen, hilfreich. Stand ist offensichtlich Juni 2014…Seit Mitte 2013 sank der Wert des Yen ja drastisch, sodass es jetzt relativ preiswert geworden ist. Die Situation vorher könnt ihr euch ja ausmalen.

Euer
Tobii~

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *