Regentag: Museumstag

By | June 17, 2014

Nationalmuseum Tokio:

Üäääääää :rge:

Was ein Schietwetter! Der Regen hört gar nicht mehr auf und dabei tröpfelt das nicht nur son bisschen, sondern schifft es wie aus Eimern. Der Kanal vor meiner Haustür rauscht mittlerweile dermaßen laut, dass ich mir gleich ein Kajak schnappe und ein wenig City Rafting mache! So war zumindest die Situation am 2. Juniwochenende. Mit Regenschirm bewaffnet hält das natürlich niemanden auf, jedoch lässt es sich so nur sehr eingeschränkt Fotos schießen. Und ihr könnt euch vorstellen, dass die Temperaturen ebenfalls etwas geringer ausfielen als sonst…Auf jeden Fall ging es am Ende in eines von mehreren großen Museen Tokios oder genauer gesagt sogar gleich in das größte Tokios, welches gleichzeitig das größte Japans ist. Die Rede ist vom Nationalmuseum Tokio, in dem man dementsprechend viel zu gucken hat. Hier folgt also mein kleiner Bericht dazu.

Das Nationalmuseum befindet sich im Ueno Park, der nicht einfach nur ein Park ist, sondern mehrere Museen, einen Zoo und sogar einige Tempel & Schreine aufweist. Wenn ich nicht besser wüsste, würde ich das Gelände statt Museumsinsel in Berlin glatt Museumspark nennen. Allerdings fehlen ein wenig die Highlights wie Ischtar Tor oder Pergamonaltar. Im Ueno Park sind eben so viele Museen an einem Ort, wie man sie nirgends sonst in Tokio wenn nicht gar Japan findet.

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Zusammengesetzt aus mehreren Gebäuden, die unterschiedlicher nicht sein könnten, kann man selbst ohne Audioguide oder anderer Führung locker mehr als drei Stunden dort verbringen und nichts zwei mal sehen. Das Hauptgebäude sticht mit seine Architektur definitiv heraus und wurde 1932 errichtet. Der originale Bau von 1882 ist leider dem großen Kanto Erdbeben zum Opfer gefallen. Hier kann man in chronologischer Reihenfolge kunstvolle Exponate der gesamten japanischen Geschichte besichtigen, wobei die älteste Stücke etwa 12.000 Jahre alt sind. Dabei sind die Decken bestimmt 4m hoch und alles ist recht gezielt in Szene gesetzt: Keramik, Waffen, Rüstungen, Gemälde, Gewänder, Bücher, Lackkunst uvm. gehören zur Sammlung. Besonders interessant waren für mich die Exponate aus der Zeit vor den Samurai (~8. Jahrhundert), weil diese Zeugnisse von einem völlig anderen Japan sind. Natürlich darf kein Museumsladen fehlen, in dem man neben vielen Büchern auch recht besondere Andenken erstehen konnte, die man so eher selten in einem typischen Touri-Shop finden dürfte. Hinter dem Gebäude wurde übrigens noch ein Garten angelegt, der mit seinem Teich und den Teehäusern sehr einladend aussah. Wegen dem Wetter durfte man ihn allerdings nicht betreten.

Das nächste Gebäude kann durch einen überdachten Gang trockenen Fußes erreicht werden und spezialisiert sich dann auf archäologische Funde, die bis zum Jahr 30.000 v. Chr. datieren. Was sich total cool anhört, stellt sich größtenteils als eine Sammlung von Keramik und Stein heraus, die selbst einen eingefleischten Japanfan wie mich gelangweilt hat. Viele Ausstellungsstücke findet man in Form eines Fotos bei Wikipedia, weswegen es etwas Besonders war, diese direkt vor sich zu sehen. Ich erinnere mich außerdem gut an antike Münzen und an aus Holland, Deutschland und weiteren Ländern importiertes Porzellan. Auch die aus Terrakotta bestehenden Hügelggrabbeilagen (ja, die waren auch in Asien mal beliebt!) aus dem 3. bis 6. Jahrhundert sind mir in Erinnerung geblieben. Man beschränkt sich leider nur auf eine reine Ausstellung und verzichtet nahezu vollkommen auf Rekonstruktionen. Die Texte sind schlussendlich ebenfalls eher nüchtern…

Dann ging es in das zweite historische Gebäude des Komplexes, welches sehr westlich gehalten ist und aus dem Jahre 1909 stammt. Als Hyokeikan bekannt, gab es bei meinem Besuch nur leere Räume anzusehen. Die grüne Kuppel hatte etwas von der Atomruine in Hiroshima, die nämlich auch mal so eine hatte. Auf alle Fälle eine Seltenheit in dem ansonsten fast nur modernen Tokio.

Den Abschluss machte die sogenannte asiatische Gallerie, die ihrem Namen entsprechend Exponate aus ganz Asien (und noch mehr) bereithält. Von Korea & China, über Kambodscha & Indien bis hin zum Iran und gar Ägypten gibt es Kulturschätze vom gesamten asiatischen Kontinent. Es war schon irgendwie interessant, Tempelfiguren aus China, Keramik aus Korea oder eine Mumie aus Ägypten besichtigen zu sehen, doch bin ich dann doch mehr an Japan interessiert als an z.B. seinen Nachbarländern, selbst wenn es mit China sowie Korea einen kulturellen Austausch gab. Kambodscha mit seinem Angkor Wat oder Ägypten allgemein stehen sowieso auf meiner persönlichen Liste von Orten, die ich mal besuchen möchte und da reicht keine Handvoll Exponate heran. Trotzdem scheint vor allem die Sammlung koreanischer Kunst in ihrer Größe weltweit einzigartig sein.

Am Ende war ich schon ein wenig erschöpft, weil es einfach extrem viel zu sehen und zu lesen gab. Der Eintritt fiel mit etwa 4,50€ für das Gebotene sehr gering aus. Ein Highlight war mein Besuch im Nationalmuseum Tokio jedoch nicht, einfach weil es teilweise ziemlich langweilig war. Vermutlich waren die Exponate nicht mein Fall, aber wenn es um Autos, Züge oder Ähnliches geht, bin ich sofort Feuer und Flamme :heart: Wirklich etwas Neues gelernt habe ich jetzt auch nicht. So heißt mein Fazit als Liebhaber Japans wohl “einmal und gut” :P

Euer
Tobii~
(aus dem inzwischen längst wieder sonnigen Japan)

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