Weltrekorde am Fuße des Fuji

By | June 15, 2014

Fuji Q Highland:

Hallöchen :yahoo:

Nach dem Nagashima Spaland damals im November – wie lange das schon wieder her ist – habe ich inzwischen einen zweiten Vergnügungspark besucht. Das Fuji Q Highland war sogar Teil meiner “10 wunderschöne Dinge, die man in Japan unbedingt machen sollte” und ich wurde nicht enttäuscht! Bereitet euch schon mal auf einen längeren Eintrag vor…

Anfahrt

Dem Namen entsprechend befindet sich das Fuji Q Highland mehr oder weniger am Fuße des Fujisan, der etwa 100km von Tokio entfernt ist. So dauert es sowohl per Zug als auch per Bus ein Weilchen, bis man da ist. So einfach wie damals in Nagoya ging das schon gar nicht…Zuerst die Entscheidung zwischen Bus und Zug, die ersterer am Ende gewann: Per Zug ist es nämlich nicht wirklich schneller, aber dafür um Einiges teurer. Für den Bus gibt es eigentlich ein billigeres Kombiticket, welches sowohl Hin-, Rückfahrt als auch den Parkeintritt beinhaltet. Dieses lässt sich ausschließlich im Internet erstehen, wobei man eine Telefonnummer hinterlegen muss. Ich ohne Handy habe da natürlich dumm in die Röhre geguckt :-( So musste ich alleine für den Bus gute 25€ blechen, der gefühlt 90 Minuten benötigt hat. Das Ticket ließ sich im Vorhinein sowieso nur an einem recht versteckten Schalter bekommen. Allgemein war das Buscenter überhaupt kein Vergleich zu dem in Nagoya, obwohl es als eines der größten Tokios gelten soll. Wie dem auch sei xD

Die Fahrt selbst führte über mautpflichtige Autobahnen, von denen man wie immer einen guten Blick auf Tokio hatte. Schon nach etwa der Hälfte der Fahrtzeit hieß es “Tschüss Stadt, hallo Berge” und dabei blieb es dann auch. Ich darf außerdem nicht verschweigen, dass ich an einem der letzten trockenen Tage los gezogen bin, bevor es am darauf folgenden Wochenende überhaupt nicht mehr aufhören wollte zu regnen. Dabei habe ich wohl die Lage des Parks unterschätzt und ja…Als man die ersten Stahlmonster sah, habe ich mich total gefreut. Ich bin eben ein Achterbahnfan :P Das Verlassen des Busses offenbarte dann deutlich niedrigere Temperaturen, sodass es in T-Shirt und kurzer Hose zu kühl war. Alleine war ich auf damit jeden Fall nicht! Der Himmel war dementsprechend bedeckt, was etwas sehr Ironisches zur Folge hatte: Ich bin 90 Minuten lang die 100km zum Fujisan gefahren, nur um ihn nicht zu sehen :patrick: Und ich habe auf Bildern im Internet gesehen, wie nah der Berg eigentlich ist…Übersehen kann man den mit seinen 3000m Höhe eher schlecht.

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Ich war unter der Woche dort und das Wetter war ja auch nicht besonders toll. Trotzdem musste ich an den Hauptattraktionen so lange warten, dass ich jede nur ein einziges Mal geschafft hatte. Am Ende blieb noch ein bisschen Zeit übrigens, aber das kommt später ;-) Auf jeden Fall findet sich hier das selbe Prinzip wie im Nagashima Spaland: Nur den Parkeintritt bezahlen, um für die Attraktionen dann einzeln zu löhnen, oder halt das Ticket mit unbegrenzten Fahrten. Für mich gab es wie gewohnt Letzteres, was hier im Fuji Q Highland 37€ kostet. Und ich bin mir sicher, dass sich das trotz nur jeweils einer Fahrt auf den Achterbahnen gelohnt hat :) Ebenfalls gibt es an jeder Attraktion Schließfächer für das Hab und Gut. Man wird auch immer darauf angesprochen, Uhren, Brillen und Co. abzulegen.

Der Bereich noch vor dem Eingang ist einer französischen Stadt nachempfunden, wobei es auch hier eine Verbindung zu einem bestimmten Maskottchen gibt. Dann ging es auch schon auf die Achterbahnen, auf die ich alle ganz genau eingehen werde :wow: Schnallt euch an, haltet euch gut fest und macht euch darauf gefasst, mit mir vier Achterbahnen zu bezwingen, von denen drei Weltrekordhalter sind!!

Fujiyama

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Nach dem Vulkan von nebenan benannt, ist Fujiyama logischerweise die größte Achterbahn des Parks. Ich persönlich sehe in Fujiyama den ein wenig in die Jahre gekommenen Vater vom Steel Dragon 2000 im Nagashima Spaland, der von seinem Sohn in Sachen Körpergröße überragt wird. Die Achterbahnen sind sich nämlich sehr ähnlich: Eine große Stahlachterbahn, die nach einem hohen, ersten Drop mehrere kleinere aufweist, aber komplett auf Inversionen verzichtet. Bei ihrer Fertigstellung 1996 hat sie mal eben 4 Weltrekorde auf einmal gebrochen, die da wären: Höchste Achterbahn, höchste Achterbahn mit einem Rundkurs, höchster Fall und schnellste Achterbahn. Drei davon konnte sie leider nur ein Jahr lang für sich beanspruchen und im Jahre 2000 verlor sie auch den Status als höchste Achterbahn mit einem Rundkurs. Das Alter mal außer Acht gelassen, lesen sich Fujiyamas Daten immer noch ganz gut: 79m hoch, ein Sturz aus 70m, 2045m lang und eine Höchstgeschwindigkeit von 130km/h. Als jemand, der schon den Stahldrachen bezwungen hat, war ich vor meiner Fahrt mit Fujiyama nicht besonders aufgeregt, weil ich in etwa wusste, was mich erwarten würde. Ich musste dann allerdings eingestehen, dass Fujiyama mehr Spaß gemacht hat als Steel Dragon 2000 :horror: Zuerst sind die Kräfte direkt nach dem ersten Drop nicht ganz so groß, was mir in Nagoya ja ein wenig zu extrem war. Des Weiteren besteht Fujiyama aus sehr viel mehr Kurven, was die Gefälle umso schöner macht. Ansonsten ist es wohl einfach Geschmackssache :P Mein Favorit ist auf jeden Fall Fujiyama!

Dodonpa

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Was anschließend folgte, war das Extremste, was ich bisher in Achterbahnen erlebt hatte. Der Name Dodonpa lässt nicht vermuten, um was für ein Biest es sich hier handelt…Vor der Fahrt musste ich übrigens recht lange warten, weil die Wagen so klein sind und nur wenige Gäste aufnehmen können. Außerdem geht es nicht einfach einen Lifthügel hinauf, oh nein! In Dodonpa wird man am Start abgeschossen. Damit meine ich auch keine stetige Beschleunigung, sondern einen Abschuss auf 170km/ in 1,8 Sekunden!!! Nein, das ist kein Schreibfehler. Lasst es euch am Besten noch einmal auf der Zunge zergehen: 170km/h innerhalb 1,8 Sekunden… Klingt verdammt krass und genau das ist es auch. Als Achterbahnfan ist es allerdings auch verdammt geil :heart: Das Fieseste ist das Warten auf den Abschuss, denn es gibt zwar einen Countdown, aber der beginnt erst kurz vorher. Man presst sich also total angespannt in seinen Sitz und weiß nicht wirklich, wann es los geht. Herzklopfen ohne Ende xD Nach einer langen Geraden folgen ein paar Kurven und ein einziger Hügel, bevor man schon wieder ausgebremst wird. Das macht überhaupt nichts, weil es bei Dodonpa vor allem um die Beschleunigung geht. Etwas Vergleichbares sucht man übrigens vergebens: Seit der Eröffnung im Jahre 2001 erreichte keine Achterbahn eine stärkere Beschleunigung und damit gehört dieser Weltrekord Dodonpa. Sie war zusätzlich die dritte Achterbahn, die je die 160km/h (oder 100mp/h) Grenze überschritten hat. Davon gibt es heute inklusive Dodonpa weiterhin nur sechs Stück ;-) Sie war sogar 1,5 Jahre lang die schnellste Achterbahn der Welt, wobei sie heute noch immer den vierten Platz für sich verbuchen kann. Man wird zu guter Letzt mit Druckluft abgeschossen, was eine Seltenheit darstellt. Mit anderen Worten ist Dodonpa das Nonplusultra für Achterbahnfreaks wie mich! Danach war übrigens schon meine Stimme weg :patrick:

Takabisha

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Direkt daneben stößt man auf Takabisha, die übrigens von einem deutschen Hersteller stammt :bye: Und auch hier hieß es länger warten, wobei es sich mehr als gelohnt hat: Die Achterbahn ist einfach nur bekloppt! Zuerst die Wagen, in denen in nur zwei Reihen jeweils 4 Passagiere Platz haben. Dann natürlich die Streckenführung, die dermaßen viele verschiedene Elemente beinhaltet, dass man gar nicht mehr sagen kann, was das überhaupt für eine Achterbahn ist xD Der erste Teil findet in kompletter Dunkelheit statt, wobei es dort auch schon einen kleinen Sturz gibt. Ohne Brille war ich doppelt blind und das ist schon etwas Anderes, wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt. Anschließend wird man auf 100km/h beschleunigt, kommt an die freie Luft und erlebt mehrere Überkopfteile. Das alleine war schon sehr cool, doch der Hauptteil kommt erst: Der Wagen wird wieder abgebremst, um im 90° Winkel 43m zu erklimmen. Bevor es wieder runter geht, bleibt man oben kurz stehen, wobei man aufgrund dem abartig hohen Winkel des Sturzes von 121° die Schiene nicht mehr sehen kann. Dort oben hatte ich zum ersten Mal richtige Angst in einer Achterbahn verspürt :unsure: Den anderen neben mir erging es nicht anders…Zum Schluss folgten weitere Inversionen, bevor es zurück zur Station ging. Bis auf den sehr fiesen Sturz ist Takabisha nicht schlecht, aber einen besonders großen Adrenalinkick hatte ich jetzt nicht. Dennoch hält sie seit 2011 den Rekord für den steilsten Fall und mit ihren 7 Inversionen teilt sie sich mit einigen anderen Achterbahnen den Platz 4 im weltweiten Ranking. Ich glaube, dass mir eine Fahrt auf Takabisha reicht…

Evangelion World

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Nach drei Achterbahnen wollte ich etwas Abwechslung und da kam die Evangelion World gerade richtig: Hier handelt es sich nicht einmal um eine wirkliche Attraktion, sondern mehr um ein Museum, welches rund um den sehr berühmten Anime namens Neon Genesis Evangelion viel zu bieten hat. Nachgestellte Requisiten der Protagonisten, Konzeptzeichnungen bis hin zu Nachbildungen ganzer Räume. Vor allem die beiden “Kampfroboter” (vereinfachte Bezeichnung) in Originalgröße waren beeindruckend. Diese konnten sich zwar nicht bewegen, spuckten aber immerhin Wasserdampf und hatten ein paar Blinklichter. Am Ende gab es selbstverständlich einen Museums Shop, in dem man Merchandising erstehen konnte, was ich dann auch getan habe :P Mir ist kein anderer Ort bekannt, an dem man etwas Vergleichbares sehen kann. Selbst am See, an dem die Handlung des Animes angesetzt ist, sucht man so etwas vergebens. Von daher hat sich das gelohnt!

Eejanaika

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Und dann ging es auch schon auf die letzte große Achterbahn des Fuji Q Highlands: Eejanaika, die ihren Brüdern und Schwestern in Nichts nachsteht; eher schlägt sie auf ihre Weise noch mehr dem Fass den Boden aus. Der Name ist in diesem Fall übrigens ein Satz, der in etwa “Ist’s nicht gut?” bedeuten dürfte. Um meine Antwort vorweg zu nehmen: Es ist verdammt gut!! Die Thematisierung wurde an einen japanischen Schrein angelehnt, sodass man eine Art Torii, ein Tempeltor mit zwei dämonischen Figuren sowie dazu passende Musik in der Warteschlange vorfindet. Die Achterbahn selbst war weltweit die zweite ihrer Art und ist noch immer die Königin unter den “vierdimensionalen Achterbahnen”. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass die Fahrgäste neben den Schienen Platz nehmen und dass die Fahrgastzellen um sich selbst 360° drehbar sind. Die Drehung wird in der Regel allerdings durch zusätzliche Schienen gesteuert, wie es auch bei Eejanaika der Fall ist. Das alleine dürfte für die meisten schon krass klingen, was ich nur bestätigen kann. Man fährt dabei nicht einmal vorwärts, sondern rückwärts! Von der Fahrt selbst kann ich nur sagen, dass der erste Drop der beste ist, den ich je erlebt habe: Die Strecke geht natürlich steil nach unten, klar, aber die Wagen drehen nehmen dann eine Position ein, die man nur als “unter der Schiene liegend” bezeichnen kann. Man sieht die Schiene nicht mehr, unter den Füßen nur den näher kommenden Boden…Das fühlt sich eher nach Freefall-Tower an als nach einer Achterbahn und ist unbeschreiblich gut :heart: Vom Rest der Fahrt kann ich nicht ganz so viel erzählen, weil es einfach nur ein wildes Rumgedrehe ist xD Angeblich soll Eejanaika die Achterbahn mit den meisten Inversionen sein, aber in der Zählung von 14 Stück sind auch die Drehungen der Wagen mit einbezogen, sodass viele diesen Weltrekord anzweifeln, wie ich es selbst auch tue. Letztes Jahr wurde sowieso eine Achterbahn in England eröffnet, die 14 richtige Überkopfteile bietet…Die stammt übrigens vom selben Hersteller, der auch Takabisha designt hat. Selbst ohne Weltrekord bleibt Eejanaika seit ihrer Eröffnung 2006 die größte Achterbahn ihrer Art.

Finale Worte

Nachdem ich Eejanaika verlassen hatte, war der Park eigentlich noch mehr als eine halbe Stunde lang offen. Die Zeit hätte locker ausgereicht, um noch einmal eine Runde auf der Fujiyama zu drehen…Doch was sahen meine Augen da? 30 Minuten vor Schließung des Parks wurden die Warteschlangen aller großer Attraktionen geschlossen und nur die, die das Glück hatten, sich kurz davor noch angestellt zu haben, durften auch fahren. Es wurden dazu Schilder aufgestellt, nach denen die “maximale Fahrgastkapazität für den Tag” schon erreicht sein sollte. Dabei wurden die Warteschlangen nie vollständig genutzt und besonders voll war es so oder so nicht gewesen…Meiner Meinung nach eine billige Ausrede, um den Park pünktlich schließen zu können. Das stieß mir ziemlich bitter auf :rge: Ich erinnere mich zu gerne an einen Tag im Hansa-Park (größter Vergnügungspark Schleswig-Holsteins, bei Lübeck), an dem ich mit meinen Freunden zusammen noch 15 Minuten nach eigentlicher Schließung des Parks auf der Loopingachterbahn unterwegs war. In Japan scheint man es wohl anders zu handhaben :-( Die Japaner selbst störten sich nämlich überhaupt nicht daran. Wenigstens ein zweites Mal auf Fujiyama und ich wäre glücklich gewesen, aber neeeein…

Dann die allgemeine Gestaltung des Parks und dessen Attraktionen, die aus meiner Sicht ein wenig lieblos wirkte: Nur wenige Grünanlagen, die Attraktionen nur sehr leicht thematisiert…Da bin ich aus Europa anderes gewohnt. Aber selbst im Nagashima Spaland gab es zumindest in Sachen Grün mehr zu sehen. Eventuell setzt man im Fuji Q Highland vor allem auf den Fujisan, doch sieht man diesen eben nicht immer…Sowieso gibt es bis auf die Achterbahnen nichts wirklich Besonderes, was einfach schade ist. Aus der Sicht eines Achterbahnfans kommt man selbstverständlich auf seine Kosten, doch ansonsten fällt das Fuji Q Highland regelrecht durch. Es muss ja nicht gleich ein Disneyland für Adrenalinjunkies werden, aber in der Disziplin ist das Gebotene einfach mangelhaft.

Am Ende rettete der Fujisan den Tag, weil er sich schließlich aus dem Bus nach Tokio heraus doch noch teilweise zeigte! Und trotz dieser gefallenen, miesen Worte, sehe ich meinen Tag im Fuji Q Highland als Highlight an, einfach weil ich nirgendwo sonst derart krasse Achterbahnen gefahren bin! Allerdings kann ich ihn abseits davon niemanden empfehlen…Schaut euch einfach nur den Fujisan an xD

Danke fürs Lesen, wenn ihr denn alles ertragen habt :P Bis zum nächsten Eintrag und Grüße aus Tokio!

Tobii~

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