Ein weiterer unvergesslicher Tag

By | June 6, 2014

Enoshima & Kamakura:

Ein Hallo an euch alle!

Heute möchte ich von einem langen Tag berichten, der mich raus aus Tokio geführt hat. Es ging nämlich auf die Insel Enoshima sowie in die Stadt Kamakura. wobei letztere oft als das “kleine Kyoto Westjapans” bezeichnet wird. Dieser Spitzname ist mehr als verdient, wie ich finde :heart: Der Eintrag wird bestimmt länger, also nicht wundern :)

Enoshima und Kamakura liegen in der Kanagawa Präfektur, die sich südwestlich von Tokio befindet. Die Anreise fand per Bahn statt, die mich direkt von Shinjuku nach Enoshima gebracht hat. Die private Bahnlinie bietet dabei ein sehr kostengünstiges Ticket an, in dem sowohl Hin-, Rückfahrt als auch unbegrenzte Nutzung einer kleinen Bimmelbahn enthalten sind. Das Ganze schlägt nur mit 10€ zu Buche, wobei man nicht vergessen darf, dass der Zug alleine mehr als eine Stunde benötigt. Das Wetter war auf jeden Fall sehr gut, auch wenn sich der gute Fujisan wie immer hinter grauen Wolken versteckt hat. Man kann übrigens auch direkt nach Kamakura fahren, was allerdings nur vom Bahnhof Tokio möglich ist. Mit der privaten Bahnlinie habe dafür noch Enoshima gesehen, was ich nicht missen würde!

Enoshima

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Von der Endstation der Bahn muss man noch ein paar Stationen mit der Enoden-Linie fahren, die im Prinzip das selbe wie der Randen in Kyoto ist: Straßenbahn ähnliche Wagen, die oftmals historisch gehalten sind. Zu meiner Überraschung ist beim Enoden noch mindestens ein originaler Zug im Einsatz, dem man sein Alter sofort ansieht. Genau mit diesem ging es dann zur Insel Enoshima, die westlich von Kamakura liegt und zu Fuß per Brücke erreicht werden kann. Neben Stränden, Surfern oder Palmen gibt es eine Menge zu sehen:

Enoshima Schrein

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Quasi das Zentrum der gar nicht so kleinen Insel wird von diesem Schrein eingenommen, dessen Zugang die Hauptstraße von Enoshima ist. Hier findet man Souvenirs, Restaurants mit der örtlichen Spezialität und kleine Imbisse, die zu hohen Preise kleine Portionen anbieten. Mit anderen Worten also das, was man an jedem Touristenhotspot in Japan findet ;-) Relativ am Anfang der Straße findet sich schon ein Torii aus Bronze, was dementsprechend mitten zwischen den Häusern steht. Die Insel ist alles andere als eben und so fängt der Weg früh an zu steigen. Etwas versteckt führt übrigens eine sehr kleine Gasse zum Meer, wo ich viele Angler beim Fischen beobachten konnte. Auch zwei Katzen ließen sich blicken :kawaii: Zurück zur Hauptstraße, an deren Ende ein rotes Torii den Eingang zum Schrein markiert. Ab hier kann man sich zwischen Treppen und kostenpflichtigen Rolltreppen entscheiden. Letztere sind in einem Kombinationsticket enthalten, sodass ich sie genutzt habe. Ansonsten hätte mir das nichts ausgemacht, versteht sich :P Die erste Treppe habe ich sogar zu Fuß genommen! Der Enoshima Schrein selbst ist bis auf den Aufgang gar nicht so besonders, aber Dank der Lage weiter oben hat man einen schönen Blick auf die Hauptstraße, den Strand und auch den Yachthafen. Anschließend führt ein Weg weiter zu den nächsten Attraktionen.

Samuel Cocking Garten

Blick nach Norden von der Sea Candle: Kamakura ist rechts im Bild

Blick nach Norden von der Sea Candle: Kamakura ist rechts im Bild

So landet man schnell vor dem Tor des Samuel Cocking Gartens. Huch? Warum dieser Name? Ende des 19. Jahrhundert hat ein gewisser Herr Samuel Cocking aus England den Großteil der Insel gekauft und dort einen botanischen Garten errichtet. Der Eintritt selbst kostet 200 Yen, aber wenn man noch den Aussichtsturm besteigen will, muss man umgerechnet 3,60€ auf den Tisch legen. Was ist von der originalen Anlage geblieben? Man kann tatsächlich die Grundmauern eines Backsteinhauses bewundern und sogar durch einen Gang des – vermutlich – früheren Kellers gehen. Natürlich gibt es auch weiterhin einen Garten, der im Eingangsbereich mit vielen blühenden Pflanzen aufwartet. Dazu spielt Musik, eine kleines Café fehlt genau so wenig…Außerdem viele Palmen und auch Symbole für internationale Patenschaften wie z.B. ein chinesischer Pavillon. Das Beste ist aber der “Sea Candle” getaufte Aussichtsturm, von dem man eine 360° Umsicht über die Insel und das Festland hat. An Tagen mit guten Wetter dürfte der Anblick des Fujisan am Horizont vermutlich atemberaubend sein. Aber auch so war die Aussicht wirklich schön; gerade die kilometerlangen Strände :yahoo: Übrigens waren an dem Tag mal wieder sehr viele Schulklassen unterwegs. Mal der Großstadt Tokio entfliehen und ans Meer? Klingt gut, findet ihr nicht auch?

Küste

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Nach einer kurzen Stärkung im Garten ging es den einzigen Weg weiter Richtung Südspitze von Enoshima. Der Weg führt dabei durch einen weiteren Schrein, an dem Liebespaare einen Segen erhalten können. So etwas ist unter Japanern immer beliebt xD Nach mehreren steilen Treppen gelangt man schließlich wieder ans Meer, wobei man fast schon eine Steilküste vor sich hat. Etwas beunruhigend sind die vielen Schilder, die die Fluchtrouten bei Tsunamis ausweisen, aber das gehört zu Japan leider dazu. An der Küste finden sich dabei zwei Höhlen mit von Menschen erschaffenen Statuen, die leider kurz vor meinem Besuch geschlossen wurden. Bislang ist auch kein Datum bekannt, an dem sie wieder geöffnet werden. Dafür wehte eine angenehme Brise vom Meere :wow: Ich hätte außerdem mehr Bilder gemacht, doch schon im Garten war der Akku meiner Kamera nur noch zu zwei Dritteln voll…Es ist ein Wunder, dass er den Tag über so lange durchgehalten hat, selbst wenn am Ende zwei Sehenswürdigkeiten nicht mehr festgehalten werden konnten. Ich hatte ein paar technische Probleme, die sich zum Glück geklärt haben B-) Der Rückweg fiel dann recht anstrengend aus, weil ich die vielen Treppen wieder hochsteigen musste. Insgesamt war Enoshima eine schöne Insel und ich bin froh, dass ich sie nicht ausgelassen habe. Zugegebenermaßen hatte ich mit weniger Zeitaufwand gerechnet, aber es hat am Ende alles gepasst! An Miyajima kommt Enoshima natürlich nicht heran, aber diesen Vergleich sollte man gar nicht erst stellen.

Kamakura

Dann ging es per Enoden weiter nach Kamakura, nachdem ich bestimmt an die zwei Stunden auf Enoshima verbracht hatte. Kamakura verfügt heute über 170.000 Einwohner und hat eine bewegte Geschichte: Von 1185 bis 1333 war diese Stadt nämlich Sitz des Shoguns und damit faktisch Hauptstadt des damals aber nicht geeinten Japans. Eine ganze Periode der Geschichte wurde dementsprechend “Kamakura Periode” benannt. Wirklich viel weiß ich darüber nicht, aber auf jeden Fall fand der Niedergang 1333 nur durch eine wichtige Schlacht statt, der in einen Massensuizid des führenden Clans Kamakuras und vieler Anwohner mündete, dem 900 Samurai und ungefähr 5000 Einwohner zum Opfer fielen. Gleichzeitig brach ein Feuer aus, das große Teile der Stadt zerstörte. Trotzdem hat Kamakura viel aus dieser Epoche mitgenommen, was es – neben einer weiter entfernten Stadt nördlich von Tokio – zur ersten Adresse für Interessierte am alten Japan macht. Das gilt natürlich nur für den Osten Japans, weil im Westen des Landes liegt ja bekanntlich Kyoto, die absolute Nummer Eins auf diesem Gebiet ;-)

Hasedera

Blühende Hortensien

Blühende Hortensien

Für Deutsche etwas lustig war das erste Ziel eine Station namens “Hase”. Das S wird im Japanischen scharf ausgesprochen, sodass es sich wie “Hasse” anhört. Auf jeden Fall findet man hier einmal den Tempel Hasedera und auch gleich die Hauptattraktion Kamakuras. Für 1,50€ kann man sich hier umsehen. Doch was gibts denn? Also die Tempelgebäude empfand ich als weniger ansehnlich…Dafür fällt die Gartenanlage sehr schön aus: Mehrere Teiche, auch einer mit Koi Karpfen, einen kleinen Bergpfad der mit Hortensien gesäumt ist, die ganz zufällig genau im Juni am Blühen sind, und zu guter Letzt eine Höhle, die man fast schon als Tropfsteinhöhle bezeichnen müsste. Man sah kaum etwas, musste sich kräftig bücken, war aber definitiv einzigartig :wow: Durch die Nähe zur Hauptattraktion war hier gar nicht so wenig los. Trotzdem sehr empfehlenswert.

Daibutsu

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Wer sich ganz an Gifu oder Nara zurück erinnert, wird das Wort Daibutsu noch kennen. Die Rede ist von einer großen Buddhastatue, von der es auch eine in Kamakura gibt. Der Buddha von Kamakura ist zwar ein wenig kleiner als der von Todai-Ji in Nara, bietet dafür aber andere Spezialitäten. Der Eintritt fällt mit 1,50€ erneut nicht besonders hoch aus, wobei es ehrlich gesagt gar nicht so viel zu sehen gibt. 1253 während der Kamakura Periode aus Bronze hergestellt und 13,35m hoch, hat man es hier mit einem freistehenden Buddha zu tun! Freistehend? Ja, ganz richtig: Es gibt kein umgebenes Gebäude :yahoo: Bis 1495 gab es übrigens Eines, doch wurde dieses während mehreren Fluten zerstört und seitdem darf der Buddha Frischluft zu sich nehmen. Die Buddhastatuen von Gifu und Nara hatten ihre eigenen Besonderheiten, doch wenn ich mich fragt, ist der Buddha von Kamakura der schönste. Denn so ohne Dach über seinem Kopf wirkt die Statue gar nicht mehr so sehr wie eine. Man denkt fast, dass man vor einem sanften Riesen steht, der sich zum friedlichen Gebet hingesetzt hat. Dazu das Grün in Vor- und Hintergrund sowie die gelegentlich auf seinem Kopf Platz nehmenden Vögel. Nennt mich verrückt, aber so wirkt der Daibutsu von Kamakura nun einmal auf mich :patrick: Auf seinem Rücken befinden sich dabei zwei Fenster, aus denen man vermutlich heraus gucken kann. Diesen Buddha kann man nämlich begehen, worauf ich allerdings verzichtet hatte. Dann hatte noch ein total Interessantes Erlebnis: Ein paar sehr junge Schüler haben mich auf Englisch gefragt, ob sie mit mir ein Foto machen können. Ich kann nicht sagen, warum sie das wollten, aber jetzt hänge ich also vielleicht in einer japanischen Schule an der Wand xD Außerdem lief da ein älterer Herr herum, der jedem Ausländer seine Adresse gab, damit er einen Brief auf Englisch erhalten kann. Ich glaube, ich werde ihm sogar einen schreiben :) Alles in allem war der Daibutsu für mich der Höhepunkt meines Tages in Kamakura :heart: Ich bin so froh, dass ich das Glück habe, in Japan zu sein und immer wieder solch tolle Dinge sehen zu dürfen…

Engakuji Tempel

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Anschließend folgte wieder ein wenig Bahnfahren, weil es im Norden Kamakuras zwei der schönsten Tempel der Stadt gibt, die ich unbedingt ansehen wollte. Das war mir sogar so viel wert, dass ich per staatlicher Bahn eine Station gefahren bin! Dieses wurde natürlich nicht mit meinem Ticket abgedeckt :-( Gelohnt hat sich das allemal: Ein riesiges Areal, das von einem typischen Eingangstor über einen Zen-Garten bis hin zu einem uralten Baum alles bietet, was zu einem schönen Tempel gehört. Dazu fällt der Eintritt mit 2€ gering aus und man hat seine Ruhe. Auf jeden Fall besser als alles, was ich bisher direkt in Tokio besucht habe, wenn auch verständlicherweise kein Vergleich mit dem, was Kyoto zu bieten hat.

Meigetsuin Tempel

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Ein Stückchen weiter befindet sich der Meigetsuin Tempel, der mich ein wenig überrascht hat. Denn die auch als “Hortensien Tempel” bekannte Anlage wird ihrem Namen mehr als gerecht. Statt größeren Hallen setzt man hier voll und ganz auf kleine Pfade durchs Grüne. Dabei wurde der Großteil an einem Berghang errichtet, was das Ganze noch besser macht. Mich hat es nicht einmal gestört, dass ich für die Hortensien ein wenig zu früh dran war B-) Und irgendwie werden mit dem Namen des Tempels Kaninchen assoziiert, weshalb man hier und da kleine Statuen entdecken kann. Den schönsten Garten des Tages habe ich auf jeden Fall in Meigetsuin gefunden.

Tsurugoka Hachimangu Schrein

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Die letzte Adresse war dann ein Schrein im Zentrum Kamakuras, den man zu Fuß gut vom Hauptbahnhof aus erreichen kann. Auf dem Weg dorthin durchquert man eine Einkaufsstraße, die mit einen Ghibli Shop aufwartet. Wie immer habe ich mich total darüber gefreut :yahoo: Das Besondere war hier die Architektur, die die Verkaufsfläche auf einen kleinen Kellerraum und einen ebenfalls engen Raum im Erdgeschoss verteilte. Ersterer war schön mit Holz verkleidet, bekannte Lieder klangen aus Lautsprechern…Herrlich :heart: Mehr braucht es nicht, um mich zu Tränen zu rühren xD

Der Schrein selbst kann ohne Eintritt betreten werden, ist recht groß und zu guter Letzt im von mir geliebten Stil der Heian Periode gehalten, bei dem alle Gebäude rot angemalt sind. Es war sogar noch ein richtig dunkles Rot, wie ich es nur vom ganz frisch renovierten Byodoin Tempel in Uji kannte. Das Allerheiligste wurde außerdem auf einer Anhöre errichtet, die man über eine Treppe erreicht. Auf dem Gelände fällt dazu ein wirklich gigantischer Baumstamm eines Ginkgos auf, der dort länger als der Schrein selbst stehen soll, welcher 1063 gegründet wurde. Damit wäre der Baum an die 1000 Jahre alt, was unglaublich ist. Jedoch wurde dieser im Jahre 2010 während eines Sturmes stark mitgenommen und hat seitdem nicht mehr ausgeschlagen. Vor dem Baum konnte man dann Schriften und Bilder sehen, die ihm sagten, dass er nicht aufgeben solle. Das finde ich echt toll :) Gleich daneben wurde allerdings schon ein neuer Ginkgo gepflanzt. Das Areal wird auch noch von zwei Teichen flankiert, die voller Seerosen waren. Etwas Vergleichbares habe ich bisher nicht gesehen…Schade, dass meine Kamera beim Torii schlapp gemacht hat. Die Allee, die vor dem Hachimangu Schrein anfängt, führt dabei ganz bis an das Meer. Das ist aber immer noch nicht genug: Etwa über die Hälfte der Strecke gibt es einen für Passanten begehbaren Pfad in der Mitte der Straße, der ausschließlich von Kirschbäumen gesäumt ist. Also mehr geht nicht xD

Strand

Mein Tag endete schließlich mit einem Sonnenuntergang am Strand, auch wenn mir ein Rabe meinen Imbiss direkt aus den Händen klaute! Das meine ich ernst! So ein Viech flog über mich hinweg und hat mit seinen Krallen das Brot aus meinen Händen gestohlen!! Also da wäre mir ein Reh lieber gewesen…Kamakura habe ich jedenfalls total ins Herz geschlossen: Direkt am Meer wie mein Heimatdorf, viele Tempel & Schreine, total übersichtlich und Tokio ist gar nicht so weit weg. Insgesamt der einmalige Kontrast zwischen Geschichte und Surferkultur, die dort sehr beliebt zu sein scheint. Bin ich jetzt nicht so der Fan von, aber hat was oder? Irgendwie habe ich auch so viele deutsche Restaurants wie noch nie an einem Fleck gesehen. Und zu guter Letzt spielt mein erster jemals geschaute Anime in genau dieser Stadt, der immer noch zu meinen Lieblingsanimes gehört. Dementsprechend habe ich einige Stellen wiedererkannt, was für ordentlich Gänsehaut gesorgt hat. Also wenn ich mir einen Ort in Japan aussuchen müsste, an dem ich leben wollen würde, ist es Kamakura. Dazu wird es ganz sicher nicht kommen, aber diese Stadt hat es mir angetan wie keine andere. Anfangs habe ich sogar überlegt, statt in Tokio in Kamakura zu wohnen, doch wenn man in Tokio viel sehen will, ist das alles andere als praktisch. So gibt es jetzt noch viel in Kamakura zu sehen :)

Verdammt habe ich viel geschrieben xD Wir haben gerade den Eintrag vom Nagashima Spaland vom Thron gestoßen! Allerdings nur um gute 200 Wörter…Danke fürs Lesen, falls jemand überhaupt so viel lesen mag :P Manchmal mute ich meinen Lesern ganz schön viel zu, scheint mir %( Demnächst könnte allerdings noch ein sehr langer Eintrag folgen…Ich warne euch schon mal vor.

Euer
Tobii~

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