Tobi in Tokio

By | May 24, 2014

Ein doch nicht so kleiner Reisebericht:

Guten Tag, hallo und moin!

Da meine Reise von Hiroshima nach Tokio zumindest von der zurückgelegten Strecke her lang war, möchte ich dem Ganzen einen eigenen Eintrag widmen. Wir reden immerhin von 800km und bisher bin ich in Japan noch nicht so weit gereist.

Angefangen hat alles mit dem Shuttle des Hotels, der mich um 10 Uhr zum Nordeingang des Hauptbahnhofs brachte. Mit der Hilfe eines freundlichen Herren habe dann auch diesen gefunden. Da war eine Baustelle und irgendwie waren die Schilder nicht ganz eindeutig…Wie dem auch sei: Schön die jeweils mehr als 20kg wiegenden Koffer per Rolltreppe nach oben befördern, wo es dann 90 Minuten auf den Zug waren hieß. Zum Glück gab es gleich mehrere Wartebereiche mit Sitzmöglichkeiten :) So konnte ich auch einen Teil des Schülerstromes beobachten, der in Japan selbstverständlich per Bahn befördert wird. Wobei wir hier nicht von normalen Zügen reden, sondern von DEM Shinkansen. Das ist der Schnellzug, von dem der TGV in Frankreich und unser ICE abgeguckt sind ;-) Hier in Japan wurds erfunden und verbindet heute im Prinzip alle großen Städte. Dementsprechend teuer sind die Tickets zwar, aber 4 Stunden für 800km sind doch ganz ordentlich, meint ihr nicht auch? Neben einer geringen Anzahl unreservierter Plätze, ist der Großteil der 12 Waggons nur per Reservierung zu haben. Diese lässt sich an jedem Hauptbahnhof am entsprechen Schalter tätigen, wobei sogar Kreditkarten akzeptiert werden. Aber das nur am Rande :P Spätestens als mein Zug auf der Tafel erschien, ging es per Fahrstuhl zum Gleis, wo dann auch pünktlich der Shinkansen einfuhr.

Shinkansen in Aktion - Quelle

Shinkansen – Quelle

Das letzte Mal mit dem ICE muss in der 11. Klasse gewesen sein…Der Shinkansen ist auf jeden Fall ein völlig anderes Erlebnis: Zuerst das total futuristische Design. Ist das noch ein Zug oder hebt das ganze Gefährt gleich ab Richtung Sterne? Dann die große Beinfreiheit, zwischen manchen Sitzreihen ist extra Platz für große Gepäckstücke, Steckdosen für Ladegeräte und sowieso sitzen auf einer Seite 3 Personen und auf der anderen 2…Man kommt sich etwas wie im Flugzeug vor, auch wenn es solche Beinfreiheit nur in Business oder gar First Class geben dürfte. Dort gab es übrigens von einer fremden, älteren Dame einen Glücksbringer geschenkt. Warum nicht xD Als der Shinkansen dann losfuhr, merkte man richtig die Power, die dieses Fortbewegungsmittel hat. Man wird schon ein kleines bisschen in den Sitz gedrückt. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit bekam ich sogar Druck auf den Ohren, was ich ansonsten nur vom Fliegen oder von hohen Fahrstühlen kenne. Das war dann schon krass. Die Toilette könnte dabei auch 1:1 in ein Flugzeug passen. Von einem Bordrestaurant habe ich nichts gehört, wobei man das bei 4 Stunden Fahrt auch nicht unbedingt braucht. Es gab aber einen extra Raum für Raucher; ein Abteil für Raucher sucht man vergebens.

Was gab es während der Fahrt so zu sehen? Dank meinem Fensterplatz – der vermutlich ein klitzekleines bisschen teurer war – hatte ich freien Blick auf alles, an dem wir vorbei rauschten. Nach Hiroshima folgte vor allem Eines: Tunnel. Japan besteht eben fast nur aus Bergen und dann kann man sich irgendwie denken, dass man die überwinden muss. Ich war im ersten Moment trotzdem überrascht, weil so viele Tunnel müssen doch Unmengen an Geld verschlingen…Die gelegentlichen Lichtblicke boten kleine Dörfer bis mittlere Städte, wie ich sie schon teilweise während der Busfahrt von Kyoto nach Hiroshima gesehen hatte. Doch war das Wetter dieses Mal perfekt, sodass es schon ein anderer Ausblick war. Und so ging es dann weiter, bis eben die größeren Eben mit ihren Städten erreicht wurden. Tunnel, Dörfer, Großstadt und wieder von Vorne. Klingt ein wenig langweilig, aber das war es definitiv nicht! Denn ich habe mal eben das schönste Schloss Japans von Weitem gesehen :heart: Es wird immer noch renoviert und das äußere Baugerüst verschwindet nur langsam, weswegen ich nicht in Himeji (so heißt die Stadt und auch das Schloss) war. Ansonsten wäre ich natürlich dahin gefahren :yahoo: Himeji Jyo ist eben auch ein originales Schloss und keine bloßer Nachbau aus Beton…Ist im Grunde das Schloss Neuschwanstein von Japan, wenn man so will.

Anschließend folgte eine Reise in die Vergangenheit: Es ging durch Osaka, Kyoto und auch Nagoya, in denen ich meine bisherigen sieben Monate verbracht habe. Vor allem der Anblick Nagoya hat mich ein wenig gerührt, weil dort alles begann. Gifu konnte ich dabei ohne Probleme an den beiden Wolkenkratzern und dem Schlösschen auf dem Berg erkennen. Danach folgte also Neuland, was sich sowieso als nicht sonderlich interessant entpuppte. Erst kurz vor Tokio gab es noch ein richtiges Wow-Erlebnis: Direkt nach einem Tunnel hatte man den Fujisan vor Augen, der mit über 3000m höchste Berg Japans fasziniert seit jeher die Menschen und ist erst vor Kurzem zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt worden. Eine ganz klare Form, die weiße Haube aus Schnee…Der Anblick des Fujisan sucht definitiv seines Gleichen! Er ist dabei böser Natur: der Fuji Berg ist ein schlafender Vulkan, dessen Ausbruch – der vielleicht nie wieder vorkommt – verheerende Folgen hätte. Ganz so klein ist das Teil ja nicht und dementsprechend reichen die 100km Entfernung zu Tokio eventuell nicht aus…Aber daran wollen wir ja gar nicht erst denken :P Selbes “Problem” haben übrigens die Menschen in Neapel in Italien, nur dass sie dort sehr viel näher sind. Meinen ersten Blick auf den Fuji werde ich nie vergessen. Man kann ihn dabei auch manchmal von Tokio aus sehen; das Wetter muss nur gut genug sein. Bisher hatte ich kein Glück, aber ein guter und kostenloser Aussichtspunkt befindet sich gleich in der Nähe meines neuen Zuhauses, sodass ich ihn definitiv irgendwann sehen werde.

Spätestens als Yokohama immer näher kam und der Fujisan für einige Zeit aus dem Sichtfeld verschwunden war, wurde mir klar, dass die Stadt da draußen die Metropolregion Tokio sein musste. So hielt ich natürlich Ausschau nach mir bekannten Gebäuden und war auch erfolgreich! Irgendwie erinnere ich mich nur an den roten Tokyo Tower, doch ich meine, dass ich mehr als nur diesen erblickt hatte. Auf jeden Fall erreichte der Zug recht schnell die Endstation, die einfach auf den Namen “Tokyo” hört. Ich war jetzt also wirklich da, in Tokio, der Hauptstadt Japans, von der man so viel hört. Da hab ich mich gefreut, doch ja :yahoo: Dann ging es jedoch daran, zu meiner neuen Bleibe im Stadtteil Shinjuku zu gelangen, was sich durch die ganzen verschiedenen Bahnlinien als gar nicht so einfach herausgestellt hat. Geschafft habe ich es natürlich, nur musste man schon ein wenig suchen, was für mich etwas Neues war. Nach vielleicht 15 Minuten traf der Zug in Shinjuku ein, wo einem sofort bewusst wird, dass man in Tokio ist: So viele Menschen wie an diesem Bahnhof sieht man sonst nirgendwo auf der Welt. Anschließend per Wegbeschreibung zum Büro meines Vermieters, was zum Glück recht simpel zu finden war. Dort den Vertrag unterschrieben und die Schlüssel für Haus und Zimmer bekommen, wo es dann auch gleich per Taxi hinging. Hier in Tokio lebe ich in einem Share-House, aber dazu folgt noch ein eigener Eintrag. Ich habe hier sowieso schon den Rahmen gesprengt xD

Das war sie also, meine Reise von Hiroshima nach Tokio. An sich war sie überhaupt nicht anstrengend; es war nur mal wieder mein Gepäck, was mir Einiges abverlangt hat…Ich bin in einem Stück angekommen, so viel steht fest :P Ab jetzt dreht sich also alles im Tokio, was euch vermutlich ziemlich interessieren wird. Wir reden ja mal eben um eine “Stadt” in der 32 Millionen Menschen leben und da funktionieren manche Dinge sicherlich anders als anderswo. Danke fürs Lesen! Man sieht sich zum nächsten Eintrag :bye:

Euer
Tobii~

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