Der Misen Berg

By | May 22, 2014

Ein himmlisches Highlight!

Herzlich willkommen!

Wie im letzten Eintrag angedroht, bezwingen wir heute den Misen Berg, der mit seinen 535 Metern die anderen Gipfel von Miyajima überragt. Schon seit mehr als 1400 Jahren ist er ein beliebtes Ziel unter religiösen Menschen und bietet neben einer unbeschreiblichen Aussicht auch einige Tempel. Allerdings würde ich auch sagen, dass der Weg selbst das Ziel ist ;-) Schnallt euch euren Rucksack um, rein in die Bergstiefel und los.

Aufstieg

Der Ausblick vom ersten Rastplatz

Der Ausblick vom ersten Rastplatz

Es stehen drei verschiedene Wege zur Auswahl, die sich in Länge und Schwierigkeit unterscheiden: Der kürzeste ist der Momijidani-Pfad, der aber auch der steilste sein soll. Der Daisho-in-Pfad ist länger, bietet dafür die beste Aussicht. Zu guter Letzt der Omoto-Pfad, der der längste ist, aber dafür durch eine Art Urwald führt. Für den Weg nach oben wählte ich den Daisho-in-Pfad, der dem Namen entsprechend beim gleichnamigen Tempel beginnt. Eigentlich soll mal 90 Minuten brauchen, aber ich habe am Ende nur eine gute Stunde benötigt…Der Weg bietet wirklich einige schöne Blicke nach unten und vor allem auf den Itsukushima Schrein, wobei es wirklich nur ein paar Stellen sind. Immerhin geht es ein wenig an einem Fluss entlang, dessen Bett schon ziemlich cool war. Natürlich dürfen auch gelegentlich kleine Schreine nicht fehlen ;-) Die ganzen Treppenstufen waren aber nicht ohne…Bin da ganz schön ins Schwitzen gekommen xD Ich gehe ja nicht jeden Tag auf einen Berg hinauf! Schon mein Aufstieg war dermaßen schön, dass der Misen Berg, ohne wirklich die Aussicht und Gipfel gesehen haben, mein bisheriger “Lieblingsberg” wurde. Ok, ok…Außer das eine Mal in Gifu und das andere in Kyoto war ich immer sehr bodenständig. Aber das Erklimmen eines Berges – so niedrig er auch sein mag – ist in Japan immer ein schönes Erlebnis: Kaum andere Westler und alle Japaner grüßen einen. Es kam sogar zu einer richtigen Unterhaltung :yahoo:

Gipfel

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Oben angekommen gibt es gleich eine ganze Reihe von sehenswerten Stellen, die leider nicht alle auf dem selben Fleck zu finden sind. So muss man noch weitere Meter zurücklegen, wenn man alles sehen möchte. Für mich ging es zuerst zu einem kleinen Schrein, der quasi am Ende des Daisho-in-Pfades liegt. In drei identischen Bauten werden drei Göttinnen verehrt, die in Zusammenhang mit den Itsukushima Schrein stehen. Alleine ein rotes Torii mitten in der Wildnis vorzufinden hat mich schon verblüfft :wow: Während der Schrein selbst nicht sonderlich interessant ist, ist es die Aussicht, die man von dort hat: Wasser, ein paar grüne Inseln, das Festland, Schiffchen, Muschelfarmen…Trotz der grauen Suppe am Horizont hat mich dieser Anblick wirklich bewegt. Dagegen kann alles außer mein Besuch auf dem Nagoya TV Tower einpacken!

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Weiter zum zentralen Knotenpunkt vom Misen Berg, wo man einen Tempel mit mehreren Gebäuden vorfindet. In der kleinen Halle brennt eine Flamme seit mehr als 1200 Jahren!! Mit dieser wurde übrigens auch das Feuer im Friedenspark angefacht ;-)

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Dann der eigentlichen Gipfel, der von einem erst letztes Jahr errichteten Aussichtssturm gekrönt wird. Leider war er auch jetzt noch nicht fertig und so gab es keine Sitzplätze im Schatten…Hier hat man dann eine 360° Umsicht auf Hiroshima, Hatsukaichi (die Stadt vor Miyajima) und natürlich den Seto-Inlandsee – das Binnenmeer zwischen der Hauptinsel Honshu und der davor gelagerten Inseln Shikoku und Kyushu. Allerdings war hier der Blick teilweise von Bäumen verdeckt, sodass ich irgendwie den zweiten Aussichtspunkt besser fand.

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Dieser befindet sich direkt bei der Gipfelstation der Seilbahn, ist aber noch ein ganzes Stück vom Hauptplateau mit dem Tempel entfernt. Doch der Weg lohnt sich definitiv, weil dieser Aussichtspunkt etwas vorgelagerter ist und man so einen besseren Blick auf den Seto-Inlandsee hat. So etwas habe ich meinen 7 Monaten Japan noch nie gesehen! Unbedingt machen! Dort habe ich dann auch mein Mittagessen zu mir genommen und allgemein eine wirkliche Pause eingelegt, bevor es auf den Weg zurück nach unten ging, der natürlich wieder aus eigener Kraft getätigt wurde.

Abstieg

Als Route nach unten wählte ich den Omoto-Weg, weil gerade beim Abstieg ein steiler Pfad nicht ganz ohne ist. Er soll der Längste sein, was aber natürlich beim Heruntergehen nicht ganz so ins Gewicht fällt. Ich staunte auf jeden Fall nicht schlecht, wie unberührt der Pfad war. An manchen Stellen war ich mir nicht mehr zu 100% sicher, wo denn der Weg weitergeht. Kann an der fortgeschrittenen Zeit gelegen haben, aber insgesamt habe ich ganze 6 andere Leute getroffen, was nicht wirklich viel ist. Dafür wird man mit einer Atmosphäre wie in einem Urwald entschädigt, was wirklich atemberaubend war. Hier und da riesige Felsen, unter denen kleine religiöse Figuren inklusive Geldspenden auf die eifrigen Kletterer warten. Auch ein junges Reh kreuzte meinen Pfad! Das Beste waren die Geräusche, die man hörte, wenn man stehen bleibt: Ein stetiges Rascheln aus toten Blättern, das sich fast nach Regen anhörte…Auf einmal glaubte ich an all die Geschichten über Waldgötter xD So etwas habe ich nicht einmal auf dem Hieizan in Kyoto erlebt. Ganz am Ende stieß ich übrigens auf eine Tafel, auf der dann stand, dass der Omoto-Wald ein einzigartiges Biotop ist, in dem Bäume zu finden sind, die ansonsten nicht so nah am Meer wachsen. Das war wirklich unglaublich!! Dann ging es noch ein letztes Mal zum Torii vom Itsukushima Schrein, bevor ich mich erschöpft per Fähre und Straßenbahn in mein Hotelbett chauffieren ließ.

Das war also wieder ein Tag, den ich nie vergessen werde. Selbst fast eine Woche später – ja, der Eintrag kommt leider erst jetzt – habe ich das auf dem Misen Berg Erlebte noch sehr gut vor Augen. Danke fürs Lesen und auch für die Geduld!

Euer
Tobii~

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