Monthly Archives: May 2014

Harajuku

Meiji Schrein und Modemekka:

Konnichiwa allerseits!

Wo findet man einen der beliebtesten Schreine Tokios und gleichzeitig die schrägsten Modegeschäfte? Die Antwort lautet Harajuku! Dieses befindet sich ziemlich genau zwischen Shinjuku im Norden und Shibuya im Süden :bye: Ich war jetzt schon zwei mal da, wobei mein erster Besuch nicht ganz so schön ausfiel. Fangen wir an!

Meiji Schrein

P5236950

Als einer der beliebtesten Schreine ganz Tokios – und wenn nicht gleich ganz Japans – betitelt, trifft man hier an jedem Tag Besuchermengen an. Natürlich ließ ich mir den Meiji Schrein nicht entgehen, der übrigens dem ersten Kaiser und seiner Ehefrau nach der Edo-Periode gewidmet ist. Im 2. Weltkrieg zwar zerstört, ist heute wieder alles in Ordnung ;-) Nachdem man das erste große Torii durchschritten hat, findet man sich praktisch in einem Wald wieder. Als nächstes folgen dem Schrein gestiftete Sake- und Weinfässer, das zweite Torii, der Eingang zum inneren Garten und zu guter Letzt der Schrein selbst. Das klingt nicht nur weitläufig, die Anlage ist es auch :wow: 100.000 Bäume brauchen Platz! Die Architektur verbindet Naturholz mit grünen Dächern, was recht ansehnlich ist. Das Schreingebäude fällt dem umliegenden Wald entsprechend größer aus. Für jemanden wie mich, der so lange in Kyoto war, ist der Meiji Schrein nicht besonders aufregend. Die Absenz von Hügeln macht die gesamte Anlage fast langweilig…Einzig der Wald lädt zum Spazieren oder Fliehen vor der Großstadt ein. Wenn man sich nämlich ein wenig von der Hauptroute entfernt, ist man auch die meisten Touristen los :) Mehr als ein “ganz nett” ist mir der Schrein leider nicht wert. Immerhin stelle ich mir das Neujahrsfest sehr interessant vor, weil dann ungefähr 3 Millionen Menschen innerhalb weniger Tage dort aufkreuzen.

Innerer Garten

P5257018

Anders als das Gelände des Meiji Schreins muss man für den inneren Garten Eintritt bezahlen. Und das mit 3,60€ nicht zu knapp :-( Was wird einem dafür geboten? Ein nicht betretbares Teehaus, ein großer Teich mit Seerosen sowie Karpfen, ein berühmter Brunnen, der vom Meiji Kaiserpaar besucht wurde, und ansonsten ein paar Waldwege. Die Geschichte hinter dem Brunnen habe ich jetzt erst so wirklich erfahren, sodass das schon eine besondere Stätte ist. Eventuell wird aufgrund dessen der hohe Eintrittspreis verlangt? Weil besonders schön finde ich die Anlage nicht…Spart euch die 500 Yen und kauft euch ein Eis oder so dafür xD

Omotesando

P5236985

Noch an einem Wochentag schlenderte ich ein wenig durch diese Allee, die mit ihren vielen Bäumen als Hauptzufahrt für den Meiji Schrein dient. Hier findet man viele Menschen, Modegeschäfte ohne Ende, aber auch Restaurants. Das Ganze ist dabei einen guten Kilometer lang und ja…Neben Bekleidung kann man noch in einen großen Spielzeugladen oder in ein Souvenirgeschäft einen Blick werfen, was ich beides nicht getan hatte :P

Takeshita Dori

P5257046

Nördlich von Ometesando stößt man auf diese Gasse, die gerade am Sonntag gerappelt voll ist. Hier besorgen sich vor allem junge Leute in der Regel ausgefallenere Kleidungsstücke…Wobei “ausgefallen” oft genug als “vollkommen bekloppt” gelten kann. So etwas kann man nur in Harajuku kaufen! Dem Angebot entsprechend laufen genügend solcher Personen herum, die sich geradezu verkleiden: Von unschuldigen Prinzesschen mit knuffigen Täschchen bis hin zu nur Schwarz tragenden Leuten mit Springerstiefeln ist alles dabei, was man sich an Extremen nur vorstellen kann. Dabei verkleiden sich auch genügend Westler :yahoo: Total kurios finde ich es, dass die anderen Japaner ihre völlig verrückt aussehenden Landsleute praktisch ignorieren. Nur die Touris starren und fragen oft nach Bildern. Also an jedem anderen Ort der Welt würde man in solchen Kostümen Aufsehen erregen…Hier gibt es dann auch ein besonderes Süßigkeitengeschäft ;-)

Solch “auffallend” gekleidete Personen kann man übrigens überall in Tokio sehen, wenn man denn Glück hat. Ansonsten reicht es schon unter der Woche mal nach Harajuku zu fahren. Sonntags ist es halt total voll, was fast schon an ein Volksfest erinnert. Ich werde mich dort vermutlich ebenfalls ein wenig einkleiden :) Auf jeden Fall danke fürs Lesen! Wieder eine berühmte Ecke Tokios abgehakt. Weiter zur Nächsten!

Euer
Tobii~

Park, Puff & Pachinko

Shinjuku:

Ein Hallo aus Tokio!

Angekommen bin ich, aber wie sieht meine Nachbarschaft so aus? Darüber möchte ich euch heute informieren ;-) Und die Überschrift ist durchaus ernst gemeint!

P5226833

Ich wohne gute 15 Minuten von Shinjuku entfernt, wobei ich schon im nächsten Bezirk namens Nakano wohne. Dort gibt es aber nicht allzu viel, weswegen ich mich eher als Bewohner von Shinjuku sehe. Im Bahnhof von Shinjuku treffen sich mehr als ein Dutzend staatliche sowie private Bahnlinien, weswegen es insgesamt mehr als 30 Gleise gibt. Diese liegen allerdings nicht alle am selben Ort…Auf jeden Fall ist es kein Wunder, dass Shinjuku mit 3.000.000 Gästen zusammen mit einem Bahnhof in Indien das größte Fahrgastaufkommen der Welt hat. Hier gibt es übrigens auch eines der größten Bus-Terminals Japans :) Und wie immer in Japan entsteht um einen derart geschäftigen Bahnhof ein eigenes Stadtviertel: Kaufhäuser, Kinos, Bars, Karaoke, Pachinko-Hallen, Elektrofachgeschäfte, Modeboutiquen, Fast Food Restaurants und eben auch eines der berüchtigsten Rotlichtviertel ganz Japans. Also Langeweile kommt hier ganz sicherlich nicht auf! Doch das ist nur das, was es in der direkten Umgebung des Bahnhofes gibt. Entfernt man sich etwas davon, so findet man einen wunderschönen Park oder auch mit die höchsten Gebäude der Tokios, was ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte!

Shinjuku Gyoen

Japanischer...

Japanischer…

Östlich vom Bahnhof stößt man zwanghaft auf diesen Park, der zu den größten und beliebtesten Tokios gehört. Trotzdem muss man umgerechnet 1,40€ für den Eintritt zahlen, was ich ziemlich interessant finde, weil die Anlage wirklich riesig ist…Der Park ist im Prinzip in drei Gebiete aufgeteilt, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Zuerst ein traditioneller, japanischer Garten, dann ein englischer mit weiten Rasenflächen und zuletzt ein französischer mit symmetrisch angeordneten Bäumen und Blumen. Es finden sich gleich mehrere Teiche auf dem Gelände. Selbst eine Tropenhaus mit Palmen sowie anderen, subtropischen Gewächsen gehört dazu.

...englischer...

…englischer…

Genau nachdem ich dieses besucht hatte, gab es einen starken Regenschauer, der immerhin 20 Minuten andauerte. Danach lugte jedoch schon wieder die Sonne durch die graue Suppe :kawaii: So entstanden meiner Meinung nach recht coole Bilder. Vor dem Schauer entspannten dabei noch einige Leute auf den Wiesen, was die perfekte Abwechslung zu Häusermeer und Menschenmengen ist. Von Tokio bekommt man im Park nämlich kaum etwas mit :) Verkehrsgeräusche höchstens am äußeren Rand, Wolkenkratzer sind einige Kilometer entfernt. Wenn ich jemanden also ein Bild vom Shinjuku Gyoen zeigen würde, der nicht weiß, dass sich dieser in Tokio befindet, würde ganz sicher nicht denken, dass das in der größten Metropolregion der Welt aufgenommen wurde.

...und französischer Bereich

…und französischer Bereich

Inklusive der Unterbrechung durch den Schauer war ich eine Stunde dort. Dabei habe ich mich nicht einmal irgendwo hingesetzt! War nach dem Regen sowieso alles nass :patrick: Gibt aber auch mehr als genügend Rasthäuschen, wo man auch Getränkeautomaten, einen Kiosk oder Toiletten finden kann. Und trotz dieses langen Aufenthaltes habe ich immer noch nicht alle Ecken des Parks gesehen! Dementsprechend ist der Shinjuku Gyoen bisher der größte Park, den ich hier in Japan besucht habe. Der Schönste war er allerdings nicht, weil er eben nicht ausschließlich japanisch gehalten ist. Ich weiß aber, dass ich dort noch mehrere Male hingehen werde!

Tokyo Metropolitan Government Building

P5226882

Vom Osten ging es anschließend auf die Westseite des Bahnhofes, die man sofort an den Wolkenkratzern erkennen kann. Banken, Versicherungen, Hotels…Hier laufen alle in Anzug herum xD Neben den beeindruckenden Bauwerken, deren Höhe mich richtig erstaunt hat, steht dort auch das Hauptstädtische Rathaus von Tokio, welches immer noch der zweit höchste Wolkenkratzer der Stadt ist. Nicht nur die Architektur ist hier besonders (alles Granit), sondern kann man hier umsonst (!) in den 45. Stock fahren, um von dort aus Tokio von oben anzusehen. Ja der eine Fahrstuhl operiert sogar bis 23 Uhr, was dementsprechend auch einen Blick vom nächtlichen Tokio ermöglicht. Letzteres steht noch auf meiner To-Do-Liste, wobei ich mit meiner Kamera vermutlich eh keine besonders tollen Fotos machen werden kann.

P5226928

Auf jeden Fall ist schon die Fahrt im Fahrstuhl ein Erlebnis für sich, weil man selbstverständlich Druck auf den Ohren bekommt. Oben hat man ein ganzes Stockwerk für sich, wo man auch Souvenirs ersteigern oder in einem Restaurant speisen kann. Der Blick selbst ist vom Wetter abhängig, aber Tokyo Tower, den Tokyo Skytree, einen Teil vom Meiji Schrein und noch viel mehr konnte ich bereits sehen. Für den Fujisan hat es aber leider bisher nicht gereicht :-( Die Metropolregion Tokio aus einer Höhe von 202m zu sehen ist definitiv cool. Stadt so weit das Auge reicht :horror: Doch irgendwie war es (mal wieder) nicht so beeindruckend wie mein Besuch auf dem Nagoya TV Tower. Liegt vermutlich daran, dass das mein erster Blick auf eine derart große Stadt war? Vom Tokyo Skytree aus wird es dafür ganz sicherlich etwas völlig Anderes sein :P Warum? 450m statt “nur” 202m!

Wasserfall im Shinjuku Central Park

Wasserfall im Shinjuku Central Park

Hinter dem Rathaus befindet sich dann noch der Shinjuku Central Park, der aber zum Teil von Obdachlosen bewohnt wird und deswegen hatte ich da nicht so große Lust drauf…Ist aber natürlich kleiner als der Gyoen. Dafür entfällt der Eintrittspreis ;-)

Das gibt es hier also alles in Shinjuku, meinem neuen Zuhause. Eigentlich ziemlich schön: Auf der einen Seite ein total geschäftiger Bereich um den Bahnhof und auf der anderen einer der größten Parks Tokios. Die direkte Nachbarschaft meines Share Houses ist da wieder eine andere Geschichte, die ein anderes Mal Thema sein wird. Danke fürs Lesen und bis zum nächsten Eintrag!

Tobi aus Tokio

Tobi in Tokio

Ein doch nicht so kleiner Reisebericht:

Guten Tag, hallo und moin!

Da meine Reise von Hiroshima nach Tokio zumindest von der zurückgelegten Strecke her lang war, möchte ich dem Ganzen einen eigenen Eintrag widmen. Wir reden immerhin von 800km und bisher bin ich in Japan noch nicht so weit gereist.

Angefangen hat alles mit dem Shuttle des Hotels, der mich um 10 Uhr zum Nordeingang des Hauptbahnhofs brachte. Mit der Hilfe eines freundlichen Herren habe dann auch diesen gefunden. Da war eine Baustelle und irgendwie waren die Schilder nicht ganz eindeutig…Wie dem auch sei: Schön die jeweils mehr als 20kg wiegenden Koffer per Rolltreppe nach oben befördern, wo es dann 90 Minuten auf den Zug waren hieß. Zum Glück gab es gleich mehrere Wartebereiche mit Sitzmöglichkeiten :) So konnte ich auch einen Teil des Schülerstromes beobachten, der in Japan selbstverständlich per Bahn befördert wird. Wobei wir hier nicht von normalen Zügen reden, sondern von DEM Shinkansen. Das ist der Schnellzug, von dem der TGV in Frankreich und unser ICE abgeguckt sind ;-) Hier in Japan wurds erfunden und verbindet heute im Prinzip alle großen Städte. Dementsprechend teuer sind die Tickets zwar, aber 4 Stunden für 800km sind doch ganz ordentlich, meint ihr nicht auch? Neben einer geringen Anzahl unreservierter Plätze, ist der Großteil der 12 Waggons nur per Reservierung zu haben. Diese lässt sich an jedem Hauptbahnhof am entsprechen Schalter tätigen, wobei sogar Kreditkarten akzeptiert werden. Aber das nur am Rande :P Spätestens als mein Zug auf der Tafel erschien, ging es per Fahrstuhl zum Gleis, wo dann auch pünktlich der Shinkansen einfuhr.

Shinkansen in Aktion - Quelle

Shinkansen – Quelle

Das letzte Mal mit dem ICE muss in der 11. Klasse gewesen sein…Der Shinkansen ist auf jeden Fall ein völlig anderes Erlebnis: Zuerst das total futuristische Design. Ist das noch ein Zug oder hebt das ganze Gefährt gleich ab Richtung Sterne? Dann die große Beinfreiheit, zwischen manchen Sitzreihen ist extra Platz für große Gepäckstücke, Steckdosen für Ladegeräte und sowieso sitzen auf einer Seite 3 Personen und auf der anderen 2…Man kommt sich etwas wie im Flugzeug vor, auch wenn es solche Beinfreiheit nur in Business oder gar First Class geben dürfte. Dort gab es übrigens von einer fremden, älteren Dame einen Glücksbringer geschenkt. Warum nicht xD Als der Shinkansen dann losfuhr, merkte man richtig die Power, die dieses Fortbewegungsmittel hat. Man wird schon ein kleines bisschen in den Sitz gedrückt. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit bekam ich sogar Druck auf den Ohren, was ich ansonsten nur vom Fliegen oder von hohen Fahrstühlen kenne. Das war dann schon krass. Die Toilette könnte dabei auch 1:1 in ein Flugzeug passen. Von einem Bordrestaurant habe ich nichts gehört, wobei man das bei 4 Stunden Fahrt auch nicht unbedingt braucht. Es gab aber einen extra Raum für Raucher; ein Abteil für Raucher sucht man vergebens.

Was gab es während der Fahrt so zu sehen? Dank meinem Fensterplatz – der vermutlich ein klitzekleines bisschen teurer war – hatte ich freien Blick auf alles, an dem wir vorbei rauschten. Nach Hiroshima folgte vor allem Eines: Tunnel. Japan besteht eben fast nur aus Bergen und dann kann man sich irgendwie denken, dass man die überwinden muss. Ich war im ersten Moment trotzdem überrascht, weil so viele Tunnel müssen doch Unmengen an Geld verschlingen…Die gelegentlichen Lichtblicke boten kleine Dörfer bis mittlere Städte, wie ich sie schon teilweise während der Busfahrt von Kyoto nach Hiroshima gesehen hatte. Doch war das Wetter dieses Mal perfekt, sodass es schon ein anderer Ausblick war. Und so ging es dann weiter, bis eben die größeren Eben mit ihren Städten erreicht wurden. Tunnel, Dörfer, Großstadt und wieder von Vorne. Klingt ein wenig langweilig, aber das war es definitiv nicht! Denn ich habe mal eben das schönste Schloss Japans von Weitem gesehen :heart: Es wird immer noch renoviert und das äußere Baugerüst verschwindet nur langsam, weswegen ich nicht in Himeji (so heißt die Stadt und auch das Schloss) war. Ansonsten wäre ich natürlich dahin gefahren :yahoo: Himeji Jyo ist eben auch ein originales Schloss und keine bloßer Nachbau aus Beton…Ist im Grunde das Schloss Neuschwanstein von Japan, wenn man so will.

Anschließend folgte eine Reise in die Vergangenheit: Es ging durch Osaka, Kyoto und auch Nagoya, in denen ich meine bisherigen sieben Monate verbracht habe. Vor allem der Anblick Nagoya hat mich ein wenig gerührt, weil dort alles begann. Gifu konnte ich dabei ohne Probleme an den beiden Wolkenkratzern und dem Schlösschen auf dem Berg erkennen. Danach folgte also Neuland, was sich sowieso als nicht sonderlich interessant entpuppte. Erst kurz vor Tokio gab es noch ein richtiges Wow-Erlebnis: Direkt nach einem Tunnel hatte man den Fujisan vor Augen, der mit über 3000m höchste Berg Japans fasziniert seit jeher die Menschen und ist erst vor Kurzem zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt worden. Eine ganz klare Form, die weiße Haube aus Schnee…Der Anblick des Fujisan sucht definitiv seines Gleichen! Er ist dabei böser Natur: der Fuji Berg ist ein schlafender Vulkan, dessen Ausbruch – der vielleicht nie wieder vorkommt – verheerende Folgen hätte. Ganz so klein ist das Teil ja nicht und dementsprechend reichen die 100km Entfernung zu Tokio eventuell nicht aus…Aber daran wollen wir ja gar nicht erst denken :P Selbes “Problem” haben übrigens die Menschen in Neapel in Italien, nur dass sie dort sehr viel näher sind. Meinen ersten Blick auf den Fuji werde ich nie vergessen. Man kann ihn dabei auch manchmal von Tokio aus sehen; das Wetter muss nur gut genug sein. Bisher hatte ich kein Glück, aber ein guter und kostenloser Aussichtspunkt befindet sich gleich in der Nähe meines neuen Zuhauses, sodass ich ihn definitiv irgendwann sehen werde.

Spätestens als Yokohama immer näher kam und der Fujisan für einige Zeit aus dem Sichtfeld verschwunden war, wurde mir klar, dass die Stadt da draußen die Metropolregion Tokio sein musste. So hielt ich natürlich Ausschau nach mir bekannten Gebäuden und war auch erfolgreich! Irgendwie erinnere ich mich nur an den roten Tokyo Tower, doch ich meine, dass ich mehr als nur diesen erblickt hatte. Auf jeden Fall erreichte der Zug recht schnell die Endstation, die einfach auf den Namen “Tokyo” hört. Ich war jetzt also wirklich da, in Tokio, der Hauptstadt Japans, von der man so viel hört. Da hab ich mich gefreut, doch ja :yahoo: Dann ging es jedoch daran, zu meiner neuen Bleibe im Stadtteil Shinjuku zu gelangen, was sich durch die ganzen verschiedenen Bahnlinien als gar nicht so einfach herausgestellt hat. Geschafft habe ich es natürlich, nur musste man schon ein wenig suchen, was für mich etwas Neues war. Nach vielleicht 15 Minuten traf der Zug in Shinjuku ein, wo einem sofort bewusst wird, dass man in Tokio ist: So viele Menschen wie an diesem Bahnhof sieht man sonst nirgendwo auf der Welt. Anschließend per Wegbeschreibung zum Büro meines Vermieters, was zum Glück recht simpel zu finden war. Dort den Vertrag unterschrieben und die Schlüssel für Haus und Zimmer bekommen, wo es dann auch gleich per Taxi hinging. Hier in Tokio lebe ich in einem Share-House, aber dazu folgt noch ein eigener Eintrag. Ich habe hier sowieso schon den Rahmen gesprengt xD

Das war sie also, meine Reise von Hiroshima nach Tokio. An sich war sie überhaupt nicht anstrengend; es war nur mal wieder mein Gepäck, was mir Einiges abverlangt hat…Ich bin in einem Stück angekommen, so viel steht fest :P Ab jetzt dreht sich also alles im Tokio, was euch vermutlich ziemlich interessieren wird. Wir reden ja mal eben um eine “Stadt” in der 32 Millionen Menschen leben und da funktionieren manche Dinge sicherlich anders als anderswo. Danke fürs Lesen! Man sieht sich zum nächsten Eintrag :bye:

Euer
Tobii~

Danke Hiroshima!

Sieben beeindruckende Tage:

Hallo ihr :)

Heute folgt mein üblicher Rückblick, der sich dieses Mal mit Hiroshima beschäftigen wird. Dort habe ich ja eine Woche verbracht, wie ihr mitbekommen haben solltet :P

7 Tage Hiroshima…Sie gingen am Ende viel zu schnell um! Obwohl die Stadt mit einer Million Einwohnen nicht sonderlich groß ist und auch gar nicht soo viel zu bieten hat, bereue ich diesen “Umweg” kein Stück. Es wäre nämlich einfacher gewesen, direkt von Kyoto nach Tokyo zu fahren anstatt so weit nach Westen zu reisen. Zuerst der Friedenspark mit seiner Ruine, den Denkmälern und dem Museum…Wenn ich nur dran denke, werde ich schon wieder traurig. So verstört hat mich noch nie etwas :horror: Dann das zweite Highlight in Form von Miyajima, die Schreininsel südlich von Hiroshima, welche ausschließlich per Fähre zu erreichen ist. Während die meisten den Itsukushima Schrein mit seinem “schwimmenden” Torii am Besten finden dürften, habe ich den Daisho-in Tempel zu meinem Favoriten gemacht – und das von jemanden, der 3 Monate in Kyoto verbracht hat! Außerdem meine Klettertour auf den Misen Berg, auf dem ich so viel Tolles gesehen und erlebt habe. Aber auch die kleineren Sehenswürdigkeiten wie Schloss, Shukkeien Garten und der Blick in die Werkhalle von Mazda waren einzigartige Erlebnisse.

P5136186

Ehrlich gesagt hatte ich mich schon nach zwei Tagen gefragt, ob sieben Tage nicht zu viel sind…Friedenspark ein Tag, “Kleinigkeiten” ein Tag, Miyajima kann man auch an einem Tag schaffen und dann hätte man alles gesehen. Andererseits gab es zwei Regentage, an denen ich auf keinen Fall auf die Insel gefahren wäre. So habe ich ein wenig die Innenstadt erkundet und einfach mal in den Parks entspannt, was doch auch was für sich hat. Und nach dem Regen folgte dann wahres Sommerwetter, das mir einen schönen Sonnenbrand bescherte…Ich hab die Stärke der japanischen Sonne etwas unterschätzt…

Das Hotel war eines der selben Kette, in der ich auch in Nagoya einquartiert war. Rund um das Gebäude gab es zwar keine Restaurants, aber dafür am zu Fuß nur 10 Minuten entfernten Bahnhof. Apropos Essen: So gut habe ich Nagoya nicht gespeist! Aus meinem Zimmer konnte ich sogar auf den Eingang des Schlossparks blicken :heart: Mit dem japanischen Frühstück kam ich dieses Mal irgendwie total gut zurecht: Reis, Gemüse, Miso-Suppe, manchmal kleine Würstchen mit Ketchup oder gar etwas Omelettemäßiges. Auch die Essstäbchen bereiteten mir absolut keine Probleme mehr :P Das war in Nagoya noch eine ganz andere Geschichte…Allgemein habe ich mich also mittlerweile so richtig eingelebt.

Und ja…Was gibt es dazu noch viel zu sagen? Hiroshima war sehr toll und von den Aktivitäten her um Längen besser als Nagoya. Letzteres war aber die “Befreiung” von Gifu, weswegen diese Woche einen besonderen Stellenwert hatte. Jetzt kommen noch zwei Monate Tokyo, bevor es zurück nach Deutschland in mein kleines Nest an der Kieler Förde geht. Mal sehen, ob der Spruch “das Beste kommt zum Schluss” anwendbar ist oder ob die größte Metropolregion der Welt für einen Dorfbewohner wie mich zu dann doch zu groß ist. Wir werden es sehen ;-) An dieser Stelle ein weiteres Danke an alle, die meine Zeilen hier lesen!

Gez.
Tobii~

 

Der Misen Berg

Ein himmlisches Highlight!

Herzlich willkommen!

Wie im letzten Eintrag angedroht, bezwingen wir heute den Misen Berg, der mit seinen 535 Metern die anderen Gipfel von Miyajima überragt. Schon seit mehr als 1400 Jahren ist er ein beliebtes Ziel unter religiösen Menschen und bietet neben einer unbeschreiblichen Aussicht auch einige Tempel. Allerdings würde ich auch sagen, dass der Weg selbst das Ziel ist ;-) Schnallt euch euren Rucksack um, rein in die Bergstiefel und los.

Aufstieg

Der Ausblick vom ersten Rastplatz

Der Ausblick vom ersten Rastplatz

Es stehen drei verschiedene Wege zur Auswahl, die sich in Länge und Schwierigkeit unterscheiden: Der kürzeste ist der Momijidani-Pfad, der aber auch der steilste sein soll. Der Daisho-in-Pfad ist länger, bietet dafür die beste Aussicht. Zu guter Letzt der Omoto-Pfad, der der längste ist, aber dafür durch eine Art Urwald führt. Für den Weg nach oben wählte ich den Daisho-in-Pfad, der dem Namen entsprechend beim gleichnamigen Tempel beginnt. Eigentlich soll mal 90 Minuten brauchen, aber ich habe am Ende nur eine gute Stunde benötigt…Der Weg bietet wirklich einige schöne Blicke nach unten und vor allem auf den Itsukushima Schrein, wobei es wirklich nur ein paar Stellen sind. Immerhin geht es ein wenig an einem Fluss entlang, dessen Bett schon ziemlich cool war. Natürlich dürfen auch gelegentlich kleine Schreine nicht fehlen ;-) Die ganzen Treppenstufen waren aber nicht ohne…Bin da ganz schön ins Schwitzen gekommen xD Ich gehe ja nicht jeden Tag auf einen Berg hinauf! Schon mein Aufstieg war dermaßen schön, dass der Misen Berg, ohne wirklich die Aussicht und Gipfel gesehen haben, mein bisheriger “Lieblingsberg” wurde. Ok, ok…Außer das eine Mal in Gifu und das andere in Kyoto war ich immer sehr bodenständig. Aber das Erklimmen eines Berges – so niedrig er auch sein mag – ist in Japan immer ein schönes Erlebnis: Kaum andere Westler und alle Japaner grüßen einen. Es kam sogar zu einer richtigen Unterhaltung :yahoo:

Gipfel

P5176655

Oben angekommen gibt es gleich eine ganze Reihe von sehenswerten Stellen, die leider nicht alle auf dem selben Fleck zu finden sind. So muss man noch weitere Meter zurücklegen, wenn man alles sehen möchte. Für mich ging es zuerst zu einem kleinen Schrein, der quasi am Ende des Daisho-in-Pfades liegt. In drei identischen Bauten werden drei Göttinnen verehrt, die in Zusammenhang mit den Itsukushima Schrein stehen. Alleine ein rotes Torii mitten in der Wildnis vorzufinden hat mich schon verblüfft :wow: Während der Schrein selbst nicht sonderlich interessant ist, ist es die Aussicht, die man von dort hat: Wasser, ein paar grüne Inseln, das Festland, Schiffchen, Muschelfarmen…Trotz der grauen Suppe am Horizont hat mich dieser Anblick wirklich bewegt. Dagegen kann alles außer mein Besuch auf dem Nagoya TV Tower einpacken!

P5176681

Weiter zum zentralen Knotenpunkt vom Misen Berg, wo man einen Tempel mit mehreren Gebäuden vorfindet. In der kleinen Halle brennt eine Flamme seit mehr als 1200 Jahren!! Mit dieser wurde übrigens auch das Feuer im Friedenspark angefacht ;-)

P5176703

Dann der eigentlichen Gipfel, der von einem erst letztes Jahr errichteten Aussichtssturm gekrönt wird. Leider war er auch jetzt noch nicht fertig und so gab es keine Sitzplätze im Schatten…Hier hat man dann eine 360° Umsicht auf Hiroshima, Hatsukaichi (die Stadt vor Miyajima) und natürlich den Seto-Inlandsee – das Binnenmeer zwischen der Hauptinsel Honshu und der davor gelagerten Inseln Shikoku und Kyushu. Allerdings war hier der Blick teilweise von Bäumen verdeckt, sodass ich irgendwie den zweiten Aussichtspunkt besser fand.

P5176736

Dieser befindet sich direkt bei der Gipfelstation der Seilbahn, ist aber noch ein ganzes Stück vom Hauptplateau mit dem Tempel entfernt. Doch der Weg lohnt sich definitiv, weil dieser Aussichtspunkt etwas vorgelagerter ist und man so einen besseren Blick auf den Seto-Inlandsee hat. So etwas habe ich meinen 7 Monaten Japan noch nie gesehen! Unbedingt machen! Dort habe ich dann auch mein Mittagessen zu mir genommen und allgemein eine wirkliche Pause eingelegt, bevor es auf den Weg zurück nach unten ging, der natürlich wieder aus eigener Kraft getätigt wurde.

Abstieg

Als Route nach unten wählte ich den Omoto-Weg, weil gerade beim Abstieg ein steiler Pfad nicht ganz ohne ist. Er soll der Längste sein, was aber natürlich beim Heruntergehen nicht ganz so ins Gewicht fällt. Ich staunte auf jeden Fall nicht schlecht, wie unberührt der Pfad war. An manchen Stellen war ich mir nicht mehr zu 100% sicher, wo denn der Weg weitergeht. Kann an der fortgeschrittenen Zeit gelegen haben, aber insgesamt habe ich ganze 6 andere Leute getroffen, was nicht wirklich viel ist. Dafür wird man mit einer Atmosphäre wie in einem Urwald entschädigt, was wirklich atemberaubend war. Hier und da riesige Felsen, unter denen kleine religiöse Figuren inklusive Geldspenden auf die eifrigen Kletterer warten. Auch ein junges Reh kreuzte meinen Pfad! Das Beste waren die Geräusche, die man hörte, wenn man stehen bleibt: Ein stetiges Rascheln aus toten Blättern, das sich fast nach Regen anhörte…Auf einmal glaubte ich an all die Geschichten über Waldgötter xD So etwas habe ich nicht einmal auf dem Hieizan in Kyoto erlebt. Ganz am Ende stieß ich übrigens auf eine Tafel, auf der dann stand, dass der Omoto-Wald ein einzigartiges Biotop ist, in dem Bäume zu finden sind, die ansonsten nicht so nah am Meer wachsen. Das war wirklich unglaublich!! Dann ging es noch ein letztes Mal zum Torii vom Itsukushima Schrein, bevor ich mich erschöpft per Fähre und Straßenbahn in mein Hotelbett chauffieren ließ.

Das war also wieder ein Tag, den ich nie vergessen werde. Selbst fast eine Woche später – ja, der Eintrag kommt leider erst jetzt – habe ich das auf dem Misen Berg Erlebte noch sehr gut vor Augen. Danke fürs Lesen und auch für die Geduld!

Euer
Tobii~

Eine Insel mit nem Schrein

Miyajima:

Moin!

Dieser Eintrag dreht sich ganz und gar um eine Insel namens Miyajima (Schrein-Insel), die sich ein wenig südlich von Hiroshima befindet. Erreichen kann man sie daher auch nur per Fähre! Dafür gibt es genau hier eine der drei schönsten Aussichten Japans zu genießen. Außerdem darf der Status als UNESCO Weltkulturerbe auch nicht fehlen ;-) Also wenn das nicht für einen Ausflug dahin spricht, dann weiß ich auch nicht :P

Bevor man an Bord der Fähre geht, hat man die Wahl zwischen Straßenbahn oder Zug, um die entsprechenden Häfen zu erreichen. Man kann wohl sowohl vom Hafen von Hiroshima aus als auch direkt vor der Insel eben diese erreichen. Ich bin direkt bis vor die Insel gefahren, was per Straßenbahn mehr als eine Stunde in Anspruch nimmt…Immerhin ist es per Zug etwa doppelt so teuer. Man kann auch ein Tagesticket für Straßenbahn und Fähre für umgerechnet 6€ erhalten, was dann aber auch unbegrenzte Nutzung ermöglicht. Schon vom Festland aus erblickt man das Herzstück der Insel: Den Itsukushima Schrein.

Itsukushima Schrein

P5166348

Der Blick von der Fähre aus, die extra einen Schlenker deswegen macht

Vom Fähranleger etwa 15 Gehminuten entfernt, stößt man auf einen einzigartigen Schrein, den es in der Art nur ein einziges Mal auf der Welt geben wird. Während der höchste Berg der Insel schon seit dem 6. Jahrhundert verehrt wird, wurde der Itsukushima Schrein “erst” 1168 errichtet und trotzt seitdem Wetter sowie Gezeiten. Ihr müsst nämlich wissen, dass es hier einen nicht zu unterschätzenden Tidenhub gibt, der bei Ebbe sogar viele Flüsse fast austrocknen lässt. Darauf baut auch das Erlebnis des Schreines auf ;-) Dieser wurde nicht einfach am Strand oder in den Bergen gebaut, sondern mitten in eine Bucht. Wie Venedig stehen die Gebäude und verbindenden Stege auf Stelzen. Dazu die typische Architektur der Heian Periode: Rot (denkt an den Heian Jingu Schrein in Kyoto). Und wenn das noch nicht genug ist, steht das Torii am Eingang zur Bucht direkt im Meer. Das ist dabei kein kleines Törchen…16m hoch und mit zusätzlichen Stützbalken versehen, ist das Tor DAS Symbol von Miyajima. Man kann sogar an einer kurzen Bootsfahrt teilnehmen, während der man durch das Tor hindurch fährt.

P5166568

Das Torii bei noch nicht vollständiger Ebbe

Flut und Ebbe verändern dann vollkommen das Aussehen dieser berühmten Stätte: Bei Flut wird der Eindruck erweckt, dass Schrein und Tor regelrecht auf dem Wasser schweben. Wenn sich das Wasser zurückzieht, trocknet die Bucht zu vielleicht 80% aus und man kann zum Tor laufen! Dementsprechend sollte man die Zeitpunkte der Gezeiten im Blick haben, wenn man Miyajima aufsucht. Ich war mehr als 5 Stunden auf der Insel und konnte so den Schrein bei Flut und bei Ebbe genießen. Um den Schrein zu betreten, muss man übrigens 2€ zahlen. Zum Torii hinauslaufen kostet nichts – außer vielleicht durchnässter Schuhe, wenn man sich zu früh hinaus traut.

Ein Reh entspannt sich im Schatten

Ein Reh entspannt sich im Schatten

Dem Ruf der Insel entsprechend kommen viele Touristen dorthin, wobei man sich wie immer nur etwas von den Hauptattraktionen entfernen muss, um wieder seine Ruhe zu haben xD Auf Miyajima leben übrigens genau wie in Nara halbzahme Rehe, für die man hier allerdings keine Kekse erstehen kann. Ich wollte in ungefähr 30m Entfernung zu einem dieser Tiere ein Sandwich essen und es kam sofort an…Rehe betteln nicht, sie nehmen sichs einfach. Ich musste fast schon um meinem Mittagsimbiss kämpfen! Mehr als einen Teil der Verpackung gab es leider nicht für das Reh. Aber das Erlebnis hat mein Bild von diesen Tieren etwas relativiert :) Sooo toll finde ich sie jetzt nicht mehr…Selbst Schuld :P

Daisho-in Tempel

Der Itsukushima Schrein ist natürlich nicht die einzige Sehenswürdigkeit auf Miyajima; wäre ja auch langweilig. So befindet sich nördlich an einem Berghang der Daisho-in Tempel, der mich fast mehr beeindruckt hat als die eigentliche Hauptattraktion der Insel: Mehrere kleine Gebäude am Hang verteilt, viel Grün, kaum andere Touristen, einen netten Blick auf die Bucht mit dem Torii und total viele kleine Figuren. Dazu gibt es eine Art Höhle, in der weitere Statuen aufgereiht sind, wobei es bestimmt um die 50 Stück waren…Die gesamte Decke war dann mit kleinen Laternen aus Gold verhangen und das war wirklich beeindruckend. Ich habe sogar eine kleine Schlange auf dem Gelände gesehen. Eine SCHLANGE! Also zumindest in meiner Heimat Schleswig-Holstein habe ich noch nie ein solches Tier in freier Wildbahn gefunden…Irgendwie fand ich den Daisho-in Tempel auch total fotogen; so viele Bilder habe ich länger nicht an einem einzigen Ort geschossen. Das Ganze ist dabei völlig umsonst und ja…Dermaßen überrascht haben mich selbst in Kyoto nicht allzu viele Tempel bzw. Schreine. Am Ende erlebt man das Beste immer abseits der Touristen-Hotspots!

Senjokaku Halle

P5166538

Wieder zurück zum Itsukushima Schrein ging es hoch zur Senjokaku Halle, die auf einem kleinen Hügel über ersterem prangt. Nie fertiggestellt, kann man hier quasi eine religiöse Bauruine aus dem 16. Jahrhundert besichtigen. Davon gibt es sicherlich nicht so viele in Japan ;-) Aber vergesst bitte nicht wie ich die 100 Yen Eintritt zu bezahlen :unsure: Bis auf die Größe und eben die Unvollständigkeit, hat man wieder einen netten Blick auf die Umgebung. Hinter der Halle steht noch eine fünfstöckige, rote Pagode, vor der eine echt große Palme steht. Gibt ein schönes Motiv, wenn ihr mich fragt :kawaii:

Diese drei Sehenswürdigkeit sind so ziemlich die bekanntesten von Miyajima. Es gibt noch einige sehr viel kleinerer Schreine und Tempel, wie auch ein mini-Aquarium oder eine gut besuchte Einkaufsstraße, die aber ausschließlich Touri-Kram bereithält. Das Aquarium habe ich nicht besucht, weil ich den Eintritt mit 10€ etwas hoch fand. Die letzte, größere Sehenswürdigkeit ist wohl der höchste Berg der Insel, der auf den Namen Misen hört. Neben einer Seilbahn führen auch drei verschiedene Pfade zum Gipfel. Genau dort ging es am Tag danach hinauf ;-) Selbstverständlich aus eigener Kraft! Ihr dürft gespannt sein :)

Das war also Miyajima, die zweite große Attraktion von Hiroshima. Den Itsukushima Schrein fand ich schon irgendwie wunderschön, aber so sehr hat er mich jetzt nicht beeindruckt. Liegt es an meiner Vorliebe für stille Tempel mit viel Grün? Vermutlich. Nichtsdestotrotz bin ich froh darüber, jetzt behaupten zu können, dass ich auf Miyajima war und auch zum Torii gelaufen bin. Danke fürs Lesen und bis zur Klettertour!

Tobii~

Autos, Garten & Schloss

Alle guten Dinge sind drei:

Hallöchen ihr alle :bye:

Dieser Eintrag ist gleich drei Sehenswürdigkeit gewidmet, die man alle locker an einem Tag schaffen kann. Morgens ging es zur Mazda Motor Corporation, die hier in Hiroshima gegründet wurde. Der Besuch war ohne jegliche Kosten, aber mit einer vorherigen Anmeldung verbunden. Ich wusste übrigens vorher gar nicht, dass Mazda aus Hiroshima kommt :unsure: Danach ging es in den Shukkeien Garten, der von meinem Hotel aus nur einen Katzensprung entfernt ist. Zum Schluss folgte das mittelgroße Schloss, welches eine ähnlich tragische Geschichte wie das von Nagoya aufweist. Das sind aber alles “nur” kleinere Attraktionen. Die zweite große nach dem Friedenspark kommt erst bei gutem Wetter; ihr dürft aber mehr als gespannt sein ;-) “Einer der drei berühmtesten Anblicke Japans” und so :kawaii:

Mazda Hauptsitz

Vom Hauptbahnhof aus muss man bereits an der zweiten Station aussteigen, um den Hauptsitz von Mazda zu erreichen. In Japan wird übrigens oft “Matsuda” statt Mazda geschrieben :wacko: Zuerst wunderte ich mich, wo ich hier gelandet bin…Ruinen von abgerissenen Häusern, kaputte Straßen, der Bahnhof war auch nicht mehr so ganz in Schuss…Hier soll der Hauptsitz eines renommierten Autoherrstellers sein? Naja, gut…Und tatsächlich: An einem modernen Hochhaus prangte der gesuchte Schriftzug! Drinnen findet man eine kleine Rezeption, die aktuellen Modelle zum Ansehen und auch Anfassen sowie ein Café. Von einer gut Englisch-sprechenden Dame bekam man dann eine Art Besucherausweis und um 10 Uhr ging es dann auch schon los. Ich staunte nicht schlecht, als der Bus, der vor der Haustür bereit stand, auf das benachbarte Industriegelände fuhr…Direkt neben dem Bürogebäude findet sich nämlich gleich ein Werk von Mazda, was mir so nicht bewusst war xD Das Gelände ist dabei riesig; bis zum Museum braucht es gute 10 Minuten! Insgesamt ist der Komplex 7 km lang und hat mal eben sowohl eine der größten Brücken in Privatbesitz (so 30m hoch und 100m lang) als auch einen eigenen Hafen, in dem die Autos direkt verschifft werden. Was gut anfing, ging leider nicht so gut weiter…In der Lobby, in der wieder die aktuellen Modelle ausgestellt sind, wurde uns ein längerer Film über Mazda gezeigt, der meiner Meinung nach eher ein Werbefilm als eine objektive Dokumentation war. Der größte Stern am Autohimmel ist Mazda sicherlich nicht, aber so nötig sollten die es nicht haben, dass sogar die Dame, die uns begleitete, sagte, dass unser nächstes Auto hoffentlich ein Mazda wird…Dann bemerkte ich Schlaumeier auch noch, dass ich zwar meine Kamera eingepackt hatte, jedoch der Akku noch im Hotel war. Schade :cry: Im 1. Geschoss war das eigentlich Museum, welches in mehrere Themengebiete gegliedert war: Zuerst historische Autos, dann der Wankelmotor, der in jedem Mazda steckt (bei Interesse helfen Google oder Wikipedia ;-) Ich kenne mich damit auch nicht aus B-) ), ein wenig der Prozess des Autobaues und zu guter Letzt ein Blick in die Zukunft. Von der Größe her absolut kein Vergleich mit dem Toyota Automobile Museum in Nagoya. Trotzdem gab es einige sehr interessante Modelle, die man gerade in Europa fast nie zu gesehen bekommen wird. Das Problem war der sehr enge Zeitplan…Für die historischen Karossen waren 5 Minuten vorgesehen…Das war ziemlich schade, aber eine Kamera ohne Akku macht sowieso keine Fotos :P Zwischen dem Raum mit dem Motoren und dem über den Fertigungsprozess gab es dabei einen Abstecher in die eigentliche Fertigungshalle. War mein erstes Mal und dementsprechend interessant, mal so etwas zu sehen. Leider konnte man auch wirklich nur einen Teil vom abschließenden Zusammenbau am Fließband sehen und weder das Schweißen durch Roboter noch das Lackieren oder das Bauen der Motoren. Alles in allem hat die 90-minütige Führung ein wenig meinen Horizont erweitert, doch an sich müsste sie mindestens 2 Stunden gehen. Da entschädigt auch kein kostenloser Schlüsselanhänger…Im Internet gab es übrigens auch Fotos von futuristischen Prototypen, die angeblich im Museum zu besichtigen seien. Am Ende gab es nur ein Elektroauto und zwei Wasserstoffautos…Dennoch wurde meine Liebe zu Mazda RX-7 und RX-8 nicht im Geringsten beeinträchtigt :P

Shukkeien

P5146258

Wieder zurück zum Hauptbahnhof und sogar noch fast bis zum Hotel. Vielleicht 5 Minuten Richtung Nordwest findet man diesen größeren Garten, für dessen Eintritt man umgerechnet 2€ zahlen muss. Schon seit 1620 gibt es an der Stelle einen Garten, doch durch die Nähe zum Abwurfort der Atombombe ist 1945 nicht viel übrig geblieben. Das macht das Ganze aber nicht weniger schön: Der Teich in der Mitte, um den mehrere Pfade herum führen. Auch gibt es mehrere Teehäuser, die an dem Tag aber nicht offen hatten. Leider schwankte das Wetter zum Ende hin um; blauer statt grauer Himmel wertet einen Besuch bestimmt auf =) Wenn man viele Fotos macht, sich mal länger an eine Stelle setzt und jede Ecke erkundet, kann man bis zu einer Stunde hier verbringen. Trotzdem muss ich sagen, dass es schönere Gärten gibt…Gegen einen Besuch spricht allerdings nichts.

Hiroshima Jyo

P5146307

Weiter nach Westen und dann direkt nördlich vom A-Bomb Dome liegt das Schloss von Hiroshima, welches man sogar von meinem Hotel aus sehen kann! Wie in Osaka ist das Gelände rund um die Anlage durch einen Wassergraben abgegrenzt, auch wenn alles in einem kleineren Maßstab vorliegt. Der “Schlosspark” bietet bis auf Ruinen nichts Besonderes. Aber da wären wir schon beim Thema: Inwiefern ist die Geschichte vom Schloss tragisch? 1589 errichtet und seitdem das Zentrum vom wachsenden Hiroshima gewesen, überdauerte zumindest der Hauptturm all die Jahre bis in die Neuzeit. Mit der Stationierung der zweiten Generalarmee Japans wurde das Schlossgelände zu einer Art Militärbasis, wo neben Bunkeranlagen und einer Kommandozentrale auch Übungen durchgeführt wurden. Erstere sind dabei noch heute sichtbar; aus ihnen soll auch die Nachricht von der Atombombe weitergegeben worden sein. Von der Kommandozentrale kann man nur die Grundmauern sehen. Außerdem soll sich in einem temporären Gebäude sogar für mehrere Monate der Kaiser aufgehalten haben. Was ist 1945 mit dem Schloss passiert, welches dort seit mehr als 300 Jahren stand? Die Druckwelle hat es einfach so einstürzen lassen…Immerhin ist kein Feuer ausgebrochen…Da weiß man wie im Fall von Nagoya nicht, was man sagen soll…Es gibt heute nur noch dermaßen wenige Schlösser in Originalzustand und zwei von mir besuchte wurden in den letzten Tagen des Krieges zerstört…Jedenfalls ist die Architektur total anders: Dunkle Holzverkleidung, wenig Gold und auch kein “grünes” Dach. Also ich finde, dass Hiroshima Jyo schöner als die Schlösser von Nagoya und Osaka ist :heart: Innen findet sich wieder ein Museum, das natürlich die Geschichte von Hiroshima beleuchtet – inklusive Katanas und Samurairüstungen. Die Aussicht von oben ist nicht ganz so beeindruckend, aber immerhin kann man den Genbaku Dome sehen. Für 2,60€ will ich nicht meckern ;-)

P5146311

Der Haupteingang zum Schlosspark wurde übrigens vor einigen Jahren rekonstruiert und ist in meinen Augen ebenfalls einen Blick wert. Es regnete dabei die ganze Zeit und das Fotografieren mit Regenschirm in der anderen Hand will gelernt sein xD

Danke fürs Lesen und joa…Das waren also drei nicht so berühmte Sehenswürdigkeiten Hiroshimas, die ich aber nicht auslassen würde. Vor allem das Schloss sollte man sich mal aus nächster Nähe ansehen :good:

LG
Tobii~

Ein Tag des Gedenkens

Hiroshimas Erbe:

Guten Tag an alle da Draußen!

Heute komme ich endlich auf Hiroshima zu sprechen, obwohl ich erst schlappe 3 Tage hier bin. Ich musste noch wichtige Einträge zu Kyoto verfassen und gestern war ich zu müde xD So wie das halt ist…Dann können wir schon anfangen, meint ihr nicht? Wird auf jeden Fall länger heute :P

8 Stunden Busfahrt

Von Kyoto aus ging es per Bus nach Hiroshima, was einfach mal so 8 Stunden braucht. Dafür zahlt man nur ein Drittel von dem, was man per Shinkansen auf den Tisch legen müsste. Außerdem sieht man so etwas mehr von Japan :kawaii: War mein erstes Mal mit diesem Unternehmen, aber hat alles geklappt und der Bus war pünktlich. Die Sitze waren vielleicht nicht so super bequem und auch die Beinfreiheit war gerade in meinem Fall etwas eingeschränkt. Ich darf aber nicht verschweigen, dass dieser Anbieter der billigste ist ;-) Wirklich meckern tue ich deswegen nicht! Gefühlt jede Stunde gab es dann 20 Minuten Pause, was ein wenig viel war. So scheint man es in Japan aber zu handhaben…Es sollte an dem Tag übrigens regnen, was es dann auch getan hat. Aber erst, als der Bus schon in den Bergen westliche von Osaka war. Leider hörte das Schmuddelwetter die gesamte Fahrt über nicht auf. Dafür sah man des Öfteren, wie die Wolken die Spitzen der grünen Berge verschleierten. Also ich mag den Anblick :heart: Allgemein war es eher eine Schlaffahrt xD Fast alle am Dösen…Hiroshima liegt dabei mehr so am westlichen Ende der Hauptinsel.

Als ich dann um 18:35 Uhr ankam, war es natürlich schon dunkel. Dazu die tief hängenden Wolken…Kein guter erster Eindruck :-( Ansonsten schwirrte mir im Kopf herum, wie klein das Areal rund um den Bahnhof war. Es leben zwar mehr als eine Million Menschen in Hiroshima, aber irgendwie ist der Bahnhof kaum größer als der von Kiel mit einem Drittel der Einwohnerzahl…Auf jeden Fall finde ich es total lustig, dass ich solche Gedanken habe. Immerhin komme ich aus so einem kleinen Nest und ja…Ich war wohl zu lange in Kyoto, dessen Bahnhof wirklich riesig ist. Ich weiß auch nicht…Es war zumindest nicht möglich, die Koffer trocken zum Hotel zu befördern. Ist aber nichts passiert :)

Park des Friedens

P5136230

Noch am selben Abend hörte der Regen auf, sodass der nächste Tag sogar richtig sommerlich war. Und wo geht man an seinem ersten Tag in Hiroshima hin? Richtig! Zum Park des Friedens, der neben dem weltberühmten Dom noch andere Denkmäler sowie ein Museum enthält. Hier in Hiroshima fahren noch immer Straßenbahnen, die eigentlich alle vom Hauptbahnhof ausgehend die ganze Stadt durchziehen. So darf selbstverständlich auch direkt vor dem Friedenspark eine Haltestelle nicht fehlen ;-) Und ja, dann ging es halt los…Ein ernster Tag, den ich vermutlich nie vergessen werde. Vermutlich jeder weiß über Hiroshima Bescheid und viele haben bestimmt auch schon ein Bild von der Ruine gesehen. Es ist wirklich etwas völlig Anderes, wenn man dann plötzlich direkt vor diesem Gebäude steht, dass vor annähernd 70 Jahren durch die erste jemals auf Menschen abgeworfene Atombombe zerstört wurde. Von Deutschland aus ist das eben am anderen Ende der Welt…Schwer zu beschreiben, was einem dann so durch den Kopf geht. Das heute als Genbaku oder A-Bomb Dome bekannte Gebäude wurde 1915 fertiggestellt und war so ziemlich das einzige, was so nah am Explosionszentrum noch stand. Es war anfangs nicht klar, ob es nicht doch abgerissen werden sollte. Mittlerweile ist der Dom sogar ein UNESCO-Weltkulturerbe. Ein wenig östlich in einer Seitenstraße findet sich übrigens eine Plakette, die den vermutlichen Abwurfort der Bombe markiert. Schon gruselig genau da zu stehen, wo vor 70 Jahren ein paar Hundert Meter in der Luft eine Atombombe explodiert ist, die bis Dezember 1945 140.000 Opfer forderte.

P5136215

Neben dem Dom gibt es im Park des Friedens noch viel mehr zu sehen; allgemein ist dem Gedenken an dieses schreckliche Ereignis eine sehr große Fläche gewidmet. Was kann man also außerdem besichtigen? Die sogenannte Hiroshima National Peace Memorial Hall, die den Opfern der Bomben auf Hiroshima und Nagasaki gleichermaßen gewidmet ist. Im Inneren kann man ein Panorama der zerstörten Stadt sehen, das aus der gleichen Anzahl Fliesen besteht, wie es Opfer in Hiroshima gab. Man kann auch durch ein digitales Archiv der Opfer stöbern oder sich drei kurze Geschichten in Form eines Filmes unter die Haut gehen lassen.

P5136194

Dann das Friedensmonument der Kinder, das auf die traurige Geschichte von Sasaki Sadako zurückgeht. Die Strahlung der Bombe abbekommen und erkrankt, faltete dieses kleine Mädchen Origami-Kraniche, weil sie glaubte, wenn sie 1000 Stück hätte, würde sie wieder gesund werden. Das Schicksal war nicht mit ihr und sie verstarb vor Erreichen der 1000 Kraniche. Irgendwie fingen dann Schulen in Hiroshima an, auch Kraniche zu falten. Mit der Zeit breitete sich dieses Phänomen auf ganz Japan, ja sogar die ganze Welt aus. So findet man immer wieder Origami-Kraniche in Hiroshima, die stellvertretend für Sadako allen Kindern gewidmet sind. Im Friedenspark gibt es eben ein eigenes Denkmal für diesen Zweck und dementsprechend viele Origami-Kraniche kann man dort sehen. Während meines Besuches hielt eine Schulklasse gerade eine solche Zeremonie ab und sang dann sogar ein Lied. Das hat mich irgendwie ziemlich gerührt… Origami mit Gesang für den Weltfrieden.

P5136189

Ähnlich funktioniert die die Friedensglocke, deren Klang Frieden auf Erden bringen soll. Diese kann – wie auch in manchen Tempeln bzw. Schreinen – von jedem geschlagen werden. Ich habe darauf jedoch verzichtet.

P5136210

Auf dem Weg zum Friedensgedächtnismuseum finden sich zu guter Letzt der/ das (?) Cenotaph sowie die Friedensflamme. Diese sind dabei in einer Linie zum Genbaku Dome ausgerichtet, sodass man eben durch den Cenotaph hindurch die Flamme und auch die Ruine sehen kann. Das finde ich ziemlich cool. Die Friedensflamme brennt durchgehend seit 1964 und wird erst gelöscht, wenn alle Atomwaffen vom Angesicht der Erde verschwunden sind. Dagegen kann der Cenotaph als die zentrale Gedenkstätte angesehen werden, weil genau davor jedes Jahr am 6. August (dem Jahrestag der Bombe) eine Zeremonie stattfindet, die mittlerweile 50.000 Menschen anzieht. Mit dem Schriftzug “Rest in Peace, for the error shall not be repeated” versehen, enthält diese Betonkonstruktion die Namen aller Opfer der Atombombe.

Friedensgedächtnismuseum Hiroshima

P5136205

Am südlichen Ende des Friedenspark befindet sich schließlich Friedensgedächtnismuseum, in dem im Prinzip Hiroshimas komplette Geschichte erzählt wird – inklusive der Atombombe versteht sich. Der Eintritt ist mit 50 Yen nur symbolisch, was ich total genial finde. Ein wenig versteckt gibt es im Erdgeschoss auch eine Uhr, die die Tage seit dem Fall der Bombe und seit dem letzten Atombombentest zählt. Wie so oft besteht die Möglichkeit, sich einen Audioguide auszuleihen und wie immer habe ich dieses nicht getan. Irgendwie bin ich der Meinung, dass die Ausstellungsstücke für sich ausreichen müssen, um die wichtigen Informationen zu übermitteln. Man erfährt also, was Hiroshimas Bedeutung vor und während des Krieges war und warum gerade hier die erste Atombombe benutzt wurde. Es steht geschrieben, dass die Zweite Generalarmee inklusive 40.000 Soldaten in Hiroshima stationiert war und dass die Amerikaner Japan so schnell wie möglich zur Kapitulation zwingen wollten, weil die UDSSR kurz vor Kriegseintritt stand. Über den ethischen Aspekt möchte ich mich an der Stelle aber nicht auslassen…Auch eine Nachbildung des Genbaku Doms ist vorhanden. Diese wird dabei von 600 Briefen verziert. Hö? Briefe? Seit Jahrzehnten schreibt der amtierende Bürgermeister Hiroshimas einen Brief an das Staatsoberhaupt, in dessen Land ein Atomwaffentest stattfand. Dort steht dann immer etwas in der Art von “Bitte stoppen Sie die Entwicklung von Atomwaffen. Wir in Hiroshima stehen in der Pflicht, eine Wiederholung unserer Erlebnisse zu verhindern”. Das Ganze natürlich sehr höflich. Ich glaube, dass viele diese Briefe gar nicht richtig wahrgenommen haben. Also ich finde das einfach total bewundernswert: Atomwaffentest in den USA und der Bürgermeister von Hiroshima schreibt einen Brief an Obama. Es gab auch Exemplare an Kim-Jong Un und vieele andere. Natürlich bringen die Briefe nichts, aber das macht das Ganze nur noch bewundernswerter, wie ich finde.

Ansonsten wird eben auf die Folgen der Atombombe auf die Stadt und die Menschen eingegangen, wobei es auch originale Ausstellungsstücke zu sehen gibt. Manche davon sind ein wenig verstörend…Und das kommt von mir, den eigentlich so schnell nichts aus der Bahn wirft. U.a. ein schwarzer Fleck auf einer Treppe. Ein in den Stein gebrannter Schatten eines Menschen, der dort am 6. August 1945 um 8:15 Uhr wartete. Oder ein total verkohlter Inhalt einer Bentobox. Oder nach innen gebogene Fensterläden aus Metall. Oder eine Kristallvase, die in Stein verwandelt wurde. Oder ein von schwarzem Regen verunstaltetes Hemd. Oder. Oder. Oder…

Das ist also ungefähr das, was einem hier in Hiroshima erwartet. Mich hat das, was ich hier gesehen habe, ein Stück verändert. “Davor” war mit die unglaubliche Zerstörungskraft der Atomwaffen zwar bewusst, aber erst der Kontakt mit wirklichen Opfern hat einem den Schrecken, der von diesen übermächtigen Dingen ausgeht, vor Augen geführt. Gegen Atomenergie bin ich nicht, aber Atomwaffen gehören nicht in die Hände von uns Menschen…Die Möglichkeit, so viele Menschen innerhalb eines Lichtblitzes auf einmal umbringen zu können…Dann die unfassbaren Folgen für die, die das Unglück haben, nicht sofort gestorben zu sein…Krebs, die ganzen Verbrennungen…Nie wieder sollte dieses auch nur irgendwo auf der Welt passieren.

Es waren übrigens richtig viele Schulklassen im Friedenspark unterwegs; von Grundschule bis Hochschule war alles dabei. Mit einem Besuch in einem KZ kann man das nicht vergleichen, weil in Hiroshima den Japanern etwas angetan wurde und in den KZs haben wir Deutschen anderen etwas angetan. Ich weiß natürlich auch nicht, was in den Geschichtsbüchern der Schulen geschrieben steht…Ansonsten würde ich diese Ausflüge als mehr als löblich bezeichnen.

Allgemein ist es aber ein wenig paradox: Während hier in Hiroshima überall Frieden angepriesen wird, hat es Japan in den bald 70 Jahren seit Kriegsende weder geschafft, sich vor allem bei China und Korea zu entschuldigen, noch offiziell den Krieg mit Russland zu beenden. Förmlich gibt es immer noch nur einen Waffenstillstand. Dann die Verehrung von Kriegsverbrechern im Yasukuni Schrein, die Diskussion um die Änderung eines Artikels der Verfassung, der Japan davon abhält, Angriffskriege zu führen, oder vor nicht allzu langer Zeit die Aussage, dass man in Japan nie den Kniefall von Willy Brandt nachahmen wird…Auf diese Weise macht man keinen Frieden, lieber Herr Shinzo Abe. Aber das nur am Rande.

Danke fürs Lesen meines kleinen Romans. Ist wirklich lang geworden, aber ich denke, dass es dieses Thema mehr als verdient hat. Man sieht sich zum nächsten Eintrag ;-)

Tobii~