Monthly Archives: January 2014

Im Aquarium

Orcas, Delphine & mehr!

Willkommen zu einer weiteren Episode von “Tobias in Nagoya”!

Heute begeben wir uns in das Port of Nagoya Public Aquarium, welches eines der größeren und besseren von Japan sein soll. Alleine das Hauptbecken fasst 13.400 Tonnen Wasser. Zusätzlich verfügt es über ein 116 m² großes Fenster, durch das man die Tiere auch unter Wasser beobachten kann. In dem Flyer steht dabei geschrieben, dass man insgesamt 500 Arten bestaunen kann. Nachgezählt habe ich jetzt nicht :patrick: Geplant war übrigens ein Besuch in einem der wichtigsten Shinto-Schreine Japans, sowie das Aufsuchen eines eindrucksvollen buddhistischem Tempel. Das Wetter machte diesen Plan aber zunichte, weshalb dann etwas im Trockenen gemacht werden musste. Noch gibt es ja genug auf meiner Liste xD

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Die Orcas – immer in Bewegung

Wie man schon am Namen des Aquariums ablesen kann, befindet es sich am Hafen. Per U-Bahn sind es trotzdem nur 15 Minuten! Für den Eintritt muss man umgerechnet 14€ auf den Tisch legen. Dafür bekommt man meiner Meinung nach einiges geboten. Die allerersten Becken sind – wie im Bahnmuseum – die Highlights: Auf der Rechten die Orcas und im Prinzip direkt vor einem die Delphine. Liegt natürlich auch irgendwie an der Architektur der Gebäude, aber es wäre doch wünschenswert, wenn das Beste erst am Schluss käme. So freut man sich die ganze Zeit über auf den Höhepunkt und dann wird die Stimmung allgemein etwas positiver. Im ersten Moment ist es wirklich beeindruckend, lebendige Wale zu sehen. Riesen der Tiefsee :heart: Aber mit der Zeit fragte ich mich, ob das Leben in dieser Art von Gefangenschaft so schön für die Tiere ist. Besonders viel Platz zum Schwimmen ist natürlich nicht vorhanden und auch sonst sah das Becken etwas trostlos aus. Dazu war es nicht einmal verboten mit Blitzlicht zu fotografieren…Selbst wenn die Tiere schon in Gefangenschaft zur Welt gekommen sind und dadurch gar kein anderes Leben kennen, hat mich das schon ein wenig nachdenklich gestimmt. Wale sind immerhin Säugetiere genauso wie wir Menschen. In der Regel bin ich dabei niemand, der sich für Tierschutz oder ähnlich “grüne” Angelegenheiten einsetzt. Wie auch immer :wut: Hier in Nagoya kann man übrigens vier Orcas bestaunen; ein Männchen, zwei verschwisterte Weibchen und ein Junges. In einem abgetrennten Becken gibt es übrigens sogar Belugas! Dort was es allerdings so dunkel, dass fotografieren unmöglich war.

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Für das Bild hat er/ sie extra stillgehalten!

Die zahlreichen Delphine haben es wohl einen Tick besser als die Wale, einfach weil sie kleiner sind. Beide werden außerdem abgerichtet, bestimmte Kunststücke vorzuführen. Extra dafür gibt es im 2. Stock eine Tribüne, die Platz für 3000 Menschen bietet. Die Show(s) kosten keinen Yen extra ;-) Anstatt auf das Beibringen von nicht arttypischem Verhalten einzugehen, erwähne ich lieber, dass es ziemlich leer war. Ok, ich war unter der Woche und dazu schon vormittags da. Dazu der Regen…So ist die Leere wohl doch nicht verwunderlich. Es waren zumindest sowohl Familien als auch Paare im Aquarium anzutreffen, wobei “Familie” oftmals nur Frau mit Kind bedeutet. Der Vater musste bestimmt arbeiten B-)

Der Schwarm Sardinen

Der Schwarm Sardinen

Selbstverständlich bietet das Aquarium noch sehr viel mehr: Zwei Seerobben, ein großer Bereich für Pinguine – die hatten sogar Eis! – und ein weiteres größeres Becken, wo unter anderem Haie, Thunfische und ein ganzer Schwarm Sardinen umher schwammen. Die Fütterung letzterer wurde zwar künstlich inszeniert, damit die Fische extra größere Bögen schwimmen, aber das Ganze dann noch mit stimmungsvoller Musik untermalt und man hat ein echtes Highlight. Des Weiteren kann man von Clownfischen, über Schildkröten bis hin zu Tiefseekrabben mit extrem langen Beinen sehr viel bestaunen. Manche Tiere hatte ich in meinem Leben noch nie gesehen! Es gibt zusätzlich ein großes Kino, wo entweder eine Dokumentation oder ein Animationsfilm gezeigt wird. Ich hatte mir die Dokumentation angeschaut, was trotz fehlenden englischen Untertiteln eine schönes Erlebnis war. Ein Bereich extra für Kinder darf auch hier nicht fehlen. Ein klein wenig Input in Form von Skeletten mit – mal wieder leider nur – japanischen Informationsschildern gehört natürlich genauso zur Ausstattung. Wenn man diese dann nicht lesen kann und sich nur aufs Angucken der Tiere beschränken muss, gibt es gar nicht mehr soo viel zu sehen. Das mag man der Länge dieses Eintrages wohl nicht abnehmen, aber ich hätte schon nach etwa drei Stunden das Aquarium verlassen können. Das hätte ich dann allerdings schade gefunden, sodass ich noch so einige Minuten vor dem größten Becken saß. Außer dem Aquarium selbst gibt es dort noch ein ausgemustertes Expeditionsschiff, welches die Antarktis erforscht hatte, sowie ein Schifffahrtsmuseum. Auf beide Museen hatte ich leider bei dem Wetter nicht so wirklich Lust und so ging es zurück ins Hotel!

Ich hoffe, dass auch dieser Eintrag interessant war. So viele Aufzählungen und dann soll man immer wieder andere Worte finden :aah:

Bis Morgen wieder!
Tobii~

Und zum letzten Male verweise ich an dieser Stelle auf den Fotostream, weil ich einfach zu viele Bilder mache, um alles im Eintrag selbst unterzubringen :yahoo:

Shinkansen und Freunde

Bahnfieber in Nagoya:

Töff töff töff, hier kommt die Eisenbahn :wacko:

Genauer gesagt bin ich zu der Eisenbahn gekommen, aber was solls. Ich war im sogenannten SCMAGLEV and Railway Park der Japan Railways. Man erreicht ihn mit einer Bahnlinie, die nur zwischen dem Hauptbahnhof und dem Museum pendelt.

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Bevor ich auf auf das Museum direkt eingehe, ein klein wenig über die Eisenbahn in Japan: Züge sind in Japan für viele Leute richtig cool. Das ist in Deutschland sicherlich auch der Fall, aber hier ist die Beziehung zu den Stahlrössern etwas Besonderes. Ich vermute einfach mal, dass es an der im Vergleich zum Rest der Welt späten Einführung mit fast 40 Jahren später als in Deutschland liegt. Schuld daran trägt das Tokugawa-Shogunat, welches Japan gegen fremde Einflüsse komplett abschottete. Aber das – wie gesagt – nur am Rande ;-) Auf ins Museum: Für 7€ darf man in diese noch immer sehr neue Halle einen Blick werfen. Für weitere 500 Yen kann man auch einen Audio Guide benutzen, worauf ich aber verzichtet habe. Das Erste, was man sieht, sind drei Züge, die zu ihrer Zeit die schnellsten waren. Diese werden in einem Raum mit schwarzen Wänden richtig in Szene gesetzt, sodass man wirklich staunen muss. Namentlich hat man die schnellste dampfgetriebene Schmalspurbahn, einen Shinkansen-Prototypen und den Maglev, der japanische Transrapid, welcher über 500km/h erreicht.

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Die Hauptattraktion stellt die Haupthalle mit ihren größtenteils begehbaren Zügen und Waggons dar. Von in den 1920er Jahren aus den USA und England importieren Modellen über den ersten Shinkansen bis hin zum aktuellen Modell ist in Nagoya ein Großteil der japanischen Eisenbahngeschichte versammelt. Wie ich jetzt erst gelesen habe, ist das aktuelle Shinkansenmodell erst seit Anfang Januar dort zu finden! Glück für mich, wobei die Station der Bahnlinie zum Museum gegenüber vom Shinkansen-Gleis ist. Natürlich fuhren dann auch mehrere Züge vorbei =) Wie ich feststellen musste, haben sich Passagierwagen für den Pendlerverkehr in den letzten gut 100 Jahren kaum verändert: Sitzbänke längs der Schienen, Gepäckablagen darüber und in der Mitte dann Stehplätze. Besonders interessant waren die Bordrestaurants der Shinkansen und ein historischer Passagierwaggon, in den eine Dampfmaschine integriert ist.

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Neben den Legenden auf Schienen bietet das Museum noch eine für japanische Verhältnisse große Modelleisenbahn. Wer das Miniatur-Wunderland in Hamburg kennt, wird aber enttäuscht werden. Die Modelle der Tempel und Schreine sind das einzige Highlight. Für eine weitere Gebühr und mit ein wenig Glück – man würde per Losverfahren gezogen werden – besteht die Möglichkeit Bahnsimulatoren ausprobieren. Keine Ahnung, ob man davon überhaupt etwas ohne tiefgründige Japanischkenntnise hätte. Zumindest der Herr am Einfang sprach ein paar Worte Englisch…Im zweiten Stock befinden sich vor allem Anlagen, die an Kinder gerichtet sind. Ein Raum beinhaltet eine Abhandlung der Eisenbahngeschichte Japans von den ersten Dampfloks der Westler Anfang der Meiji-Era bis hin zum Shinkansen ist alles aufgelistet. Nur die Überschriften waren zusätzlich auf Englisch, sodass ich davon nicht allzu viel hatte. Immerhin kann ich sagen, dass unser ICE erwähnt wurde! Außerdem beherbergt das Museum den ältesten Bus Japans, welcher von der Bahngesellschaft in Dienst gestellt wurde.

Insgesamt war der “SCMAGLEV and Railway Park” schon einen Besuch wert, jedoch wirklich vom Hocker gehauen hat mich das Museum nicht. Mit englischem Audio-Guide hätte ich auf jeden Fall etwas mehr Input gehabt. Aber zugegebenermaßen bin ich auch nicht so der Eisenbahnfan. Für den Preis und anhand der Tatsache, dass ich doch 3 Stunden da war, kann man trotzdem nichts falsch machen. Vor allem das Design des ersten Shinkansen hat mir sehr gefallen. Und wo – außer in einem Museum – kann man den noch “live” sehen? Wieder am Hauptbahnhof habe ich übrigens zwei Elektronikgeschäfte durchforstet…Ich war richtig beeindruckt davon, was man alles kaufen kann. Computer und Technik sind bekanntermaßen zwei meiner größten Interessen :heart: Somit war der Tag doch wieder richtig gut. Zum Abendessen gab es übrigens richtig scharfes Curry! Lecker!

Danke für euer Interesse und bis zum nächsten Ausflugsbericht! Ein wenig auf “Touri”-Blog zu machen, ist doch mal eine ganz nette Abwechslung. Gerade dafür bin ich nämlich nach Japan gekommen!

Gez.
Tobii~

Mehr Bilder gibt es wie immer im Fotostream zu bestaunen. Man munkelt, dass es sich lohnen könnte B-)

Konnichi wa aus Nagoya!

TV-Tower und Schloss:

Hallo liebe Leser!

Ich melde mich jetzt aus meinem Hotel in Nagoya, wo ich bis zum 3.2. residiere. Damit habe ich also Gifu verlassen und eine Woche vollgepackt mit Sightseeing hat angefangen. Aber zuerst der kurze Transfer: Von meiner Sprachschule bis zum Hauptbahnhof wurde ich von einem Mitarbeiter des Dormitorys gefahren, was natürlich eine Kleinigkeit gekostet hat, wenn es auch vermutlich per Taxi noch teurer gewesen wäre. Anschließend ging es per Express nach Nagoya, wobei es in Gifu keinen Fahrstuhl hoch zu den Gleisen gibt. Da war also ein klein wenig Kofferschleppen angesagt. In Nagoya angekommen gab es dann zum Glück einen, sodass ich das Erdgeschoss ohne Mühe erreichen konnte :good: Per Taxi ließ ich mich von dort aus zum Hotel chauffieren, was ebenso problemlos geklappt hat und gar nicht so extrem teuer war. Über die Eigenheiten von Taxifahren in Japan spreche ich mich aber ein anderes Mal aus; es gibt heute so schon genug zu erzählen =)

"Winterwetter" in Japan

“Winterwetter” in Japan

Da ich morgens angekommen war und Check-In erst ab 16 Uhr möglich ist, hieß das also für mich, ein wenig die nähere Umgebung zu erkunden. Das war zumindest das, was ich mir anfangs vorgenommen hatte…Ich lief auf jeden Fall ohne Karte oder Sonstiges durch Sakae, der Stadtteil, in dem mein Hotel steht. Per Zufall führten mich meine Beine zum “Central Park”, der trotz Winter sehr viel Grün aufweisen konnte. Zusammen mit dem herrlichen Sonnenschein fing der Tag echt super an :heart:

Nagoya TV Tower

Nagoya TV Tower

Quasi im Park steht dann auch gleich der Nagoya TV Tower, ein – wie der Name schon sagt – Fernsehturm. Baujahr 1954 versprüht die Stahlkonstruktion einen gewissen Charme, wie ich finde. Dazu war dieser Fernsehturm einer der ersten seiner Art in Japan, wenn ich das richtig verstanden habe. Man findet nämlich mittlerweile in allen größeren Städten – Tokyo, Kyoto, Osaka, usw – Fernsehtürme, die mehr oder weniger an den Eiffelturm in Paris erinnern. Auf jeden Fall stand für mich fest, dass ich den klaren Himmel mit einer Fahrt aufs Obervation Deck ausnutzen musste! Für 600 Yen (4,30€) darf man die 90m hochfahren, was meiner Meinung nach ein fairer Preis ist. Der Fahrstuhl ist gläsern, weshalb ich schon bei der Fahrt nach oben sehr von der Aussicht angetan war.

Das Häusermeer

Das Häusermeer

Auf dem Observation Deck angekommen, bekommt man eine wirklich unglaubliche Aussicht geboten, die sogar über die Stadtgrenzen von Nagoya hinausgeht; so konnte man noch sehr gut die Wolkenkratzer an Gifus Hauptbahnhof erkennen. Daneben rings herum Berge, was einfach daran liegt, dass Nagoya und Gifu auf der sogenannten Nobi Ebene liegen, eine der drei größten Ebenen der Hauptinsel Honshu und dementsprechend dicht besiedelt ist das Ganze. Japan besteht ja bekanntlich zu zwei Dritteln aus Gebirge ;-) Außerdem konnte man ganz am Horizont die Kräne vom Hafen erkennen, welcher ebenfalls zu den größeren gehört. Ich meine sogar den Lifthügel vom Steel Dragon 2000 ausgemacht zu haben :kawaii: Auch das Schloss konnte man gut erkennen, was man selbst noch auf meinen Bildern sehen kann! Der Zoom meines Objektives reicht einfach nicht aus, um weit entfernte Objekte wirklich nah ranzuholen. Vielleicht sollte ich auch das “Ufo” erwähnen: Oasis 21 genannt, ist dieses Gebäude im Grunde ein Bus-Terminal. Aber wie das in Japan so ist, befindet sich direkt anschließend daran ein unterirdisches Shopping-Center, welches sich unter (!) einem Großteil des Central Parks erstreckt. Als ich dann übrigens das Schloss von oben und aus weiter Ferne gesehen habe, stand für mich fest, dass das mein nächstes Ziel sein sollte. Für meinen Rücken – in meinem Rucksack waren zusätzlich noch sehr viele Dinge, die nicht mehr in die Koffer gepasst haben – war der längere Fußmarsch kein Segen; ich wusste einfach nicht, wo die nächstgelegene U-Bahn-Station war :scratch:

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Das Schloss von Nagoya wurde im Original Anfang des 17. Jahrhunderts von keinem anderen als Ieyasu Tokugawa – der Mann, der Japan unter sich vereinte und dessen Nachkommen für mehr als 200 Jahre herrschen sollten – in Auftrag gegeben. Als etwas ganz Besonders wurden die beiden goldenen “Delphine” auf dem Dach angesehen. Wirklich wie Delphine sehen diese Wesen für mich nicht aus, aber auf den englischen Schrifttafeln wurden sie immer so genannt. Auf jeden Fall war das Schloss von Nagoya sogar das erste, welches als nationale Kulturgut anerkannt wurde. Erst ab 1930 war es überhaupt für die Öffentlichkeit zugänglich. Dann kam der 2. Weltkrieg…Ganze drei Monate vor Kriegsende wurde das Schlossgelände von Brandbomben getroffen. Danke, liebe Amerikaner! Es blieb bis auf die Grundmauern nichts außer ein paar bemalten Raumteilern und Gemälden nichts übrig. Das heutige Schloss ist also genauso wie in Gifu eine Rekonstruktion, wenn auch eine sehr eindrucksvolle. Immerhin der Garten mit seinen vielen Teehäusern kann noch als mehr oder weniger historisch korrekt angesehen werden. Das Schloss besteht nämlich aus Beton, hat einen Fahrstuhl und beherbergt ein kleines Museum. Es ist etwas besser als das in Gifu, wenn auch nur etwas. Ich schätze in der Hinsicht werde ich erst in Tokyo glücklich werden…Zumindest der Garten hat es mir sehr angetan. Ich mag japanische Gärten :) Von Außen ist das Schloss natürlich auch noch traumhaft schön, das möchte ich gar nicht bestreiten, aber es ist und bleibt eine Rekonstruktion. Eventuell besuche ich noch ein originales Schloss, von denen es trotz Krieg weiterhin einige in Japan gibt. Wirklich nah ist aber Keines…

Vom Schloss aus ging es dann per U-Bahn (ja, endlich eine Station gefunden!) wieder zurück nach Sakae, wo ich dann noch bis 16 Uhr die letzten Sonnenstrahlen genoss. Gestern war ich leider zu müde, um noch einen Eintrag zu schreiben…Wie man sieht, ist es ein längeres Exemplar geworden, was aber auch zu erwarten war. Mehr Bilder gibt es übrigens im Fotostream. Was ich heute mache, weiß ich noch gar nicht so recht. Ich spüre den Rucksack immer noch ziemlich und von daher schlendere ich heute wohl lieber ein wenig durch Shopping-Bezirke, anstatt erneut mit meiner Kamera bewaffnet loszuziehen.

Viel Spaß beim Lesen!

Gez. Tobii~

PS: Nur an diesem Tag 238 Bilder gemacht :horror:

さようなら Gifu

Ein Rückblick auf die erste vier Monate:

Tschüss Gifu!

Mit diesem Eintrag werde ich ein wenig meine Zeit in Gifu reflektieren, um dann quasi diese Episode abgeschlossen zu haben. Zumindest für mich wird das Schreiben ein wenig emotional werden :scratch:

Als ich im Oktober meine ersten Schritte auf japanischem Boden ging, traute ich mich nicht ein Wort Japanisch zu sagen und wusste auch sonst überhaupt noch nichts darüber, was mich erwarten würde. Ich war ein 19 Jahre alter, verrückter Typ aus Deutschland, der sich aufgrund seiner Liebe zu diesem weit entfernten Land dazu entschlossen hatte, ein Jahr zwischen Schule und Universität genau dort zu verbringen. An die allerersten Tage hier werde ich mich vermutlich noch sehr lange erinnern, weil ich da wirklich noch im “Tobias im Wunderland” war: Jahre lang hatte ich davon geträumt, hierher zu kommen und jetzt WAR ICH DA! Der erste Blick aus dem Flugzeug auf japanische Berge, ein Schrein direkt neben den Bahngleisen, eine Schule, die genauso wie im Anime aussah…All solche Anblicke hatten mich fast zu Tränen gerührt, einfach so sehr freute ich mich darüber. Außerdem die aus deutscher Sicht sommerlichen Temperaturen :wow:

So fing dann bald der Sprachkurs an, welcher mir unglaublich viel Spaß bereitete. Japanisch lerne ich wirklich total gerne, wenn es auch alleine nie wirklich klappt…Leider fand ich nicht wirklich Anschluss an andere Mitschüler, aber trotzdem war der letzte Schultag echt schwer für mich. Als ich dann in meinem Zimmer saß, vor mir das Zeugnis und das Abschiedsgeschenk, und dazu das Wissen, dass der Kurs für mich vorbei war.. Wie gerne hätte ich einfach doch weitergemacht! Von Tag zu Tag wurde es (zum Glück?) besser, und so geht es Morgen schon weiter nach Nagoya…

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Ohne zu lügen konnte ich weder eine Waschmaschine bedienen noch hatte ich jemals in meinem Leben etwas mehr oder weniger Richtiges gekocht. Natürlich gab es schriftliche Hilfestellung von meiner Mutter, aber es war dann alles anders hier: Gas- statt Elektroherd und die Waschmaschine ist von der Bedienung her komplett verschieden und natürlich auf Japanisch. Zögerlich nur, ganz vorsichtig und sachte, tastete ich mich langsam an all das heran: die verschiedenen Waschprogramme wurden erst ausprobiert, als es mit der Wäsche knapp wurde. Zu essen gab es in den ersten Tagen nur Fertiggerichte aus der Mikrowelle, aber spätestens als mein Körper das nicht mehr ganz so vertrug, wurden Spaghetti mit Tomatensoße gemacht. Jetzt weiß ich zumindest bei meiner Waschmaschine, wie ich was waschen muss. Und mittlerweile schaffe ich es immerhin, eine Art Reispfanne mit TK-Gemüse und Fleisch aus der Mikrowelle auf den Teller zu bekommen. Hauptsache es ist essbar und füllt den Magen :patrick: Dazu so alltägliche Dinge wie Geldholen, Einkaufen oder Putzen…Mal sehen, wie es wird, wenn ich dann irgendwann wieder ins Hotel Mama einziehe.

Und zuletzt mein Job: Nur Möhrenschälen, aber immerhin kaum Japanischkenntnisse notwendig und dafür recht gut bezahlt, wie ich finde. Es war auf jeden Fall eine gute Idee gewesen, erst einen Monat lang nur zu lernen und erst dann mit der Arbeit anzufangen. Ansonsten wäre das Ganze etwas sehr…ungewohnt gewesen. Dann der Plan, auch noch nach Kursende zu arbeiten: Am Ende muss ich doch zugeben, dass es die richtige Entscheidung war. Aber irgendwie bin ich mit der Entscheidung, nur um die stressigen Neujahrsferien zu überspringen, noch einen ganzen Monat in Gifu geblieben zu sein nicht ganz zufrieden. Einerseits mehr Geld in der Tasche und etwas wärmere Temperaturen in den nächsten Zielorten. Andererseits war es eine Durststrecke, die mich überhaupt nicht glücklich gemacht hat. Ich weiß nicht, wie weit ich noch davon weg war, einfach zurück nach Deutschland zu gehen…Das klingt dumm und ist es auch. Ich hätte vermutlich einfach den Job geschmissen, wenn es gar nicht mehr gegangen wäre. Wobei ich dann über längere Zeit einfach gar nichts zu tun gehabt hätte…Jetzt habe ich es ja alles hinter mir; sehe wieder mit leuchtenden Augen auf die nächsten Monate!

Was da alles kommt: Nagoya mit seinem Schloss und seinen Museen. Danach eines DER Highlights meines ganzen Japanaufenthaltes: Kyoto. Von den Bombern im 2. WK verschont und Standort von über ein Dutzend UNESCO-Weltkulturerben. Meine Kamera wird viel zu tun haben :yahoo:

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Insgesamt hat mir meine Zeit in Gifu eine vor allem praktische Seite vom Leben in Japan gezeigt: Viel lernen und gleichzeitig viel arbeiten. Dafür gab es eben leider nur wenige Sehenswürdigkeiten in näherer Umgebung. Ob ich mir so eine Ackerei für ein ganzes Jahr vorstellen könnte? Nicht, ohne mal Gifu zu entfliehen und während der Schulferien die Touristenzentren unsicher zu machen. Falls man allerdings schon die berühmtesten Orte abgehakt hat, ist es vielleicht schon eher etwas. Da das für mich bekannt nicht gilt, seht ihr ja, was ich machen werde :bye:

Wie man sieht, ist es nicht immer einfach, aber so weit sie auch weg sind, hat mir meine Familie sehr geholfen. Danke! Ich bin in den vier Monaten ein ganzes Stück gegangen und es geht noch sehr viel weiter. Ihr könnt euch auf verdammt viele tolle Einträge freuen und ich freue mich so oder so darüber, jetzt hier sein zu können.

Euer
Tobii~

 

Überwinterung in Japan

Ein eiskaltes Thema:

Moin, moin!

Heute möchte ich mich ein wenig über die japanischen Häuser auslassen und was einen so erwartet, wenn man während der kalten Jahreszeit hier ist. Ihr merkt es vermutlich: schon die Einführung klingt total fröhlich :unsure: Auf gehts!

Während im Sommer 2013 mit über 40°C in Zentraljapan ein neuer Hitzerekord aufgestellt wurde, gehen die Temperaturen im Winter dennoch auf den Nullpunkt zu. Allgemein fällt der Winter in Japan sehr unterschiedlich aus: Auf der nördlichen Insel Hokkaido gibt es Dank der Nähe zu Russland und vor allem Sibirien so viel Schnee, wie man es bei uns ansonsten nur in höheren Lagen kennt. Im Kontrast dazu gilt es auf den doch sehr weit entfernten Okinawa-Inseln schon als Winter, wenn es in den Januarnächten knapp unter 15°C wird. Ich befinde mich ja mehr oder weniger im Herzen der Hauptinsel Honshu, sodass es hier auch noch kalt wird. Zwar ist es tagsüber mit nur selten unter 10°C sehr erträglich, aber nachts erreicht man dann doch den Gefrierpunkt. Das ist natürlich immer noch ein Witz von Winter, wenn man das mit dem vergleicht, was wir in den letzten Jahren in Schleswig-Holstein so hatten; aber das nur am Rande :) Es ist also gar nicht so kalt, nicht wahr? Wo liegt dann mein Problem?

Die japanischen Häuser hier auf Honshu sind allesamt Sommerhäuser: Kaum isoliert, keine Zentralheizung und jedes Fenster ist ein Schiebefenster, damit man die Hitze im Sommer etwas lindern kann. Die Fenster sind übrigens auch nur einfach verglast! Um trotzdem ein wenig die Wärme im Haus zu behalten, gibt es massive Fensterläden, die dann geschlossen werden. Eine Klimaanlage inklusive Heizfunktion gehört immerhin zur Standardausstattung, aber die zieht Strom ohne Ende. Das hält hier trotzdem einige Nachbarn nicht auf, das Teil rund um die Uhr am Laufen zu haben…Ich gehöre nicht dazu =) Alternativen zur Klimaanlage gibt es genügend: Von einer Kerosinheizung, in der dann wirklich direkt im Zimmer Kerosin verbrannt wird, über kleinere Heizstrahler bis hin zu elektrischen Heizdecken gibt es eine unglaubliche Fülle von Produkten, die einen im Winter warmhalten können, und deren Aufzählung den Rahmen eines ganzen Eintrages sprengen würde :patrick: Ich erwähne mal noch den berühmten Kotatsu, ein Tisch, unter dem ein Heizstrahler angebracht ist, und über dem dann eine Decke liegt. Im Winter steckt man dann einfach seine Beine drunter und schon wird es warm. Dort versammelt sich dann quasi zwangsläufig die ganze Familie, was ich an sich für eine echt gute Lösung halte. Es wird dabei auch als normal angesehen, im Winter mit Jacke im Haus rumzulaufen. Dafür gilt es aus japanischer Sicht angeblich als Skandal, wenn man auch nachts die Klimaanlage am Laufen hat.

Es gibt übrigens auch viele Theorien dazu, warum die japanischen Häuser so schlecht isoliert sind. Das ist zwar auch etwas am Thema vorbei, aber wenn wir es schon einmal erwähnt haben: Zum Beispiel wird – vor allem von Ausländern – vermutet, dass man die Häuser so einfach baut, damit man sie nach einem Erdbeben schnell wieder aufbauen kann. Eine andere Theorie ist die, dass man so der Natur sehr viel näher ist. Das Thema “japanisches Wohnen” wäre vermutlich sogar für eine Bachelorarbeit geeignet. Vielleicht gibt es dazu an anderer Stelle mehr ;-) In Kyoto stehen ja (noch) sehr viele traditionelle japanische Häuser, aber ich schweife so dermaßen ab xD

Nur zwei Stufen und dazu ein echter Staubfänger, aber erfüllt(e) seinen Zweck

Nur zwei Stufen und dazu ein echter Staubfänger, aber erfüllt(e) seinen Zweck

Wie sieht also meine Strategie für den Winter aus? Zwei Pullover und zwei Paar Socken gehören zur Standardausrüstung! Dazu habe ich mir einen kleinen, preiswerten Heizstrahler gekauft, der mir vor allem die Beine wärmt. Er schafft es aber auch, die Zimmertemperatur auf so 12°C bis 13°C zu halten, was dann mehr oder weniger erträglich ist. Dazu habe ich eine extra Decke, die mir sowohl am Schreibtisch als auch im Bett zusätzliche Wärme spendet. Manch einer scheint Probleme zu haben, bei niedrigen Temperaturen nicht mehr schlafen zu können, aber damit habe ich noch keine Probleme gehabt. Einfach den Kopf mit unter die Decke und schon gehts :good: Mein Negativrekord sind übrigens unter 8°C Zimmertemperatur, was das morgendliche Verlassen des ach so schön warmen Bettes erschwert. Ich dusche dann erst einmal schön heiß. Als Japaner gehört außerdem ein tägliches Bad dazu! Jetzt komme ich schon wieder auf ein Thema, welches unglaublich komplex ist…

Mit 10,5°C war es da gar nicht so kalt, aber es wird als Beweisfoto ausreichen!

Mit 10,5°C war es da gar nicht so kalt, aber es wird als Beweisfoto ausreichen!

Ich hoffe, dass dieser Einblick interessant war, auch wenn ich manch andere Themen zwangsweise angeschnitten habe :cry: Danke fürs Lesen und ihr könnt euch denken, wie sehr ich mich jetzt auf den Frühling freue!!

Liebe Grüße,
Euer Tobii~

Kleines Blog-Update

Slider, Social Buttons und andere Farben!

Hallo,

An dieser Stelle nur kurz ein paar Worte über das Blog-Update, denn wie es eigentlich aufgefallen sein sollte, sieht das alles hier ein wenig anders aus. Ich bin eben ein Design-Fetischist und so muss einfach gelegentlich ein Tapetenwechsel her!

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Auf der Startseite (unter blog.tzf-clan.de) dominiert jetzt im oberen Bereich ein sogenannter Slider, der in diesem Fall eine Art Timeline ist. Dort habe ich Bilder der bisherigen Highlights untergebracht, wobei die neueren an erster Stelle sind. Mit einem Klick auf ein Bild gelangt man sofort zum entsprechenden Eintrag. So wird man dort irgendwann die besten Erlebnisse von Tokyo, Hiroshima, Kyoto, Nagoya und Gifu in genau dieser Reihenfolge sehen. Klingt für mich nach einer sehr genialen Angelegenheit =)

Außerdem gibt es jetzt sowohl am rechten Rand als auch unter jedem Eintrag Share-Buttons, die mit nur einem Klick das Teilen per E-Mail, auf Facebook und noch ganz vielen anderen Netzwerken ermöglichen. Das Ganze ist selbstverständlich freiwillig; darf also auch gerne einfach ignoriert werden ;-)

Das Farbschema hat sich außerdem von grün auf orange geändert! Es war zwischendurch blau, aber das empfand ich dann doch irgendwie als zu kalt…Es ist übrigens kein normales Orange, sondern das der sehr beliebten Linux-Distribution Ubuntu!

Und was ich seit Ewigkeiten noch zeigen wollte, waren die mittlerweile nicht mehr neuen Smileys. Die kleinen frechen Gesichter helfen mir ungemein, die Einträge ein wenig aufzulockern:

:bye: :good: :negative: :scratch: :wacko: :yahoo: B-) :heart: :rose: :) :whistle: :cry: :P :-( :unsure: ;-) :wow: :patrick: :rge: :kawaii: :goil: :sir =) :sweat: :wut:

Wie gefällt es euch? Also mir sehr :good:

Gez.
Tobii~

おわった

Endlich nicht mehr arbeiten!

Ich bin zurück!

Nach einer viel zu langen Funkstille wird es jetzt endlich wieder mehr zu lesen geben. Ich weiß, ich weiß…Beim letzten Eintrag habe ich das selbe verkündet, aber dieses mal ist alles anders :P Wieso? Weil ich in einer Woche Gifu verlasse und mich dann für sieben Tage in ein Hotel in Nagoya einquartiere. Dementsprechend wäre es doch perfekt, rechtzeitig die Einträge abzuarbeiten, die mit Gifu zu tun haben. Somit kann ich mich später ganz auf Nagoya konzentrieren, was unbedingt sein muss. Ich werde nämlich jeden Tag etwas unternehmen und da wäre eine mittelgroße Anstauung an Themen nicht von Vorteil…

Heute möchte ich mit meiner Tätigkeit als Möhrenschäler in gewisser Weise abrechnen :rge: Ich habe meinem Job zwar schon einen Eintrag gewidmet, aber wie das eben so ist :unsure: Also: Ich habe ganze zwei Monate lang in diesem Betrieb gearbeitet, von denen ein Monat parallel zur Schule und einer ohne Schule war. Trotzdem hatte ich weiterhin halbtags gearbeitet, was selbst in den Ferien überhaupt kein Problem darstellte. Das halte ich nicht unbedingt selbstverständlich, weil es vor allem im Dezember viel zu tun gab. So hieß es dann 6 Tage die Woche um 6 Uhr aufstehen, um dann erst einmal 15 Minuten Frühsport auf dem Fahrrad zu machen. Anschließend wurde wochentags 4 und samstags 7 Stunden lang Möhren geschält. Am Anfang hieß es wirklich ausschließlich Möhrenschälen, aber mit der Zeit wurde ich auch zu einer Art Kistenstapler, der eben den Nachschub per LKW mit zu entladen half. Und da jeden Tag mindestens eine neue Ladung Gemüse in Kühlraum & Co. verstaut werden wollte, war meine Tätigkeit nicht mehr ganz so eintönig, wenn auch etwas anstrengender. Mein Motto lautete dann: “Jede Abwechslung ist besser als gar keine!”. Gearbeitet wurde ja in einer (umfunktionierten?) Halle, was gerade im Winter zu herrlichen Temperaturen führte. In der Regel waren es morgens immer so 4°C, auch gerne darunter. Es gab zwar Klimaanlagen, aber wenn die eine japanische Kollegin diese ausschaltet, stellt man dieses selbstverständlich nicht in Frage. Außerdem fand das Möhrenschälen in einem vom Hauptraum getrennten Bereich statt, sodass wir dort überhaupt gar nichts von den zwei riesigen Klimaanlagen dort spürten. Um das ganze noch zu steigern bestand ja Gummistiefelplicht, mit denen man dann in sprichwörtlich eiskaltem Wasser stehen durfte. Da helfen auch keine zwei Paar Socken…Die japanischen Damen behalfen sich mit Einweg-Wärmepads, die man hier in jedem Konbini kaufen kann, und einfach unter die Füße geklebt wurde. Ich griff warum auch immer nicht auf dieses Hilfsmittel zurück.

Ich habe das Möhrenschälen an den Nagel gehängt

Ich habe das Möhrenschälen an den Nagel gehängt

Der Monat parallel zur Schule war in Ordnung, der ohne Schule war…ein ständiger Kampf mit der Kälte und gegen den inneren Schweinehund :scratch: Einerseits war ich schon irgendwie froh etwas zu tun zu haben, aber unter diesen Bedingungen macht das einfach keinen Spaß. So war es wohl kein Wunder, dass nachmittags weder ein Eintrag geschrieben noch Japanisch gelernt bzw. wiederholt wurde. Meine Laune litt einfach sehr unter diesem Alltag :cry: Mit den Worten eines Anime-Charakters habe ich dennoch zwei Monate durchgehalten! 全体に負けない [zentai ni makenai]! Ich werde niemals aufgeben (hoffentlich sind die Schriftzeichen richtig…)! Pro Wochentag habe ich alleine übrigens so 100kg Möhren geschafft, was dann zu viert dementsprechend zu mindestens 400kg hochskalieren müsste. Vielleicht übertreibe ich auch…Wer weiß.

Das musste einfach mal gesagt werden. Ich bin nicht auf Mitleid aus, weil ich definitiv stolz auf mich selbst bin, dass ich das geschafft habe. Ich denke auch, dass so ein Job bei höheren Temperaturen sehr viel angenehmer ist. Dann schwitzt man halt beim Stapeln der Gemüsekisten! Von mir aus auch ein wenig mehr…Hauptsache nie wieder in meinem Leben so dünn angezogen bei solch niedrigen Temperaturen arbeiten.

Danke fürs Zuhören. War ja nicht ganz so informativ, sondern eher eine Herzensangelegenheit, wie man so schön zu sagen pflegt.

Euer
Tobii :bye:

 

Vom Sonnenbrand bis zur klirrenden Kälte

Herbst & Winter in Gifu:

Ein herzliches Hallo aus Japan an euch alle da Draußen!

Nachdem es eine kleine allgemeine Motivationskrise meinerseits gab, habe ich nun endlich wieder etwas Neues für euch! Die Kombination aus wenig Schlaf, der monotonen Arbeit und dem leeren Terminplan am Nachmittag war einfach keine gute Idee…Befassen möchte ich mich dann mit dem Klima; ein Thema, was schon laaaange überfällig ist, aber zu dem ich mich irgendwie nie richtig geäußert habe. Das wird hiermit nachgeholt!

Oktober

oktober

 

Wenn es bei uns in Deutschland schon richtig herbstlich ist, sind es in Japan noch 30°C. Überall steht der Reis auf den Feldern und die Klimaanlagen sorgen für angenehmere Zimmertemperaturen. Ich habe die Wärme selbstverständlich noch voll ausgekostet ;-) So gab es spätestens nach einer längeren Warterei an der Bushaltestelle einen Sonnenbrand! Im OKTOBER! Japan liegt im Vergleich zu Deutschland eben ein ganzes Stück weiter südlich, was das Ganze natürlich erklärt. Ich meine sogar mal gelesen zu haben, dass Tokyo in etwa auf der “Höhe” von Sizilien liegt. Noch Fragen? Dermaßen heiß (oder eher warm für japanische Verhältnisse) war es jedoch wirklich nur die erste Woche über. Danach sanken die Temperaturen doch recht schnell auf so 20°C. Im Oktober kann es übrigens noch Taifune geben, die örtlich sogar Todesopfer fordern können. Von den beiden, die während meines Aufenthaltes Japan erreichten, war allerdings nur einer in Gifu spürbar gewesen.

November

raindrops

 

Ende Oktober bis November fängt dann auch mal der Herbst an. Wirkliche Stürme, so wie es sie 2013 in Deutschland sehr heftig gab, sucht man hier vergebens. An manchen Tagen ist es etwas windiger, aber das ist meiner Einschätzung nach in Gifu normal. Allgemein ist das Wetter sehr beständig: Nur wenige Regentage, wenn dann in der Regel gleich in größeren Mengen und auch über mehrere Tage. Ansonsten ist es oft bewölkt, wobei die bösen Wolken von den umgebenen Bergen aufgehalten werden. Letztere sieht man an den seltenen Tagen mit blauem Himmel bis zum Horizont besonders gut, was ich total schön anzusehen finde. Als Schleswig-Holsteiner ist man den Anblick von so vielen Bergen ja nicht gewohnt xD Temperaturmäßig geht es definitiv bergab, auch wenn erst ab Anfang November nachts die 10°C-Grenze unterschritten wird. Fühlt sich dementsprechend fast noch wie Spätsommer an =) Dann beginnt aber die Zeit der Bibberns, was vor allem den japanischen Häusern geschuldet ist. Das, und wie ich durch die kalte Jahreszeit komme, möchte ich in einem gesonderten Eintrag behandeln. Im November findet außerdem die Reisernte mit im Prinzip kleinen Mähdräschern statt. Daraufhin werden die Stoppelfelder abgebrannt…Asche soll ja gut für den Boden sein, aber das muss nicht sein, finde ich. Falls es aus spirituellen Beweggründen gemacht wird, kann man das noch irgendwie durchgehen lassen :good: Es ist auf jeden Fall nicht so toll, mit dem Rad durch eine Rauchwolke zu fahren oder an solchen Tagen draußen Wäsche hängen zu haben.

Dezember

PC081619

 

Der Winter ist da! Die Temperaturen gehen bis auf 0°C runter; jedoch nur in wenigen Nächten sinkt das Thermometer in den Minusbereich. In der Schule bollern sowieso seit November die mit Strom gespeisten Heizkörper und zusätzlich die Klimaanlagen. Sehr gute Mischung, um den Sauerstoffgehalt auf ein Minimum abzusenken xD Früh zur Arbeit zu müssen hat nur einen Vorteil: Man bemerkt den Frost. Immerhin schon drei mal waren die Stoppelfelder, die Äcker und sogar auch einige Fahrradsättel mit der hauchdünnen Schicht aus Eis überzogen. Das ergab trotz der Kälte in Kombination mit einem sonnigen Morgen ein ziemlich hübsches Bild :kawaii: Über dem einem Fluss, den ich jeden Tag überqueren darf, bildete sich sogar Dampf :horror: Geschneit hat es nur an einem einzigen Tag, wobei der Schnee sofort geschmolzen ist. Selbst daheim im hohen Norden Deutschlands musste man noch nicht Schnee schippen, wie ich weiß ;-) Apropos: Zwar soll es in Tokyo angeblich keine Schneeausrüstung (Schneeschieber, Streusalz, etc.) geben, hier im Baumarkt kann man aber beides käuflich erwerben. Die orangen Streugutdepots sucht man dennoch vergebens. Den einzigen Schnee, den ich bisher zu Gesicht bekommen habe, ist der, der sich auf den umliegenden Gipfeln ansammelt. Vor allem die Höheren werden dadurch noch ästhetischer, wobei sich gerade die nur selten zeigen. So ist es umso unglaublicher, wenn man quasi auf einmal einen hohen Berg – inklusive weißer Spitze – am Horizont erblickt. Zumindest ich finde das echt cool. Für Pendler und Schulkinder ist der Anblick wohl etwas völlig Normales. Das Dilemma des Mensches in der Fremde? Natürlich gibt es weiterhin sonnige Tage, an denen es wenigstens direkt in der Sonne mehr als ertragbar ist. 8°C ist meiner Meinung nach gar nicht so wenig.

Was ich nicht noch alles schreiben könnte…Sonnencreme im Winter, die Präfektur Gifu und ihre Alpen, Winterreifen…aber lassen wir das heute mal. Es ging ja hauptsächlich im das Klima. Kann gut sein, dass ich ein wenig Januar und Dezember vermischt habe :negative: Wie dem auch sei: Danke fürs Lesen und noch ein erfolgreiches Überstehen des Winters!

Euer
Tobii~