Author Archives: Tobias

About Tobias

Hallo ihr alle! Ich bin Tobias und das hier ist mein Blog. Seit Juni 2013 schreibe ich über die Dinge, die so in meinem Leben passieren. Am Ende hat zwar fast alles irgendwie mit meiner Leidenschaft Japan zu tun, aber was solls. Viel Spaß beim Lesen!

Umzug!

Achtung:

Wie im letzten Eintrag schon angekündigt ist mein Blog fortan unter eine neuen Adresse zu finden. Vom Inhalt und auch von der Japan-Ausrichtung her wird sich nichts ändern, also alles wie gehabt :bye: Ich schätze, dass ich diesen Umzug aber auch als Anlass nehmen werde, meinen Blog optisch und auch strukturell etwas zu verändern. Demnach nicht wundern, wenn die neue Seite ein bisschen anders aussieht. Hier auf der alten Adresse gibt es keine neuen Einträge mehr. Man sieht sich auf der neuen Seite! Gez. Tobi

http://www.tobiichan.rocks

Ein Hallo zum neuen Jahr

Japanaufenthalt, Studium und ein kurzer Blick zurück:

Frohes neues Jahr euch allen!

Wie immer bin ich spät dran, aber dennoch wünsche ich ein schönes 2016 :bye: Je älter man wird und je mehr man zu tun hat, desto schneller vergeht die Zeit…Vor zwei Jahren habe ich mein Studium der Japanologie in Trier begonnen, vor drei Jahren (!) war ich in Japan und pünktlich zum Jubiläum im Oktober wird es dort auch mit einer astronomisch hohen Wahrscheinlichkeit wieder hingehen. Dazu aber gleich mehr. Auf jeden Fall ist das erste langweilige Jahr seit Langem um, was mich total freut. Denn bis auf 2015 war immer viel los: 2012 mein 18. Geburtstag, Führerschein und das Ende meines Daseins als Zahnspangenträger, 2013 Abitur und Japan, 2014 immer noch Japan und dann der Anfang meines Studiums, 2015 ausschließlich studieren, aber 2016 wird es wieder in das Land der aufgehenden Sonne gehen. Ich habe also wirklich einen Grund, mich auf die nächste Zeit zu freuen :kawaii:

Nach diesem Ausflug in meine Vergangenheit also in die Gegenwart: Wie ich geschrieben habe, hatte ich mich ja auf zwei Semester an der Universität Shimane beworben und was soll ich sagen? Unter der Bedingung, dass ich die nächste Klausur in Japanisch mit mindestens 3,0 bestehe, werde ich von Oktober dieses Jahres bis August 2017 endlich wieder in Japan sein. Das angekündigte, persönliche Interview mit fast allen Dozenten (inklusive den zwei Professoren) war Anfang November, sehr viel kürzer als erwartet und auch vom Inhalt her weniger als befürchtet. Im Prinzip habe ich nur das, was bereits in meinen schriftlichen Unterlagen stand, mündlich wiederholen müssen. Nach all der Aufregung im Vorfeld war das zumindest psychisch der schwierigste Teil auf dem Weg nach Japan. Ende diesen Monats soll dann der Papierkram kommen, die bis März auf Japanisch oder Englisch ausgefüllt werden muss. Wohnheim, Visa, etc. Etwas Exotischer ist dafür die Ausstellung eines Gesundheitszeugnisses. Außerdem fordert die Universität einen Nachweis über ausreichende Finanzen. Also alles im grünen Bereich. So mitten im Wintersemester wirkt Japan immer noch weit entfernt, jedoch spätestens mit dem Ende des Sommersemesters wird meine Freude ins Unendliche steigen. Schon das Schreiben dieses Eintrags bringt mich zum Lächeln.

Mein Studium selbst ist im 3. Semester im Vergleich zu den vorherigen so entspannt wie nie, was aber nicht heißen soll, dass ich nichts zu tun habe. Die meiste Arbeit macht selbstverständlich nach wie vor der Sprachkurs. Ansonsten gilt es sich auf die ein oder andere Veranstaltung vorzubereiten. Zu guter Letzt ist das Wintersemester 2015/ 2016 das Semester der Referate: Ich musste bestimmt schon 5 Referate und Kurzreferate halten, wobei das letzte am 5. Februar gehalten wird. Am Ende des Semesters erwartet mich übrigens nur eine einzige Klausur, die benotet wird. Zwei weitere müssen nur bestanden werden. Ganz neu sind allerdings Hausarbeiten, von denen gleich zwei in den Semesterferien geschrieben wollen werden. Dementsprechend ist die Zeit zwischen den Semestern, in der man vorher einfach mal nichts tun konnte, sehr viel kürzer geworden. So wird auch meine Zeit in der Heimat verringert.

Viel mehr habe ich dann auch nicht zu berichten: Ich bin wieder auf dem Weg nach Japan, Studium läuft rund und ja…So als kleiner Ausblick könnte es noch passieren, dass mein Blog umzieht. Der aktuelle Hoster war noch nie der Beste und nach drei Jahren funktioniert nicht mehr alles so, wie es sollte…Falls es wirklich so kommt, kündige ich das selbstverständlich an.

Einen weiterhin schönen Start in das Jahr 2016,
wünscht euch Tobii~


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Zurück ins Land der aufgehenden Sonne

Auslandsstudium in Japan:

Ein herzliches Hallo an euch alle!

Wie ich in meinem Rückblick auf das Sommersemester 2015 schon anklingen lasse habe und wie es sowieso in der Überschrift geschrieben steht, so möchte ich heute über mein geplantes Auslandsstudium in Japan schreiben. Nach meinen 9 Monaten Work & Travel wäre das mein zweiter, längerer Aufenthalt im Land der aufgehenden Sonne und mit sicherlich nicht der letzte. Meine Chancen stehen dabei gar nicht so schlecht, von Oktober 2016 bis August 2017 in Japan zu sein :yahoo: Ich werde euch selbstverständlich auf dem Laufenden halten! Falls es wirklich klappt, werde ich hier wieder von allem berichten und es wäre endlich wieder mehr auf meinem Blog los :P Bis dahin kommt allerdings noch so Einiges auf mich zu :sweat: Es folgt so eine Art Leitfaden, in dem ich die nötigen Schritte zu erklären versuche:

1.) Wer kann sich überhaupt bewerben?

Im Prinzip kann sich jeder bewerben, der wenigstens japanische Grundkenntnisse besitzt. Es müsste dann eben ein Gutachten ausgestellt werden, um diese Kenntnisse zu bestätigen. Und keine Angst: Wir reden zwar von einem Studium an einer japanischen Universität, jedoch kann dieses auch so aussehen, dass man neben einem intensiven Sprachkurs kaum richtig “studiert”, also an normalen Vorlesung o.Ä. teilnimmt. Dafür muss man schon eher Japanisch sprechen können…Den einzigen Hacken für Nicht-Japanologen/innen stellt wohl die Platzarmut dar: Von den demnächst 17 Partneruniversitäten in Japan und Europa, sind nur 6 – vielleicht auch nur drei, ich bin mir nicht sicher – auch für Studenten anderer Fächer offen, wobei diese nichtmal exklusiv sind und man trotzdem die Konkurrenz der Haupt- und Nebenfach Japanologen/innen hat. Mit anderen Worten ist es doch eher schwer, sich als Nicht-Japanolge/in für einen Platz an einer der Partneruniversitäten Triers zu bewerben. Für unmöglich halte ich es aber nicht, sofern man ein wenig mehr Japanisch sprechen kann und die Notwendigkeit eines solchen Aufenthalts gegeben ist. Allgemein findet die Bewerbung im Hauptfach nach erfolgreichem Abschluss des zweiten Sprachkurses statt; als Nebenfächler/in ist man an der Universität Trier insofern benachteiligt, dass die meisten Austauschprogramme den Hauptfächlern/innen vorbehalten sind.

2.) Welche Partneruniversitäten stehen zur Auswahl?

Die Universität Trier hat äußerst viele Partnerschaften mit Universitäten im Raum Tokyo, zwei in Osaka und des Weiteren eine gute Auswahl an eher ländlicheren Universitäten, die sich von ganz im Norden der Hauptinsel Honshûs mit Metern von Schnee im Winter bis hin zur zu Korea und China gewandten Küste auf der Rückseite der Hauptinsel verteilen. Das akademische Auslandsamt betreut eine Uni in Osaka, an der man sogar Homestay machen kann,  und zwei in Tokyo, welche dann für alle zur Verfügung stehen. Des Weiteren gibt es Plätze an drei europäischen Universitäten, die über bekannte japanologische Fakultäten verfügen. Dazu gehören u.a. Venedig und Budapest, für die man aber auch die jeweilige Landessprache zu einem bestimmten Grad beherrschen muss. Ich weiß jetzt allerdings nicht, ob diese Plätze von der Allgemeinheit wahrgenommen werden können oder nur von Haupt- bzw. Nebenfächlern.

3.) Wie läuft der Bewerbungsprozess ab?

Der ganze Zirkus beginnt am Ende des zweiten Semesters mit Informationsveranstaltungen von der Fachschaft und vom DAAD (deutsches akademisches Auslandsamt), in denen zumindest die meisten Universitäten vorgestellt und einem grundlegende Tipps mitgegeben werden. Auf der Internetseite der Universität Trier sind natürlich auch alle Partnerunis aufgelistet und die höheren Semester kann man genauso ausquetschen xD Hat man sich entschieden, muss man die Sprechstunde des Dozenten aufsuchen, der die jeweilige Universität betreut. Hier gibt es noch mehr Informationen und letzte Fragen können direkt geklärt werden. Der nächste Schritt ist dann der wichtigste: das Forschungsvorhaben. Zur Bewerbung gehören nämlich neben Formalitäten wie Passfoto, Immatrikulationsbescheid und einem Prüfungsnachweis auch ein jeweils einseitiges Anschreiben sowie ein Forschungsvorhaben. Hier muss man begründen, warum man nach Japan sollte, wieso es gerade die ausgewählte Universität sein muss und so weiter und so fort. Diese zwei Seiten entscheiden im Prinzip über alles, weswegen man sich viel Mühe geben sollte. Vor allem das Forschungsvorhaben erfordert einen nicht zu vernachlässigenden Aufwand, da man damit bestenfalls das Thema seiner Bachelorarbeit festlegt. Dementsprechend muss die dazugehörige Literatur gelesen und auch in den Text eingebunden werden. Forschungsthema heißt übrigens, dass man dazu in Japan Material sammelt :good: Falls man in die angestrebte Richtung nicht findig werden sollte, lässt sich das Thema selbstverständlich in Absprache mit dem vorher in einer Sprechstunde eingebundenen “Mentor” ändern. Hat man alles zusammen, werden die kompletten Unterlagen an den Betreuer der angestrebten Universität geschickt. Natürlich muss man hier eine Frist einhalten und nein, nicht komplette Bewerbungen werden gar nicht erst beachtet. Abschließend wird man zu einem persönlichen Interview eingeladen, bei dem man dem gesamten Japanologie-Kader Fragen beantworten muss – sogar teilweise auf Japanisch. Erst wenn man auch hier glänzen konnte, besteht die Möglichkeit, an einer Partneruniversität zu studieren.

4.) Wie lässt sich das Ganze finanzieren?

Durchschnittliche Studenten/innen haben vor allem von einem zu wenig: Geld. Japan – gerade Tokyo – ist dazu eine sehr teures Land…Woher also das Geld nehmen? Man kann sich für viele Stipendien bewerben, die von den unterschiedlichsten Institutionen vergeben werden, wobei die Vergütung von ein paar hundert Euro für wenige Monate zu einem Vollstipendium inklusive Übernahme der Reisekosten sehr stark schwanken kann. Man erhält übrigens schon automatisch ein Stipendium, wenn man einen Platz an einer japanischen Universität erhält, weil einem die üblicherweise anfallenden Studiengebühren erlassen werden. Dies ist schon eine nicht gerade kleine Entlastung. Mit Stipendien werde ich mich erst beschäftigen, wenn ich meinen Platz in sicheren Händen habe, weswegen ich darüber aktuell nicht wirklich sagen kann :sad: Ich weiß bisher nur so viel, dass man sich einfach bewerben und aufs Beste hoffen soll, gerade wenn man meint, dass man Stipendium XYZ sowieso nicht erhalten wird.

5.) Was man noch beachten sollte

Man sollte sich vorher im Klaren sein,dass man für 9 bis 10 Monate im Ausland sein wird, also weg von Freunden und Familie. Ich kenne das ja schon, aber wenn man z.B. ein sehr altes Haustier hat oder wenn man nicht ohne Freund/ Freundin oder auch die Familie kann, würde ich mir vorher sehr gut überlegen, ob ich mich überhaupt bewerben sollte. Man kann als Alternative schließlich auch ein Praktikum mit Bezug zu Japan absolvieren, wie auch immer da die Chancen stehen, etwas zu finden. Des Weiteren gibt es quasi kein Zurück mehr, sobald man den Platz angenommen hat.

6.) Wofür ich mich entschieden habe

Ich werde mich um einen Platz an der Shimane Universität in Matsue bewerben, die etwa 200km nördlich von Hiroshima an der Rückseite der Insel Honshûs gelegen ist. Da ich Tokyo schon kennen gelernt habe und mir es dort nicht besonders gefallen hat, wollte dort eben nicht hin. Um Osaka herrscht immer eine rege Konkurrenz, weil man die einmalige Chance hat, als Stipendium bei einer japanischen Familie zu leben. Irgendwie hab ich dann Gefallen an Shimane gefunden, welches so schön am Meer liegt und eine überschaubare Größe hat. Außerdem ist man dort als angehender DAF-Lehrer perfekt aufgehoben, weil man bezahlt Deutsch unterrichten kann. Auf der Suche nach einem Forschungsthema bin ich auf den griechisch-irischen Autor Lafcadio Hearn gestoßen, der für kurze Zeit in Matsue lebte und über das Japan des ausgehenden 19. Jahrhunderts geschrieben hat. Ihm wurde in Matsue sogar ein Museum gewidmet! Zu Hearn gibt es ausgesprochen viel, sodass ich aktuell noch auf der Suche nach einer konkreten Fragestellung bin. Vielleicht sollte ich mich mal etwas beeilen xD Meine zweite Wahl stellt Hirosaki ganz im Norden Honshûs dar, wofür ich mir einen der bekanntesten Autoren Japans ausgesucht habe. Auch hier fehlt noch die Konkretisierung, wobei ich doch sehr hoffe, dass es Shimane wird.

Einen Platz an einer japanischen Universität muss man sich also regelrecht erkämpfen. Zum Glück kann die Universität Trier praktisch für jeden Studenten einen Platz anbieten, sodass theoretisch jeder die Chance hat, nach Japan zu gehen. Die Bewerbung ist halt entscheidend…Dementsprechend ernst sollte man das Ganze angehen, wobei ich jetzt natürlich nur von der Universität Trier sprechen kann. Ich schätze aber, dass es an den anderen Unis mit japanologischen Fakultäten ähnlich ablaufen wird. Danke fürs Lesen! Ich hoffe doch sehr, dass der etwas tiefere Einblick interessant war.

Euer
Tobii~


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Willkommen im Stress

Das 2. Semester!

Hallo ihr!

Wie angedroht folgt heute ein Blick zurück auf mein zweites Semester als Student der Japanologie, welches nicht etwa schon vor mehr als einem Monat zu Ende ging. Lasst mich also getreu dem Motto “Besser spät als nie” ein wenig über das plaudern, was einen so im Sommersemester erwartet :P

Zuallererst ist das Sommersemester eines: LANG! Im Wintersemester hat man ja die zwei Wochen Weihnachtspause, die einem eine sehr angenehme Pause bieten. Diese Auszeit fällt im Sommersemester leider weg, wobei man stattdessen einzelne Feiertage und auch eine Woche rund um Pfingsten erhält. Ich war dann natürlich so genial, diese eigentlich wichtige Freizeit als solche nicht wahrzunehmen…So ab Juni geht es dann nämlich schon auf die Klausuren zu, ohne einen einzigen freien Tag bis zum Ende des Semesters zu haben. Das wurde noch durch einen anderen Umstand erschwert, auf den ich später zu sprechen kommen. Jedenfalls kam mir das Sommersemester um Einiges zäher vor als das vorherige Wintersemester, was definitiv nicht an den Inhalten lag.

Im Sprachkurs wurde der Fokus theoretisch auf die “gesprochene Sprache” gelegt, wobei man praktisch davon eher wenig mitbekommen hat. Es wurden vor allem simple Satzkonstruktionen behandelt, die man im Grunde nur auswendig lernen muss. Dazu wie gehabt unglaublich viele Kanji. Die Vorlesung zur “Kulturgeschichte Japans” unterschied sich im klassischen Teil kaum von der Vorlesung zur japanischen Geschichte. Immerhin war der moderne Teil dagegen erfrischender, weil dann auch populärkulturelle Inhalte wie Fernsehdramen, Manga oder auch Anime zumindest angesprochen worden. Auf diesen Gebieten glänzten die Dozentinnen aber nicht unbedingt xD Ihr Fachgebiet stellt die Literatur dar, was in Dutzenden Zusammenfassungen von berühmten Werken japanischer Autoren und – ganz wichtig – Autorinnen mündete. Das Ganze fand vor dem Hintergrund statt, dass man ab nächstem Semester sich sowieso in einer eigenen Veranstaltung mit japanischer Literatur beschäftigen wird. Und sowieso wurde die “Pflichtliteratur” in Form eines einzigen Buches in keiner Weise in der Klausur abgefragt. Die einzig wirklich wichtige Veranstaltung hörte auf den kryptischen Titel “Japanologische Grundlagen”, in der vermittelt wurde, wie man u.a. Wörterbücher benutzt, Informationen in der Bibliothek nachschlägt, ein Referat hält oder auch eine Hausarbeit schreibt. Gerade die ganzen Formalitäten rund um die schriftlichen Arbeiten sind einfach unabdingbar. Dass die Dozentin uns auch Yoga-Übungen zur Reduzierung von Angespanntheit vor einem Vortrag oder Atemübungen gezeigt hat, steht auf einem anderen Blatt Papier…In meinem Nebenfach Deutsch als Fremdsprache waren die Inhalte an sich interessant, doch irgendwie auch wieder nicht: Die Seminare “Interkulturelle Kommunikation” und “Sprachtendenzen” handelten vom Umgang mit Angehörigen anderer Kulturkreise sowie von Eigenheiten der deutschen Sprache, wie z.B. Dialekte, Anglizismen oder auch Jugendsprache. In beiden Fällen bekam man quasi durchgehend Referate vorgesetzt, was nicht ganz so toll war. Die Vorlesung, die man außerdem besuchen hätte müssen, behandelte die “Deutsche Geschichte” und war die schlechteste Vorlesung, die ich mir hätte vorstellen können: Ein ergrauter Historiker spricht wie ein Wasserfall unglaublich detailliert jeden noch so kleinen Vorfall an, von denen ich am Gymnasium nicht das Geringste gehört habe. Dazu eine dermaßen zugeschissene Powerpoint-Präsentation, dass man am Ende einfach rein gar nichts behalten kann. Wofür muss man als angehender Lehrer der deutschen Sprache wissen, was ein Sachse namens Widukind im 8. Jahrhundert getan hat?! Der Gipfel war die Tatsache, dass sich zwei meiner Kommilitonen nicht zur Vorlesung angemeldet hatten, weswegen sie ihre Modulabschlussprüfung theoretisch nicht hätten ablegen dürfen. Da die Vorlesung sowieso niemand besuchen würde, hat man hier ein Auge zugedrückt. Es wurde also offiziell die Daseinsberechtigung der Vorlesung dementiert. Das Ganze ist in meinen Augen einfach nur behindert, aber das ist – wie alles in meinem Blog – nur meine persönliche Meinung. Sowieso kommen einem die Studieninhalte erst rückblickend so einfach vor; solange man noch im Semester ist, kann man das, was man lernen soll, gar nicht richtig reflektieren. Deswegen klingt das Ganze vielleicht etwas sehr banal, aber ein Studium ist und bleibt eine ernste Angelegenheit, für die man sich sehr anstrengen muss.

Die Prüfungen musste ich mit einer Ausnahme alle direkt hintereinander ablegen; also jeweils Montag, Dienstag und Mittwoch eine. Ich habs irgendwie geschafft und bin gut durchgekommen, was die Hauptsache ist. Das, womit ich mir persönlich den meisten Stress gemacht habe, war aber etwas ganz Anderes: Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, wird einem als Japanologie-Student dringend empfohlen, einen Auslandsaufenthalt im Land der aufgehenden Sonne zu absolvieren. Die Vorbereitungen hierfür fangen nämlich schon im zweiten Semester an, was wirklich früh ist. Wenn man dann auch noch Tobias heißt und die gesamte vorlesungsfreie Zeit in seiner Heimat verbringt, muss man also neben dem normalen Pensum inklusive dem Lernen für Klausuren bis zum Ende des Semesters sehr viele Entscheidungen treffen. Ansonsten hätte man die zwei Monate Semesterferien sehr gut dafür nutzen können, wobei die Professoren auch nur bis etwa Mitte August für Sprechstunden zu haben waren…Es geht dabei eigentlich nur um folgende Fragen: Welche Universität? Was für ein Forschungsthema? Welcher Dozent oder welche Dozentin kann das Thema begleiten? Klingt an sich machbar, aber vor allem das Thema ist eine extrem wichtige Angelegenheit, weil dieses idealerweise das Thema der Bachelorarbeit wird. Wenn man in Japan auf ein anderes, interessantes Thema stößt und/ oder wenig bis gar nichts zu dem abgemachten Forschungsthema findet, stellt ein Wechsel zum Glück kein Problem dar. Nichtsdestotrotz wird man schon für die Bewerbung eine DIN-A4 Seite darüber schreiben müssen, in der man auch Zitate oder Querverweise zu Literatur machen muss. Heißt also: Lesen! Und das macht am meisten Spaß, wenn man für etwas Interesse hat. Jedenfalls musste ich mich durch einige Bücher wälzen, bevor ich ein für mich spannendes Thema gefunden hatte. Über den Bewerbungsprozess und meine bisherigen Entscheidungen schreibe ich noch einen eigenen Eintrag, weshalb ich an dieser Stelle noch sehr viel ausgelassen habe.

Danke fürs Lesen, wenn ihr es bis hier geschafft haben solltet! Endlich mal wieder etwas mehr für euch. Wenn die Buchstaben erstmal aus den Fingern fließen, dann gleich als Sturmflut xD

Tobii~

Fünfunddreißig Grad Celsius

Der Sommer 2015:

Ja moin!

Wie gewohnt habe ich mal wieder länger nichts mehr von mir hören lassen und das trotz vorlesungsfreier Zeit. Auf jeden Fall habe ich nun das 2. Semester Japanologie erfolgreich abgeschlossen :bye: Doch darüber möchte ich heute nicht schreiben, oh nein! Es soll sich um meinen Sommer in Trier drehen, der nicht ganz normal war :sweat:

Jaja…Der Sommer 2015 wird bei so manchen hängen bleiben: Im Norden fast schon herbstlich, während man im Süden eine Dürre mit Temperaturen bis an die 40°C-Marke ertragen musste. Trier liegt bekanntlich in letzterer Himmelsrichtung, weshalb ich auch etwas von den mediterranen Verhältnissen erlebt habe. Schwüle 35°C, die man nur in einem der zwei Freibäder Triers oder sehr knapp bekleidet im Windstrom eines Ventilators aussitzen zu vermochte. Mein Zimmer mutierte so zur Sauna, in der ich immerhin 30°C erreichen konnte. Ich musste gar meinen PC-Monitor vor der Sonne verstecken, da sie diesen ansonsten geschmolzen hätte. Bei diesen Temperaturen machte das Kanji-Lernen natürlich umso mehr Spaß…Ich verstehe jetzt auch, warum die Universität klimatisiert ist! Wirklich helfen tut das allerdings ehrlich gesagt auch nicht…Und wer jetzt denkt, dass Gewitter Abkühlung brächten, der täuscht sich gewaltig: Mehrere Male donnerte und blitze es in der Ferne, doch rund um die Uni viel im Prinzip kein einziger tropfen. Trotzdem hielt sich der Grad der Austrocknung noch in Grenzen…Da habe ich aus Bayern Schlimmeres gehört.

Das klang jetzt fast schon zynisch, wofür ich mich fast entschuldigen möchte, aber ich müsste lügen, wenn ich diese paar Wochen nicht genossen hätte. Erinnerte mich an den japanischen Sommer oder zumindest an die Sommerferien mit der Familie in Italien. Gerade als Norddeutscher freut man sich sehr über richtig heißes Wetter. Es fehlte noch das Zirpen der Zikaden, aber man kann ja nicht alles haben.

Demnächst schaffe ich es hoffentlich, noch auf das abgeschlossene Semester zurückzublicken und auch eine Vorschau aufs nächste Jahr zu geben. Bis zum nächsten Eintrag!

Euer
Tobii~

Wünsche, Träume und Utopien

Ein Blick nach Vorne:

Halli hallo :yahoo:

Mit fortschreiten des Studiums macht man sich allmählich Gedanken über die Zukunft. In welche Richtung möchte ich gehen? Wo möchte ich Auslandssemester verbringen? Nach dem Bachelor noch einen Master? Genau solche Fragen möchte ich heute mit euch teilen. Viel Spaß dabei!

Wie ihr wisst, studiere ich Japanologie im Hauptfach und Deutsch als Fremd- bzw. Zweitsprache im Nebenfach. Also mal angenommen, ich ziehe diese Kombination die nächsten Jahre genau so durch, was erwartet mich und auch euch als Leser? Für Japanologie möchte ich bestenfalls bereits im Herbst 2016 für zwei Semester nach Japan, wobei das das gute bis sehr gute (!) Bestehen der nicht unbedingt einfacher werdenden Klausuren voraussetzt. Auch der Bewerbungsprozess an sich beinhaltet schon viel, um die Spreu vom Weizen zu trennen: Motivationsschreiben, Forschungsthema, persönliches Interview, welches teilweise auf Japanisch geführt wird…Ich werde mein Bestes geben, wobei keiner zu sagen vermag, ob es dann nächstes Jahr mit Japan klappt. Auf jeden Fall habe ich schon zwei Universitäten im Auge: Eine südlich von Kyoto in der Millionenstadt Osaka, die andere an der Nordwestküste der Hauptinsel Honshu in einer kleineren Stadt mit etwa 200.000 Einwohnern. Eigentlich rechne ich mir für diese beiden Unis ganz gute Chancen aus, weil sie gleich mehrere Plätze anbieten und viele vermutlich eher nach Tokio wollen, wo sowieso die meisten Partneruniversitäten zu finden sind.

Mein Nebenfach wird für die Auslandssemester pausieren müssen, weshalb ich vermute, dass ich nicht in der Regelstudienzeit zum Abschluss beider Fächer kommen werde. Außerdem gehört auch hier eine Zeit abseits der Universität dazu, die man in Form eines mindestens zweimonatigen Praktikums absolviert. Wer also gewillt ist, kann nicht einfach in Deutschland Flüchtlingen die deutsche Sprache näherbringen, sondern seinen eigenen Horizont mit einem Aufenthalt in Indonesien, England, Australien und vielen anderen Ländern erweitern. Da werden natürlich wieder Kosten auf mich zukommen, aber so ein Angebot würde ich mir eher ungern entgehen lassen. Persönlich wäre ich an den USA interessiert, doch zur Not ließe sich das Praktikum mit meinem Japanaufenthalt kombinieren. Ganz allgemein fehlen mir dafür aber noch die entsprechend Kenntnisse unserer Grammatik, aber das werde ich noch nachholen.

Als was sehe ich mich also in der Zukunft? Einen konkreten Beruf kann ich euch an dieser Stelle allerdings nicht bieten :unsure: Meine Fachkombination würde mir einen guten Start als Deutschlehrer in Japan geben, doch müsste man sich davor überlegen, ob man diesen Schritt wirklich gehen will. Aktuell ist mir das Land der aufgehenden Sonne trotz meiner 9 Monate dort unglaublich weit weg. Erst nach meinen Auslandssemestern werde ich entscheiden können, ob ich meinem Heimatland tatsächlich den Rücken kehren möchte. Ehrlich gesagt wüsste ich ansonsten nichts, was mir in Deutschland Spaß machen würde…Eine Karriere an der Universität, Dolmetscher, Übersetzer und Weiteres hören sich für mich nach viel Arbeit in einem teilweise elitären Umweld an. Sowieso halte ich diese Tätigkeitsfelder für sehr umkämpft. Warum sollte ich es dann nicht mal in dem Land selbst probieren, dessen Sprache, Kultur und Geschichte ich studiere? Hier und da kommen sogar durch den E-Mail-Verteiler genau solche Angebote rein, die ich gerne annehmen würde, wenn es so weit ist. Allgemein sehe ich mich persönlich als Mensch eher praktischer Natur. Ich kann mir nicht vorstellen, mich mein Leben lang mit japanischer Literatur, japanischen Medien, japanischem Theater oder anderen Kulturgütern wissenschaftlich außeinanderzusetzen. Dementsprechend stehe ich zum aktuellen Zeitpunkt dem Masterstudiengang skeptisch gegenüber. So heißt es von offizieller Seite:

Das Studium im MA-Studiengang qualifiziert für ein breites berufliches Spektrum. Hierzu zählen u.a.Forschung und universitäre Lehre, außeruniversitäres Bildungswesen, Dolmetschen und Übersetzen, Tätigkeiten im Medienbereich und Verlagswesen, Wissenschafts- und Kulturaustausch, diplomatischer Dienst, nationale und internationale Organisationen oder die Tätigkeit in Wirtschaftsunternehmen.

Bis zu drei weitere Jahre Japanisch auf hohen Niveau lernen und sich weiter mit der Kultur auf einem ebensolchen Level auseinanderzusetzen klingt auf den ersten Blick nicht schlecht, aber die aufgeführten Berufsaussichten entsprechen einfach mal gar nicht meinen Träumen. Die Sprache kann man dann auch in Japan direkt oder in Eigenregie weiter lernen, finde ich zumindest.

Sicherlich ist es noch etwas früh, um zu sagen, ob die Wissenschaft der Japanologie im eigentlichen Sinne nicht doch etwas für mich ist. Denn erst ab nächsten Semester wird richtig wissenschaftlich gearbeitet. Aktuell habe ich einfach nur die Ahnung, dass das auf lange Sicht nichts für mich sein wird :rose: Ich bin jetzt ja auch schon 21 Jahre alt und inklusive Master könnte ich bis zu 7 weitere Jahre an der Universität verbringen, was mir viel zu viel ist. Ich möchte dann doch irgendwann mal auf eigenen Beinen stehen und endlich leben statt lernen.

Wie immer Danke fürs Lesen und hoffentlich habe ich dem ein oder anderen ein paar Fragen beantwortet. Bis zum nächsten Eintrag dann!

Euer
Tobii~

Das große Lesen

Endlich richtig studieren!

Hallo ihr alle,

Da hört ihr doch mal wieder was von mir, wie? Tja, ein Studium ist nicht ganz so aufregend wie 9 Monate Work & Travel in Japan :good: Deswegen gibt es hier aktuell kaum Neues, was einfach daran liegt, dass ich nichts wirklich Besonderes berichten kann. Und jetzt extra über Dinge schreiben, die meiner Meinung nach nicht zu meinem Blog passen, käme mir seltsam vor… Nichtsdestotrotz befinde ich mich quasi schon in der Mitte vom Sommersemester und so langsam geht es schon eher in die Richtung Studium. Warum, werdet ihr heute erfahren!

Die Umstellung des digitalen Management-Systems, in dem sich alle Studenten für Veranstaltungen und Prüfungen anmelden, neuer Stundenplan, das Aufderstreckebleiben einiger Kommilitonen, Kirschblüte…So chaotisch fing mein Sommersemester an. Trotzdem gab es am Ende eher weniger Überraschungen: der Sprachkurs wird zunehmend komplexer und ein wenig anstrengend, was einfach an der Art des Unterrichts liegt. Dazu zwei Vorlesungen und zwei Seminare in meinem Nebenfach Deutsch als Fremdsprache, in denen man quasi nichts machen muss, außer anwesend zu sein xD Das definitiv wichtigste Fach hört auf den Namen “Japanologische Recherche und Präsentation”, in dem die Grundlagen für wissenschaftlichen Arbeiten in der (Trierer) Japanologie vermittelt werden. Wie schreibt man eine Hausarbeit? Wie arbeitet man eine Präsentation aus? Wie schlägt man unbekannte Schriftzeichen in Wörterbüchern nach? Das und Weiteres sind sprichwörtliche die Grundsteine für die nächsten Semester, weshalb man dementsprechend gut dabei sein sollte. Im gleichen Atemzug muss jeder Student dieses Semester eine Art Trockenübung für eine Hausarbeit zu einem zufälligen Thema durchführen. Dafür durchgeht man eben die selben Schritte (Recherche, Gliederung, Ausarbeitung, etc.) und hält zum Ende des Semesters eine kurze Präsentation. Das funktioniert natürlich nur, wenn man selbst die dazugehörige Literatur konsumiert. Heißt also lesen, lesen und noch mehr lesen. Ich habe mit einem männlichen Autor der Moderne, der relativ wenige Werke geschaffen hat, ein gutes Los gezogen, weil unsere Uni-Bibliothek auch dementsprechend wenig zu bieten hat.

Ein anderes Anliegen, für das man Bücher durchstöbern sollte, sind die beiden Auslandssemester. Wie das zusammenhängt? Bei der Bewerbung für die stark limitierten Plätze muss man u.a. ein sogenanntes Forschungsthema präsentieren. Das ist dann eine DIN A4-Seite, auf der man erörtert, für welches Thema in Japan vor Ort recherchiert werden soll. Was da genau geschrieben werden soll, wird mir erst noch beigebracht. Die Krux ist eben, dass die Bewerbung am Anfang des Wintersemesters erfolgt, also diesen Oktober. Schon in der Sommerpause muss ich mich demnach für ein Forschungsthema entscheiden, was dann zum Teil auch für meine Bachelorarbeit von Bedeutung sein wird. Mit anderen Worten darf ich mich als Zweiti ohne große Erfahrung in der Japanologie bereits für die Richtung meiner Abschlussarbeit entscheiden…Wer das aus dem Stand kann, ist nicht normal :P

Japanische Kultur und dazu der Autor Dazai Osamu

Insgesamt hatte ich alleine diesen Monat fünf Bücher in der Hand, die sogar ausnahmslos in Englisch verfasst waren. Und dabei darf ich auch noch für ein Referat in meinem Nebenfach recherchieren…Ich beschwere mich nicht, sondern bin erleichtert, dass der “Schulcharakter” des ersten Semesters so langsam zu Ende geht. Allgemein wird man in fast jedem Studiengang früher oder später sehr viel lesen müssen; vor allem in linguistischen Studiengängen wie der der Japanologie kommt man an der Bibliothek nicht vorbei. Bisher hat es mir die Zeit der streitenden Reiche oder auch Sengoku-Jidai sehr angetan, die vom Ende des 15. Jahrhunderts bis 1600 andauerte. Obwohl es wohl die blutigste Epoche war, fasziniert mich der Prozess der Einigung Japans wie keine andere historische Periode in der japanischen Geschichte. In dieser Zeit fanden die ersten Ausländer und mit denen auch christliche Missionare ihren Weg in das Land der aufgehenden Sonne. Außerdem bin ich absoluter Fan Toyotomi Hideyoshis, ohne den die Sengoku-Jidai nicht so ausging, wie es schließlich der Fall war. Für mein Thema schwanke ich aktuell zwischen der historischen Person Toyotomi Hideyoshi und dem sogenannten christlichen Jahrhundert, welches bis in die 1630er andauerte, weil dann das Christentum verboten wurde. Man bräuchte natürlich noch etwas Genaueres wie “Christen unter Toyotomi Hideyoshi”, aber bis dahin habe ich noch ein wenig Zeit. Sowieso sollte ich mir mal Werke über das christliche Jahrhundert oder die Sengoku-Jidai einverleiben…

Danke fürs Lesen. Ist irgendwie am Ende recht viel geworden, aber so ist das eben :bye: Wenn die Gedanken erstmal anfangen zu fließen, gibts gleich einen ganzen Tsunami. Demnächst möchte ich noch etwas über meine allgemeine Zukunft loswerden, also seid gespannt.

Euer
Tobii~

Das erste Semester ist geschafft!

Kanji, Kanji und noch mehr Kanji:

Ohisashiburi!

Oder einfach “lange nicht gesehen”, wie es im Deutschen heißen würde. Eine wirkliche Erklärung habe ich nicht, warum ich erst jetzt dazu komme, mal wieder einen Eintrag zu verfassen…Weihnachtspause, Klausurvorbereitungen und so weiter und so fort. Zumindest mein Wintersemester ist faktisch am 19. Februar zu Ende gegangen, sodass es mir schon ein wenig peinlich ist, nicht einmal etwas zum Jahreswechsel geschrieben zu haben. Aber es ist, wie es ist und noch können wir nicht in der Zeit zurückreisen :P Wie im letzten Eintrag versprochen, berichte ich heute vor allem vom Sprachkurs und ganz allgemein, wie für mich das erste Semester als Student der Japanologie war. Auf auf!

Der Sprachkurs ist in zwei ungefähr gleich große Gruppen unterteilt – eine vormittags und eine nachmittags. Ich gehörte Letzterer an, die erfahrungsgemäß immer etwas kleiner ausfällt. Das hat aber den Vorteil, dass man mehr schafft ;-) Vier Tage die Woche trifft man sich also jeweils 90 Minuten, um Grammatik, Schriftzeichen und Vokabeln zu lernen. Inhaltlich werden einem im ersten Semester natürlich nur das Grundlegende vermittelt: Satzstellung, die beiden Silbenschriften, Vergangenheitsform, Imperativ, Umgangs- und Standardsprache, Zahlwörter, Adjektive und die sogenannten Postpositionen. Im Zeitraum von Ende Oktober bis Mitte Januar arbeitet man so das von unserer Dozentin erstellte Lehrwerk “Grundstudium Japanisch 1” zur Hälfte durch. Klingt doch nach einem guten Pensum, oder etwa nicht? Im Vergleich zu meinen Sprachkursen in Japan hatte ich in einem sehr viel kürzeren Zeitraum so ziemlich die gesamte Grammatik der ersten beiden Semester an der Universität gelernt. Dazu findet der Unterricht direktiv statt (es werden einem also alle Regeln in deutscher Sprache erklärt) und nicht wie in Japan – gezwungenermaßen – induktiv (die Lerner müssen sich die Regeln selbst formulieren). Außerdem wird neue Grammatik faktisch nur an zwei Tagen pro Woche eingeführt, da an den beiden anderen ein Hilfsdozent übernimmt, der zwar auch aus Japan stammt, aber Psychologe und kein Linguist ist. Mit diesem wird dann der neue Stoff geübt. Ganz allgemein wird sehr viel weniger Zeit für Übungen aufgewandt, was ich sehr schade finde. Das klingt jetzt natürlich sehr negativ, doch so schlimm empfinde ich es nicht: Wiederholung des bereits Bekannten ist immer gut und die Grammatik mit deutschen Begriffen zu lernen, eröffnet auch irgendwie einen anderen Blickwinkel auf das Ganze.

Eine Lektion aus Grundstudium Japanisch

Eine Lektion aus Grundstudium Japanisch

Das Lehrwerk an sich geht entsprechend unserer Dozentin eher den linguistischen Weg, was Vor- aber auch Nachteile hat: Grammatische Konstruktionen hat man super drauf, aber vom “alltäglichen” Japanisch lernt man nicht allzu viel. Im Nebenfach und sogar im Kurs des anderen Dozenten, der sich mit meiner jedes Jahr abwechselt, wird das Minna No Nihongo benutzt, also das Lehrwerk, mit dem ich auch in Japan gearbeitet habe. Im Gegensatz zu diesem, wird in “Grundstudium Japanisch” ab einer bestimmten Lektion auf die Umschrift der Schriftzeichen in Silbenschrift verzichtet, sodass man entweder selbst diese ergänzt oder mal eben vierzig bis fünfzig Kanji im Voraus lernt…Letzteres ist selbstverständlich utopisch, weshalb mir der Sinn dieser Entscheidung nicht einleuchtet. Obwohl ich diese Kritik verlauten lasse, denke ich dennoch, dass mir dieser Sprachkurs am Ende einen Vorteil geben wird. Vor allem in Hinblick auf die offiziellen japanisch Tests, in denen zum Teil sehr exotische Grammatik abgefragt werden wird. Denn am Ende ist gesprochenes Japanisch um ein Vielfaches leichter zu lernen als geschriebenes; wenn es also wieder nach Japan gehen wird, sollte ich schnell mein Defizit ausbessern können.

Ein anderes Thema sind die Schriftzeichen, von denen wir alleine im ersten Semester an die 350 Stück verinnerlichen mussten. Dabei wird aber nicht verlangt, z.B. in der Klausur am Ende des Semesters alle schreiben zu können, sondern nur ein kleiner, vorher genau festgelegter Teil. Durch die wöchentlichen Kanji-Tests wird am Ende trotzdem jedes einzelne Schriftzeichen abgefragt. Ob man wirklich am Ende des Studiums jedes der 2000 Kanjis, die für den “täglichen Gebrauch” benötigt werden, geschrieben haben muss, ist sicherlich fraglich. Es gibt ja nicht umsonst digitale Wörterbücher, wo man sehr einfach Schriftzeichen nachschlagen kann. Aus meiner Sicht wäre eine Halbierung des Pensums wünschenswert, aber dann schreibt man eben weiterhin gute fünf Stunden pro Woche nur Kanji, um sie irgendwie zu behalten. Ich habs mir ja selbst ausgesucht und so xD Nur bei meiner Dozentin lernt man übrigens “alle” Kanji; bei ihrem Kollegen und im Nebenfach wird nur ein Bruchteil davon eingeführt. Sowieso darf man anzweifeln, inwieweit einem die Schriftzeichen für “subpolare Klimazone” oder ähnliche Fachwörter im späteren Leben weiterhelfen.

Meine Karteikarten für die Kanji

Meine Karteikarten für die Kanji

Am Ende war für mich das erste Semester also fast nur von Schriftzeichen geprägt, da die Grammatik zu quasi 100% Wiederholung war. Vokabeln lernt man indirekt durch die Schriftzeichen und sowieso gab es nicht einen einzigen reinen Vokabeltest. Wirklich neu für mich ist das Übersetzen vom Deutschen ins Japanische und umgekehrt, wobei man da auch nur mal den Dreh raushaben muss, um diese zuerst komplex wirkende Qualifikation zu meistern. Des Weiteren wird einem im ersten Semester nahezu alles vorgegeben: Welche Kanji abgefragt werden, welche Grammatik man für die Klausur beherrschen muss…Dementsprechend fühlte es sich nicht wie ein Studium an, sondern eher wie Schule. Zum Glück dürfte es im kommenden Semester interessanter werden; ich hoffe zumindest, dass einem endlich mehr Freiheiten gegeben werden.

Neben dem Sprachkurs galt es noch die gesamte Geschichte Japans durchzunehmen und etwas über die Kultur zu erfahren. Nur Ersteres wurde direkt per Klausur abgefragt, sodass ich inklusive meines Nebenfaches nur drei Klausuren zu schreiben hatte, was sehr wenig ist. Als Randnotiz unter vorgehaltener Hand fallen die sogenannten Klausuren eher wie Tests aus: Die “Geschichtsklausur” konnte man in vielleicht 20 Minuten mit 1,0 bestehen. Auch die Japanischklausur fiel nicht unglaublich schwer aus, obwohl es immerhin mehr zu tun gab. Für mein Nebenfach hätte ich besser lernen sollen, aber es sollte noch ausreichen. Alles unter einer 4 bedeutet nämlich “nicht bestanden” und man muss diese Klausur dann wiederholen. Auf jeden Fall kommen einem die ersten Klausuren etwas seltsam vor, wenn man sich auf sein Abitur zurückbesinnt…

So sah also mein erstes Semester aus. Ob es letztendlich wirklich “geschafft” ist, wird das Ergebnis der Deutschklausur zeigen, aber ich bin optimistisch :yahoo: Mitte April geht es dann wieder los, aber vorher kommen hoffentlich noch einige Einträge zu verschiedenen Themen. Seit gespannt :bye:

Euer
Tobii~